Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Landwirte blicken auf durchwachsenes Jahr zurück

Niedrige Fleischpreise, hohe Kosten: Besonders die Schweinezüchter haben große Schwierigkeiten.
Niedrige Fleischpreise, hohe Kosten: Besonders die Schweinezüchter haben große Schwierigkeiten.

In den Schweineställen herrscht unheimliche Stille. Insgesamt galoppieren den Bauern die Kosten davon. Die Frage was werden soll, hängt schwer über den Betrieben. Das Jahr 2021 versprach zunächst viel. Dann jedoch ...

Landwirt sein, das war schon immer mit viel Arbeit verbunden. Arbeit, die anderen den Tisch deckte. Arbeit, von der die Bauernfamilie leben konnte und ja, der Nachwuchs sah Sinn und Freude darin, es den Eltern gleich zu tun. Das ist Vergangenheit. Viele Schlüssel für die landwirtschaftliche Tür werden nicht mehr übergeben, sondern für immer umgedreht. Das zeigt auch der Rückblick auf 2021.

Dabei fing das Jahr vielversprechend an. Nach zwei extremen Trockenjahren brachte das Frühjahr endlich wieder genug Futter. Auch beim Getreide deutete sich zunächst eine gute Ernte an. Der Ertrag blieb durch ein Zick-Zack-Wetter mit Nässe, Frost und Hitze dann aber weitgehend gering. Immerhin: Die Preise auf dem Getreidesektor und die Milchpreise bewegen sich auf einem vergleichsweise angezogenen Niveau.

„Der Rückgang der Schweinehaltung ist dramatisch“

Was das angeht, sieht es für die Schweinehalter düsterer aus. Was für Schweine oder Schweinefleisch erzielt wird, dümpelt schon lange unterirdisch daher. Jede Sau, die den Stall verlässt, reißt Löcher in den bäuerlichen Geldbeutel statt Geld zu bringen. Verdient wird da schon lange nichts mehr. Wohlgemerkt: Es geht um die wenigen kleinstrukturierten Betriebe in der Nord- und Westpfalz, nicht um die gewerblichen Massenproduktionen.

„Der Rückgang der Schweinehaltung ist dramatisch“, bringt es Lothar Ohliger, der Bauernverbandsgeschäftsführer in der Nord- und Westpfalz, auf den Punkt. Corona hat klar zu Absatzeinbußen geführt, und nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest auch in Deutschland, hat China die Einfuhr von Schweinefleisch gestoppt. Die Erzeugerpreise sind stark eingebrochen. Und das von einem miesen Niveau aus. „Hinzu kommt die Verunsicherung der schweinehaltenden Betriebe hinsichtlich der zukünftigen Ausrichtungen der Tierhaltung“, spricht Ohliger ein Damoklesschwert an, das insgesamt über der Landwirtschaft schwebt.

Die Kosten steigen

Die Bauern wissen vielfach nicht mehr, was von Ihnen erwartet wird, welche Gesetze und Auflagen kommen, wohin die bäuerliche Reise gehen soll. Müssen sie in weitere Stallungen investieren, weil der größere, besser belüftete Stall dem Verbraucher politisch als „Tierwohl“ nahegelegt wird? Erhält der Bauernhof, der vielleicht auf der Sickinger Höhe mitten im Ort liegt, überhaupt die notwendige Baugenehmigung? Und was ist, wenn in ein paar Jahren die Zeichen schon wieder in eine andere Richtung weisen? Die Kredite müssen auch dann bedient werden, wenn der Verbraucher zwar Tierwohl vor der Haustür gut findet, aber billiges Fleisch aus der Ferne kauft.

„Wie soll das denn gehen“, fragt Jürgen Vogelgesang, Vorsitzender im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Süd, Kreis Kaiserslautern. Er blickt mit einem unguten Gefühl in die Zukunft. Kaum ein Bauer könne mit reinem Gewissen der Tochter, dem Sohn dazu raten, in die Landwirtschaft einzusteigen, den Betrieb zu übernehmen. „Das sind schlaflose Nächte, bei denen sich alles darum dreht, wie es weitergehen soll“, formuliert es der Landwirt, der eigentlich dafür bekannt ist, ein Optimist zu sein. Es sind nicht nur die politisch ungewissen Vorgaben, die Vogelgesang von „beängstigend“ reden lassen. Es sind derzeit vor allem die Kosten, die den Bauern davon galoppieren. Der Dieselpreis mit samt der CO2 Besteuerung, Strom, Dünger, Pflanzenschutz, Futtermittel reißen dicke Löcher in die Kasse.

Tiefgreifende Veränderung

Auf die Landwirte, die es bei uns noch gibt, prasselt viel ein. Explodierende Kosten, eine insgesamt tiefgreifende Veränderung hin zu mehr Tierwohl, Klimaneutralität und zu noch mehr Ressourcenschutz und Biodiversität. Die Betriebe sind bereit dafür. „Wir wollen“, sagt Vogelgesang. Alleine würden sie es allerdings nicht schaffen. „Der Umbau kann nur gelingen, wenn er als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden wird und die wirtschaftliche Nachhaltigkeit auch gewährleistet ist“, geht Ohliger von einem Wachstum einiger, von weiteren Aufgaben aber auch von Betrieben aus, die zukünftig in Nischen ihre Einkommen erzielen werden.

In der unsicheren Corona-Zeit war es doch gerade auch die bäuerliche Landwirtschaft vor Ort, die funktioniert und für die Ernährungssicherheit gesorgt hat. „Keine Selbstverständlichkeit“, bedankt sich Vogelgesang bei seinen Kollegen und auch bei jenen, die sich zu all der Arbeit auch noch im Ehrenamt engagieren. „Solange wir ein Ohr haben, das uns zuhört, haben wir die Chance, was zu bewirken“, sieht der Landwirt einen Funken Hoffnung in den nun anstehenden Gesprächen mit Politikern von der Kommunalen- über die Landes- bis zur Bundesebene.

Zitat

„Mehr weiblicher Führungswind ist was durch und durch Positives. Frauen argumentieren anders und bringen andere Gesichtspunkte in die Diskussionen. Ich würde sie in der Vorstandschaft sehr begrüßen“, antwortet Kreisbauernvorsitzender Jürgen Vogelgesang auf die Frage, ob der Bauernverband nicht endlich Frauen stärker in die Verbandsarbeit einbinden will.

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