Kreis Kaiserslautern Messfühler stecken zwischen Kräutern
Ein Meteorologe ist für das Wetter zuständig, ohne dafür verantwortlich zu sein. Das trifft auch auf Michael Agne, den Wetterexperten der RHEINPFALZ, zu. Der Wettermann aus Lambsborn liefert seit 2000 regionale, meist verlässliche Wetterprognosen. Seinen Wetterbericht veröffentlicht die RHEINPFALZ zu Monatsbeginn.
„Schon in der Schule habe ich zu gern aus dem Fenster geschaut und versucht, mir einen Reim auf das Wetter zu machen“, muss Michael Agne nicht lange überlegen, wie man „Wetterfrosch“ wird. Ihm hat der Blick zum Himmel nicht gereicht. Anfang der 1990er schloss sich die Ausbildung beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach an. Ein paar Jahre hielt es ihn dort, bevor er dem inneren Ruf zurück in die Westpfalz folgte. Der heute 43-Jährige ging in die Selbstständigkeit und kehrte nach Lambsborn zurück. Seitdem steht sein kleiner Garten dort ganz im Zeichen der Wettererkundung. Ein hölzernes Vogelhaus beherbergt drei Thermometer, die allesamt mit dem dahinter liegenden Beet verbunden sind. Zwischen Kräutern und Beeren verschwinden zwei Messfühler im Boden. „Ein Fühler steckt 20 Zentimeter in der Erde, einer zehn“, erläutert Agne, wo die Verbindungen enden. Ein Fühler mit zwei Köpfen ist genau fünf Zentimeter über dem Erdreich drapiert. „Eine Messung geht direkt auf den Computer, die andere lese ich selbst ab“, sagt er und zeigt im Vogelhaus, welche Unterschiede ein heißer Sommertag zu bieten hat: 24,2 Grad werden 20 Zentimeter in der Tiefe gemessen. 28,2 Grad zeigt das Thermometer zehn Zentimeter unter der Oberfläche und mit 38,1 Grad beweist die dritte Messung, was die Sonne wirklich drauf hat. Damit aber noch nicht genug der Gartenmessung. Zwischen den Beeten dominiert ein glänzend weiß lackiertes Wetterhaus die Aussicht. „Das ist gerade frisch nach Vorschrift lackiert“, erklärt der Hausherr. Ein Wetterhaus muss zwar dem Wetter ausgesetzt sein, darf aber auf keinen Fall verwittern. Alles muss seine Richtigkeit haben, genau wie die Tür selbstverständlich gen Norden zeigt. „Damit beim Öffnen keine Sonne einfällt und die Werte verfälscht“, erklärt Agne. Im Garten, auf der Terrasse und im Haus drinnen, an diversen Computerbildschirmen wird nichts verfälscht. Im Gegenteil, von der Temperatur, der Luftfeuchte, der Niederschlagsmenge, dem Luftdruck, der Windrichtung, der Windstärke bis zur Sonnenscheindauer wird alles in mehrfacher Variante sowohl automatisch als auch manuell erfasst. „Der Computer kann ausfallen“, kommt seine einleuchtende Erklärung für das Messnetz mit doppeltem Boden. Der Computer am Arbeitsplatz wird vom Wetterhaus im Garten und von den beiden Wetterstationen auf der Terrasse mit Daten gefüttert. Dazu kommen die Wettermodelle, durchgespielt von unterschiedlichen Wetterdiensten. „Ich bevorzuge die Grundmodelle des deutschen und des amerikanischen Wetterdienstes, packe die regionalen Messergebnisse dazu und komme zur Vorhersage für die nächsten 14 Tage“, erläutert Agne. Dass er dabei eine ganze Menge Erfahrung und Intuition mit einbinden muss, erklärt sich von selbst. Trotzdem, immer passt es nicht. „Lokale Nebelfelder und die Angabe, wo genau der Schauer niederprasselt, das ist enorm schwer bis fast unmöglich“, gibt Agne Schwächen der Meteorologie zu. Ihn selbst kann beim Aufstehen das vorherrschende Wetter nur sehr selten überraschen. Das liegt daran, dass er jede Nacht um 1.30 Uhr seine Messgeräte abgleicht und einstellt. Dann folgt natürlich noch schnell ein letzter Blick in die aktuellen Vorhersagemodelle auf seinem Bildschirm, bevor sich ein müder Wettermann schlafen legt. Gewittert, schauert oder stürmt es in der restlichen Nacht, steht er natürlich wieder auf. Solche aktuellen Messdaten sind das Salz in der Suppe für die nächsten Modellberechnungen. Was ihm noch fehlt, sind weitere Regenmessdaten. Je mehr, desto besser, sagt er. Wer zuhause einen Regenmesser aufgebaut hat, ist aufgerufen, sich bei ihm zu melden und Niederschlagsmengen durchzugeben. „So kann die regionale Vorhersage noch besser werden“, sagt Agne, der sich über Anfragen zu meteorologischen Beratungen freut. Agne ist unter Telefon 06372 8943 erreichbar. |thea