Landstuhl
Historische Whiskywanderung in Landstuhl dreht sich um die Kelten
Frank Zimmer von den Heimatfreunden Landstuhl und gleichzeitig Mitarbeiter des Touristikbüros der Verbandsgemeinde Landstuhl hebt sein Glas und prostet der Menge auf Gälisch zu. Seit einigen Jahren bietet Zimmer diese Wanderungen an, die dieses Mal unter dem Motto der Kelten steht. „Ich habe mir extra dieses Datum herausgesucht, denn es ist Sommersonnenwende“, erläutert der Fremdenführer und erklärt, dass dieser Tag für die Kelten wohl eine besondere Bedeutung gehabt haben muss.
Martin Halbig bindet sein Whiskyglas kunstvoll an eine mitgebrachte Schnur und hängt es sich um den Hals. Auch er trägt Kilt und sein Umhang ist auch als Tasche verwendbar. Von der Burg aus wandert die Gruppe steil bergab. Viele sind „Wiederholungstäter“, wie Zimmer schmunzelnd meint. „Ich bin schon das vierte Mal dabei“, erzählt etwa Ralf Lohnke aus Bann. Der Whisky, der an den Stationen gereicht wird, sei ein nettes Beiwerk. „Aber was hier immer über die Geschichte erzählt wird, ist klasse.“
Mit Dudelsack, ohne Rahm
Ein gutes Stück geht es nun auf dem neuen Premiumwanderweg entlang. Der zweite Stopp steht an: Marko Bieck spielt wieder schottische Klänge auf seinem Dudelsack, und Zimmer packt die nächste Whiskysorte aus. Die erste Sorte war ein Whiskylikör, nun geht es weiter mit einer Sorte, die an Weihnachten mit Rahm getrunken wird. „Ihr bekommt heute die Werktagversion ohne Rahm.“ Annemarie Hain ist zum ersten Mal mit dabei. Sie hat schottische Wurzeln und erzählt, dass sie oft in den Highlands sei. Ihre Familie habe sogar ihren eigenen Whisky. Während alle schon mal an ihrem Whisky schnuppern, die goldgelbe Flüssigkeit im Glas gegen das Sonnenlicht halten und die Farbe begutachten, erzählt Zimmer von den Kelten. „Für sie muss es unfassbar gewesen sein, dass es in dieser Nacht so lange hell ist, und zwei Monate später ist es viel früher dunkel.“ Mittlerweile ist es nach 20 Uhr, und die Sonne scheint noch immer durch das dichte Blätterdach des Waldes. Der gereichte Whisky habe 43 Prozent Alkohol, sei ölig, cremig und durch das Reifen in einem Fass aus französischer Eiche sehr geschmackvoll. Bodo Mahl erfährt von Zimmer, dass es über die Zeit der Lagerung bei den Whiskys oft keine Angabe gibt.
Augenspülungen mit borhaltigem Wasser
Weiter geht es zum Büdenbachweiher und hoch zum Heidenfelsen. Hier an dem kleinen Wasserlauf genießen alle den Blick auf den Felsen und lauschen Zimmers Ausführungen über das Quellheiligtum aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus. „Das Wasser ist borhaltig, weshalb es für Augenspülungen verwendet wurde“, weiß der Mann von den Heimatfreunden. Natürlich wird auch wieder ein Gläschen der schottischen Flüssigkeit probiert. Dass der Alkohol den ein oder anderen schwächeln lässt, davor braucht keiner Angst zu haben. „Das schwitzen wir raus“, verspricht Zimmer. Anstrengend wird es nun tatsächlich, denn der schmale Pfad windet sich steil in engen Kurven den Wald hinauf. Große Trittsteine helfen an manchen Stellen bei dem Höhenunterschied. Oben ist erst einmal verschnaufen angesagt. Da wird die Stirn gewischt, die Wasserflasche ausgepackt und tief Luft geholt, bevor es weiter über den Hexentanzplatz zum Aussichtspunkt am Herrengärtchen geht.
Mittlerweile ist es halb zehn, und die Sonne scheint noch immer. Der Blick über das Bruch ist grandios, und alle genießen den vorletzten Whisky. Nur wenige Minuten später ist die Burg Nanstein erreicht, und hier werden alle Whiskyliebhaber noch mit einem wunderschönen Sonnenuntergang um kurz vor zehn Uhr belohnt. Den Abschluss bildet hier ein Whisky, den man mögen muss: 66,9 Prozent Volumenalkohol. Zimmer gesteht: „Mein Fall ist das nicht.“ Annemarie Hain probiert und stellt fest: „Der ist richtig gut.“ Damit versetzt sie einige der Männer, auch Zimmer, ins Staunen, und sie lacht: „Das sind meine gälischen Wurzeln.“