Reichenbach-Steegen Landfrau Else Albrecht gibt Tipps, wie sich Lebensmittelabfälle vermeiden lassen

Viele Lebensmittel landen unnötigerweise im Müll.
Viele Lebensmittel landen unnötigerweise im Müll.

Alles Müll: In deutschen Haushalten wird jedes achte Lebensmittel weggeworfen. Wer frisch kocht, kann dem Wegwerfwahn ganz viel entgegensetzen. Davon ist Else Albrecht, Landfrau aus Reichenbach-Steegen, überzeugt.

Die vom Umweltbundesamt vorgelegten Zahlen sind eindeutig: In deutschen Haushalten wird jedes achte Lebensmittel weggeworfen. Pro Person sind das 82 Kilogramm. Genauso dramatisch hört sich folgende Aussage der zentralen Umweltbehörde an: Weltweit geht jährlich etwa ein Drittel der Lebensmittel auf dem Weg vom Feld bis zum Teller verloren. Hier spielt unter anderem der gesetzlich verordnete Wahn eine Rolle, nur genormte, „schöne“ Feldfrüchte auf den weiteren Verkaufsweg bringen zu dürfen. Nicht nur fehlen die vielleicht „hässlichen“ aber wohlschmeckenden und gesunden Lebensmittel bei der Ernährung der rund 800 Millionen Menschen, die weltweit unter Hunger leiden. Diese Verschwendung belastet natürlich auch die Umwelt. Das belegt das Umweltbundesamt mit Zahlen: Durch eine Lebensmittelproduktion, die nie beim Verbraucher ankommt, entstehen mehr als 38 Millionen Tonnen Treibhausgase, gut 43.000 Quadratkilometer landwirtschaftlicher Fläche werden genutzt und 216 Millionen Kubikmeter Wasser werden sinnlos verbraucht.

An dem ganz großen Rad kann der Einzelne nun nicht so leicht drehen. Einen Beitrag gegen die Verschwendung und den Wegwerfwahn, auch und gerade was Lebensmittel betrifft, kann aber jeder leisten. Und das ist nicht einmal schwer, wie einige Tipps von Else Albrecht, der stellvertretenden Landfrauenvorsitzenden im Kreis Kaiserslautern, belegen.

Aus Resten Leckeres zubereiten

„Ich koche fast alles frisch“, lautet der erste Hinweis, der Landfrau aus Reichenbach-Steegen, die neben dem Haushalt und der Arbeit auf dem Bauernhof der Familie auch drei Kinder großgezogen hat und dabei zusätzlich immer in der Kinder- und Jugendarbeit aktiv war. Wer frisch sein Essen zubereite, der könne auch aus dem was übrig bleibe wieder etwas Leckeres zaubern. Bei halb fertigen oder fertigen Produkten sehe das ganz anders aus. „Bei der Essenszubereitung aus frischen Zutaten weiß ich erstens, was ich esse, und zweitens, wie es zubereitet wurde, was da alles dran ist“, erklärt Else Albrecht, warum sich solche frisch gekochte Speisen viel leichter weiterverarbeiten lassen.

Bei Fertigprodukten mit ewig langen Zutatenlisten könne man oftmals gar nicht wirklich wissen, ob sie sich überhaupt zum ein bis zwei Tage gekühlten Aufheben eignen. „Meist schmeckt solche Kost nicht aufgewärmt. Meiner Meinung nach spielen uns da die Geschmacksverstärker oft einen Streich“, ist sich die Landfrau sicher und gibt gleich einen kleinen Einblick, wie in ihrer Küche Reste verwertet werden: „Wenn bei meiner Linsensuppe eine größere Menge übrig bleibt, mache ich daraus Linsenburger. Wenn ich Krautrouladen mache, dann bleibt immer Kraut übrig, auch schon angegartes. Daraus mache ich einen Krautsalat mit Ananas oder Mandarinen oder es gibt Schlabberkraut, echte Pfälzer Kost. Wenn Mehlpfannkuchen übrig sind, gibt es davon eine feine Vorsuppe am nächsten Tag.“

Nach Plan einkaufen

In der Küche kreativ zu sein und alle Reste zu verwerten, ist ein Weg gegen die Verschwendung von Lebensmitteln. Davor steht selbstverständlich ein überlegter Einkauf. Nur kaufen, was man wirklich braucht und sich nicht von Sonderangeboten oder übergroßen Packungen verführen lassen, lautet hier der Rat von Else Albrecht. „Beim Einkaufen eine Tasche mitnehmen. Ein Einkaufszettel ist immer besser als draufloszukaufen. Ein flexibler Speiseplan – vielleicht für eine Woche – hilft beim gezielten Einkauf“, zählt sie auf, wie sie es in ihrem Haushalt handhabt. Und dann erzählt sie noch, wie sich im Hause Albrecht unter anderem auch sonst gegen den Müllberg gestemmt wird.

„Ich nutze nicht oft Papier von der Küchenrolle. Alte Geschirrtücher, die man wieder waschen kann, tun es oft auch. Und alte Geschirrtücher nehme ich auch zum Nachreiben beim Fensterputz. Man muss nicht immer Mikrofaser oder Leder kaufen, Geschirrtücher aus Baumwolle oder Halbleinen eignen sich sehr gut“, so die erfahrene Landfrau. Alte Baumwollstücke, etwa aus kaputter Unterwäsche, finden ihre Zweitnutzung bei der Reparatur oder Wartung von Maschinen, mit nicht mehr reparablen Socken werden Schuhe geputzt. Und dann kommt Else Albrecht noch einmal auf das Kochen mit frischen Zutaten zu sprechen: „Wenn ich frische Zutaten in der Küche nutze, dann habe ich auch nicht so einen Berg von Plastik oder Umverpackung.“

Info

Lebensmittelabfälle vermeiden kann, gibt es im Internet beispielsweise auf umweltbundesamt.de.

Die Serie

Mit der bundesweiten Kampagne „Mülltrennung wirkt!“ werden die Deutschen über den richtigen Umgang mit dem Verpackungsabfall aufgeklärt. Passend dazu haben wir die Serie „Alles Müll“ gestartet. Wir machen Selbstversuche, geben Tipps und fragen Experten: Was kommt in welche Tonne? Wer holt welchen Müll ab? Was passiert mit den Wertstoffen und wie lässt sich Abfall vermeiden?

Else Albrecht
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