Kreis Kaiserslautern Geschichte und Integration
„Deutsche aus Russland – Geschichte und Gegenwart“: Unter dieser Überschrift steht eine Wanderausstellung der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, die im Rathaus der Verbandsgemeinde Landstuhl aufgebaut ist. Auf 24 Tafeln wird über die Kultur und Geschichte der Deutschen aus Russland beziehungsweise der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten berichtet sowie deren Schicksalswege nach den beiden verlorenen Weltkriegen aufgezeichnet.
Ausgangpunkt für den Projektleiter der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Jakob Fischer: die Migrationsgeschichte der Deutschen, die im 18. Jahrhundert nach Russland auswanderten, sich dort durch harte Arbeit eine Existenz aufbauten und im Lauf der Irrungen und Wirrungen des 20. Jahrhunderts wieder zurück nach Deutschland kamen. Auf den Tafeln werden so die wirtschaftlichen Leistungen der Deutschen in Russland und der kulturelle Aufschwung bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs aufgezeigt. Es folgt der Weg in die Katastrophe: 300.000 deutsche Männer wurden von der russischen Armee eingezogen, die Deutschen zu Hause waren schwersten Repressionen ausgesetzt. Durch die Liquidationsgesetze von 1915 wurden über 150.000 Wolhyniendeutsche enteignet und nach Sibirien verschleppt. Ähnlich erging es den Deutschen in den Kriegsjahren 1942 bis 1945. Frauen und Männer, die tauglich für körperliche Arbeit waren, wurden zum Einsatz in Arbeitskolonnen mobilisiert. Mit Daten und Fakten wird auf die Integration der Deutschen aus Russland verwiesen. Noch immer gibt es schließlich das Vorurteil, dass Spätaussiedler Geldgeschenke des Staates erhielten, zinslose Darlehen zum Bauen oder große Entschädigungsleistungen. Und: Spätaussiedler integrierten sich nicht, heißt es. „Meistens werden die Deutschen aus Russland in der Bundesrepublik im Zusammenhang mit der Integrationspolitik wahrgenommen. Dabei ist es den meisten kaum bewusst, wie tief die Deutschen aus Russland und ihre Vorfahren in der deutschen Geschichte verwurzelt sind“, sagte Fischer, der in Kasachstan geboren wurde und heute in Nördlingen lebt, bei der Ausstellungseröffnung. Info Die Ausstellung im Foyer des Rathauses ist zu den üblichen Öffnungszeiten der Verwaltung noch bis zum 2. Oktober zu sehen.