Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Krammarkt weckt Erinnerungen an den traditionellen Viehmarkt

Vom Vieh- und Krammarkt – hier ein Foto aus dem Jahr 1950 – blieb der Krammarkt übrig.
Vom Vieh- und Krammarkt – hier ein Foto aus dem Jahr 1950 – blieb der Krammarkt übrig.

Wenn am letzten Mittwoch im November an der alten Schule in Miesenbach die Verkaufsstände zum Krammarkt aufgeschlagen sind, denkt so mancher ältere Miesenbacher an den traditionellen Viehmarkt zurück. Seit dem Jahr 1825 wurde er auf dem früheren Marktplatz beim Gänse-Anna-Brunnen in der Mackenbacher Straße abgehalten. 1965 war Schluss.

Wie Albert Müller und Karl Mitschang im Historischen Lesebuch „750 Jahre Miesenbach“ erzählen, musste um den Markt 1825 steuerlich zu erfassen, das Bürgermeisteramt Ramstein entsprechende Aufzeichnungen machen. Die Marktbeteiligten wurden namentlich mit Angabe des Wohnortes erfasst. Dazu erstellte der Friedensrichter des Rentamtes, so bezeichnete man das Finanzamt Landstuhl damals, ein gebundenes Heft. Die Popularität des Miesenbacher Viehmarktes war demnach groß. Alleine in den Jahren 1825 und 1826 sind 14 Markttage verzeichnet an denen 227 Geschäfte stattgefunden haben. Über 450 Verkäufer und Händler sind vermerkt. Bis zu 1200 Interessenten besuchten den Markt. Jahr für Jahr wurden hunderte Stück Vieh auf den Marktplatz getrieben. Ein Handel wurde durch Handschlag besiegelt. Aufgetrieben wurden vor allem Rinder, Pferde und Ferkel, aber auch Zuchttiere fanden immer großen Absatz. Lebensmittel, Haushaltswaren, Werkzeuge und anderes wurde ebenfalls verkauft. Händler kamen nicht nur aus den umliegenden Orten, sondern auch aus Homburg und von noch weiter her, um Seidenstoffe, Messer, Scheren, Sensen, Sicheln, Porzellan, Glaswaren und Steinguttöpfe anzubieten.

Tausende Lose verkauft

Gerade im Spätherbst brauchte man bei einer gut ausgefallenen Ernte einen weiteren Topf zum Einmachen der Wintervorräte wie Sauerkraut oder eine neue oder größere „Flääschbidd“. Diese nutzte man, um Fleischteile von frisch geschlachteten Schweinen in Salzlake einzulegen. Hatte der Bauer seine Kuh besonders gut verkaufen können, saß der Geldbeutel etwas lockerer, so dass auch der eine oder andere Wunsch der Frau erfüllt und eine Halskette, ein Seidenschal oder eine verzierte Blumenvase gekauft wurde.

1874 wurde eine Verlosung eingeführt. Die Hauptgewinne waren zumeist Rinder, Geräte für die Landwirtschaft, Gegenstände für die Küche und den Haushalt oder Dinge für den persönlichen Bedarf. Ein Los kostete eine Mark. Pro verkauftem Los erhielten die Losverkäufer zehn Pfennige. Tausende Lose wurden verkauft.

Nur noch wenige Landwirte

Von den Nationalsozialisten wurde die Abhaltung des Viehmarktes mit Verlosung 1934 untersagt. Nach zähem Ringen mit der französischen Besatzungsbehörde lebte im Jahr 1949 der Vieh- und Krammarkt mit Verlosung wieder auf. Bereits ein Jahr später wurden mehr als 8000 Lose verkauft. Die Nachkriegszeit brachte einen wesentlichen Strukturwandel. Nur noch ein kleiner Teil der Miesenbacher blieb der Landwirtschaft treu. Die meisten verpachteten oder verkauften ihre Liegenschaften und suchten sich auf dem Flugplatz oder in der Industrie einen Arbeitsplatz. Der technische Fortschritt machte auch vor der Landwirtschaft nicht halt. Die Traktoren mit ihren variablen Zusatzgeräten und viele andere Maschinen erleichterten zunehmend die Arbeit. Dadurch wurden die Pferde und Fuhrkühe entbehrlich. Ein letztes Mal wurde 1965 zum Hauptviehmarkt eingeladen. Dem Krämermarkt konnte zwar ein guter Umsatz und Verlauf bescheinigt werden, doch der Viehauftrieb und Viehverkauf war so stark zurückgegangen, dass ein Hauptviehmarkt nicht mehr abgehalten und auf die Verlosung verzichtet wurde.

Krammarkt am 29. November

Der heute beliebte Miesenbacher Krammarkt war ab dieser Zeit geboren. Immer am Mittwoch vor dem ersten Advent findet er statt. In diesem Jahr also am 29. November. Die Marktstände öffnen wie gewohnt bereits ab 8 Uhr und laden den ganzen Tag zum Einkauf ein. Von Modeschmuck über Kräuter, Gewürze und Weihnachtsgebäck bis zu Handarbeiten, Haushaltswaren und Adventsschmuck reicht das Angebot. Dekorative Kränze, Strickwaren, Schals und Mützen sind ebenso im Angebot wie eine große Auswahl an Taschen, Gürteln, Geldbörsen und andere Artikel aus Leder. Die Reservistenkameradschaft Ramstein-Landstuhl, die den Krammarkt seit Jahrzehnten mit ihrem Angebot unterstützt, bietet auch in diesem Jahr wieder ein herzhaftes Mittagessen an. Am Nachmittag gibt es außerdem Kaffee und Kuchen. Im Tanzzentrum (ehemalige Schule) ist der Tanzsportverein Ramstein vor Ort und informiert über den Tanzsport.

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