Enkenbach-Alsenborn RHEINPFALZ Plus Artikel Mitte Juni schließt der Equitreff

Petra Sprengart schließt ihren Laden „Equitreff Petra Schermer“ in Enkenbach.
Petra Sprengart schließt ihren Laden »Equitreff Petra Schermer« in Enkenbach.

Inhabergeführt: Ein Geschäft in der von der Großbaustelle geplagten Hauptstraße in Enkenbach schließt. Nach 20 Jahren räumt Inhaberin Petra Sprengart ihren Pferdeladen „Equitreff Petra Schermer“. Bis zum 15. Juni können Kunden noch bei ihr einkaufen, danach ist Schluss – allerdings nicht so ganz.

Als Petra Sprengart (damals noch Schermer) im Januar 2004 den Anglerladen Ecke Hauptstraße/Kirchenstraße passierte, entdeckte sie den Aushang „Nachmieter gesucht“. „Als ich wieder zuhause war, dachte ich mir: Wenn nicht jetzt, wann dann“, erinnert sich die gebürtige Enkenbacherin. Dass sie sich getraut und sofort zugeschlagen hat, liege daran, dass sie bereits seit 1993 ein Pferdegeschäft in Morlautern betrieben habe. Früh hat die gelernte Industriekauffrau ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. „Lieber weniger Geld verdienen und dafür morgens mit Freude aufstehen und Spaß an der Arbeit haben“, sagt die Pferdeliebhaberin. Nachdem sie zwischendurch zwei Jahre hauptberuflich in einer Maschinenbaufirma tätig war, eröffnete sie im April 2004 mit dem Equitreff wieder ihren eigenen Laden. Auch wenn es anfangs etwas schleppend lief, hatte sie dennoch Kunden aus ihrer Morlautrer Zeit.

Baustelle bereitet Probleme

Mit ihrem Sortiment an Reitsportbekleidung, Pferdezubehör wie Sättel und Schabracken, Artikel für Weidezäune und Stallausrüstung sowie Futter- und Pflegemitteln bedient die 56-Jährige seit zwei Jahrzehnten eine große Stammkundschaft in einem Umkreis von 40 Kilometern um Enkenbach. Außerdem hat sie regelmäßig Verkaufsstände auf Turnieren und verleiht Turnierbekleidung und Schermaschinen. Von Letzterem hat Beate Raufer aus Otterbach schon Gebrauch gemacht. Ihr gehören drei Pferde in Katzweiler. Seit 30 Jahren sei sie Kundin und könne sich nicht vorstellen, nicht mehr im Laden zu stöbern. Oft habe sie mehr mit nach Hause genommen als geplant, gesteht sie. „Aber ich bleibe Petra natürlich als ,Mobilkunde’ erhalten.“

Denn ganz aufhören wird die Betreiberin nicht – sie hat sich ein neues Konzept ausgedacht. Dazu veranlasst haben sie die Umstände. „Da kam mehreres zusammen, und man muss mit der Zeit gehen“, erläutert Sprengart. Als im April 2023 die langfristige Baustelle in der Hauptstraße startete, führte sie den Montag als Ruhetag ein und suchte sich einen Nebenjob zum Überbrücken. Die zunehmende Parkplatzproblematik bei fortschreitender Baustelle habe dazu geführt, dass weniger Kunden kamen. „Dazu kam dann noch die Inflation. Alles ist teurer geworden, und Reiten ist zudem schon ein teurer Sport. Da wird Reiten und eigene Pferdehaltung schnell zum Luxus“, weiß die Fachfrau. Darüber hinaus spüre sie den Anstieg im Online-Handel.

Mit den Waren direkt zum Kunden

Sprengart sieht ihre Zukunft nun im „Mobilen Konzept“, während sie wieder als Angestellte in einem Steuerbüro tätig ist. Sie werde in einer wöchentlichen Route mit ihrem VW-Transporter die Ställe im Umkreis anfahren und ihre Ware direkt zu den Kunden bringen. Diese geben vorab ihre Sonderbestellungen auf und sowohl Reiter als auch Pferd können dann Kleidung, Sättel oder Trensen vor Ort im Stall anprobieren. Für ihre Kunden sei diese Art des Einkaufens vermutlich stressfreier. In einer Whatsapp-Gruppe informiere sie die Interessenten über Angebote und neue Ware. Mit vorheriger Absprache könnten Kunden auch bestimmte Artikel anschauen kommen, da Sprengart in ihrem Elternhaus – ebenfalls in der Hauptstraße – zwei Ausstellungsräume bestückt.

Bettina Huber aus Mehlingen, die gerade im Geschäft nach einen neuem Reithelm für ihre Tochter guckt, ist trotzdem traurig über die Schließung des Ladens. „Solche Läden gehören ja auch zum Dorfleben und machen es lebenswert. Man trifft sich und plaudert miteinander. Wir wollen ja lokal einkaufen, aber wenn die Geschäfte schließen, ist man doch hin und wieder gezwungen, bei Amazon das Knöpfchen zu drücken“, gibt die Mutter zu bedenken. Bei allem Verständnis für die Notwendigkeit der Baustelle finde sie es zudem unangebracht, dass man bei Vergessen des Auslegens der Parkscheibe dann auch noch ein 50 Euro-Protokoll mit seinem Auto kassiere.

„Einfach mal frühstücken gehen“

Petra Sprengart wird den sozialen Aspekt und den Kontakt in der Ortsmitte vermissen. Seien es nun Kinder, die einfach mal ins Geschäft zum Gucken kämen, oder Passanten, die sie auf einen Plausch besuchten. Einer älteren Dame, die regelmäßig zur Krankengymnastik gegenüber des Equitreffs müsse, habe sie mangels Ampel immer sicher über die Kreuzung geholfen. Diese stelle sich nun die Frage, wie sie das demnächst allein schaffen soll. Bedanken möchte sich Pferdebesitzerin Sprengart für die Kulanz ihrer Laden-Vermieterin und für die langjährige Treue und Unterstützung ihrer Kunden. Sie hofft, dass diese ihr weiterhin erhalten bleiben und das mobile Angebot nutzten. Auf was sie sich nun freut? „Seit 30 Jahren habe ich jeden Samstag gearbeitet. Nun kann ich auch einfach mal samstagmorgens mit einer Freundin frühstücken gehen“, sagt sie und schmunzelt.

Kontakt

Weitere Infos gibt es unter der Telefonnummer 0171 4358552.

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