Otterbach
Kipperhof soll Anziehungspunkt für Genießer werden
Nach 15 Jahren hat sich der bisherige Pächter im Frühjahr aus dem Kipperhof verabschiedet. „Da hat sich die Frage gestellt, wer der Richtige wäre, um das Restaurant auf einen neuen, gehobenen Kurs zu bringen“, sagt Kurt Spiegelmacher, Besitzer des Hofes und in dem angrenzenden Fachwerkgebäude zuhause. „Meine Vision war es, eine Gourmetgastronomie zu errichten, die ,Fine Dining’ mit einem besonderen Weinangebot verbindet. Dabei soll es aber nicht steif zugehen, sondern eine ungezwungene Atmosphäre herrschen, in der sich die Gäste wohlfühlen.“
Ein Stern soll her
Schneller als gedacht fand sich in Wolfram Gratz, der auch Herr des Otterberger Wallonenhofs ist, ein Partner, der sich von der Idee begeistern ließ. Als neuer Pächter und Investor in Personalunion ging der promovierte Betriebswirt mit Spiegelmacher daran, ein Konzept zu erstellen. „Allerdings brauchte ich für die Umsetzung einen Profi, der mir hilft, die wirtschaftlichen Aspekte mit den gastronomischen in Einklang zu bringen“, sagt der Unternehmer. „Ich hatte Glück und konnte in Fabian Müller einen kompetenten Berater gewinnen.“ Trotz seiner jungen Jahre bringe der 29-Jährige die nötige Erfahrung mit. „Er ist gelernter Koch, hat auf der MS Europa gearbeitet und im ,Lammershof by Schwarz’ in Birkenau einen Stern erkocht.“ Heute steht er in Westheim in seinem eigenen Restaurant „Esszimmer by F. Müller“ hinterm Herd und betreibt nebenher eine Unternehmensberatung.
Mit einem engagierten Team werde der Kipperhof nun für eine erfolgversprechende Zukunft fit gemacht. Das betreffe auch die Gestaltung im Inneren. „Die hatte ja bislang einen eher musealen Charakter. Jetzt soll die Ausstattung zurückhaltend werden, denn das Gebäude selbst spricht ja für sich. Darüber hinaus wird vieles auf zeitgemäßen Standard gebracht – unter anderem die sanitären Anlagen“, erläutert Gratz. Um den Kipperhof auf einen neuen Kurs zu bringen, nehme er einen sechsstelligen Betrag in die Hand – in der Hoffnung, dass sich die Investition auszahlt. „Der Kipperhof ist ein wunderschönes Ensemble, das für eine exklusive Gastronomie wie gemacht ist. Deshalb bin ich mit dem Anspruch angetreten, hier bis Ende 2022 einen Stern zu erkochen. Da es nichts mit diesem Niveau in der Nähe gibt, gehe ich davon aus, dass die Resonanz gut ist. Denn warum in die Ferne schweifen?“
Pfälzer Küche mit mediterranen und asiatischen Noten
Um nach den Sternen zu greifen, braucht es ein Team, das sich ins Zeug legt – mit Engagement, Ehrgeiz und dem entsprechenden Know-how. All das bringe der künftige Küchenchef Mathias Kitzmann mit. Als gelernter Koch hat er in der Gastronomie mehr als 20 Jahre Erfahrungen gesammelt, bietet in Weinheim mit „Kitzmanns Küche“ einen Mietkoch-Service, Küchencoaching und Privat-Dining. Nun reizt ihn das neue Projekt, „in das ich Ideen und Kreativität einbringen kann. Richtungsweisend werde ich modern interpretierte Pfälzer Küche setzen, mit mediterranen und asiatischen Noten. Die Produkte werden hochwertig sein, der Saison entsprechen, in erster Linie von regionalen Anbietern stammen und so verwertet, dass Abfall bis auf ein unumgängliches Minimum vermieden wird. “
Siebengängiges Menü
Die Speisekarte sieht ein siebengängiges Fine-Dining-Menü vor, das es auch als fünf- oder viergängige Variante gibt. Es wird im Hof und im Inneren des Restaurants serviert und am Sonntagmittag von einem Familien-Menü mit drei Gängen abgelöst. Auf drei Gänge setzt auch das Menü, das im historischen Gewölbekeller angeboten wird.
Da feines Speisen nach einem ebensolchen Tropfen verlangt, ist eine adäquate Weinkarte gefragt. Das ist die Domäne von Wolfram Gratz. Denn er ist nicht nur Unternehmer, sondern auch passionierter Winzer mit eigenem Weingut am Plattensee in Ungarn. Seine Rotweine haben mehrfach internationale Auszeichnungen eingeheimst. „Aber da mir auch die Pfalz am Herzen liegt, bin ich hier mit einigen Winzern gut vernetzt. Sie sollen das Angebot des Kipperhofs mit ausgesuchten Weinen bereichern, die es nicht überall zu kaufen gibt.“
Am 1. Juli will der Kipperhof mit seinem neuen Konzept an den Start gehen. „Es ist ein Soft-Opening“, sagt Gratz. „Das heißt: Bis zur offiziellen Eröffnung Mitte Juli hat das Team Zeit, sich und die Abläufe einzuspielen.“ Dann soll auch bis ins letzte Detail alles laufen und sich der Kipperhof auf den Weg zu den Sternen machen.