Enkenbach-Alsenborn
Ministerpräsidentin Malu Dreyer übergibt Förderbescheid bei Besuch des Provinzkinos
„Akut in seiner Existenz gefährdet“ sieht Kinomacherin Ursula Simgen-Buch das Provinzkino Enkenbach. Der mehrmonatige Lockdown im Frühjahr und die noch zu erwartenden Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie machten dem Betrieb schwer zu schaffen. Um dem Niedergang des Kinos aktiv entgegen zu wirken, veranstalteten die Betreiber im Sommer mehrere Open-Air-Kinoabende. Unter Einhaltung aller Hygienebestimmungen konnte eine deutlich größere Anzahl an Besuchern als im geschlossenen Kinosaal verzeichnet werden. „Das half sehr, die angespannte, finanzielle Lage des Kinos etwas zu entschärfen“, bilanziert Simgen-Buch.
Notwendige Voraussetzung, um die Filme bei den Freiluftveranstaltungen in angemessener Qualität präsentieren zu können, war die Anschaffung eines entsprechend leistungsstarken Projektors. Durch die Fördersumme ist dieser bis auf rund 3500 Euro finanziert. Die Ministerpräsidentin nahm sich im Anschluss an die Übergabe des Förderbescheids die Zeit, sich die Sorgen der Kinobetreiber anzuhören. Dabei kamen auch Perspektiven zur Sprache.
Ortsgemeinde überlegt, das Kino zu kaufen
Der Musiker und Unterstützer des Kinos, Manuel Buch, sprach kritische Aspekte an. „Wir haben generell zu wenige Besucher. Der reguläre Betrieb zahlt sich auf Dauer nicht aus.“ Aus eigenen finanziellen Mitteln seien dringend notwendige Investitionen in die Zukunft ausgeschlossen. Ortsbürgermeister Jürgen Wenzel (CDU) sieht Möglichkeiten im Leader-Förderprogramm der Europäischen Union. Er wolle Optionen zusammenstellen und diese dem Ortsgemeinderat und der Kommunalaufsicht vorlegen. Der Ankauf des Gebäudes durch die Ortsgemeinde und die nachfolgende Umwandlung des Kinobetriebs von einer GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) in eine Vereinsstruktur könne Erfolg versprechen. „Wir müssen diesen Kurs mit den Fördergebern noch ganz präzise abstimmen“, so Wenzel.
„Es ist doch viel guter Wille da“, lobt Dreyer den Lösungsansatz. Sie stellte Informationen zur finanziellen Förderung einer neuen Lüftungsanlage nach Anti-Corona-Standards in Aussicht. Kinobetreiber Stefan Sprengart brachte seine Angst vor einem erneuten Lockdown zum Ausdruck. Sein Kollege Jörg Jacob machte klar, wie wichtig es für den Fortbestand ist, „dass wir weiterhin Unterstützung erhalten“. Malu Dreyer versuchte, Mut zu machen. Es sei klar, dass das Programm auch nach Corona weitergehen müsse. „Ich bin sicher, dass der Bund und wir weiterhin unterstützen werden.“ Programmkinos seien besondere Kulturorte. Mit einem ausgewählten Programm zeigten sie nicht nur die kommerziellen Erfolge, sondern auch kulturell hochwertige Produktionen. Mit der Förderung wolle man die Kinos unterstützen, corona-bedingte Investitionen vorzunehmen, ihre technische Ausstattung zu modernisieren und die Formate weiterzuentwickeln. Malu Dreyer ist bekennender Fan der Programmkinos. „Sie liegen mir total am Herzen. Es wäre schlimm, wenn es sie nach Corona nicht mehr gäbe.“
Simbgen-Buch hofft auf mehr Besucher
Die Provinz 80 Programmkino GmbH wurde dieses Jahr wieder mit Preisen ausgezeichnet. Anfang Oktober überreichte Kulturminister Konrad Wolf (SPD) in Mainz die Auszeichnungen – unter anderem den ersten Preis für das Allgemeine Filmprogramm. Ursula Simgen-Buch betonte, dass gerade in Corona-Zeiten der Besuch des Kinos „völlig ungefährlich“ sei. „Wir halten uns an alle Auflagen. Hier ist es sicher!“ Atmosphäre und Gemeinschaft erleben, das sei gerade jetzt ein Grund, warum es sich lohne, in einer Welt vielfältigster Internetmöglichkeiten trotzdem und gerade deshalb Programmkinos zu besuchen. Durch regen Besuch könnten Filminteressierte ihren Teil zum Weiterbestehen des Lichtspielhauses beitragen.