Kreis Kaiserslautern Eingekreist:
Ist es ein Kampf zwischen David und Goliath? Oder eher eine kühne, aber wenig erfolgversprechende Don-Quichotte-Attacke gegen allzu große Windmühlen? Der VdK-Ortsverband Katzweiler macht mobil gegen seinen Landesverband, weil Letzterer das von Ersterem liebgewonnene Vereinsheim verkaufen will. Der alte und der neue Landesvorstand haben dieses Ansinnen bereits abgesegnet, die Lautertaler wollen es dennoch verhindern. Unter Führung ihres kampferprobten Ortsverbandsvorsitzenden Karl Rösner haben sie diese Woche mit einer Protestdemonstration ihren Widerstand bekräftigt. Weil’s anders gar nicht denkbar ist, reihte sich auch der Links-Bundestagsabgeordnete, Gewerkschafter, allgegenwärtige und mithin unvermeidliche Oberempörer Alexander Ulrich in die Phalanx der Demonstranten ein. Ulrich und Rösner waren kurzzeitig mal Kampfgenossen – von Waffenbrüdern wollen wir in diesem Zusammenhang nicht reden – in der Linkspartei. Die beiden verbindet ein sympathischer, vor allem sehr segensreicher Charakterzug: Sie schlagen sich stets auf die Seite der Schwachen, für deren Hoffnungen und Bedürfnisse sie mit nimmermüder Entschlossenheit eintreten. Das soziale Gewissen und die soziale Gerechtigkeit des Landkreises werden vom Engagement dieser beiden Männer maßgeblich befeuert. Das verdient Anerkennung! Chapeau, Herr Rösner und Herr Ulrich! Allerdings wäre es blauäugig zu verschweigen, dass sogar die Nachfahren der von ihrer Mission beseelten Heiligen Johanna von Orléans mit dem Makel menschlicher Fehlbarkeit behaftet sind. Noch einmal: Die Verdienste von Karl Rösner und Alexander Ulrich zum Wohl der sozial Schwachen, Ungehörten, Übergangenen sind groß und unbestritten. Aber im Gegensatz zu Jeanne d’Arc sind die beiden Männer keine Heiligen. Vor allem Ulrich vergreift sich immer wieder im Ton, schießt übers Ziel hinaus, schlägt verbal um sich. Dass seine Forderungen vielfach überzogen sind, dürfte er als gewiefter Stratege sogar selbst wissen. Im Umgang mit Kritik erweist sich der Bundestagsabgeordnete, dem man häufig auch in den eigenen Reihen am Zeug flickt, als überraschend dünnhäutig. Rösner derweil neigt zum Muskelspiel. Wenn’s nicht so läuft, wie er’s gern hätte, lässt er sich zu Drohungen hinreißen – sei es nun gegenüber dem VdK-Landesverband oder den Medien. Es gibt sogar Weggefährten, die ihm hinter vorgehaltener Hand eine gewisse Geltungssucht unterstellen. Dass besagte Weggefährten nicht genannt sein wollen, überrascht da kaum noch. Es soll hier nicht darüber gerichtet werden, ob der Zweck alle Mittel heiligt. Aber wir sind nun mal alle keine Heiligen. Fehler machen wir halt alle. Das ist eine traurige Erkenntnis, aber sie gilt sogar für den paragrafensicheren Polit-Strategen, gewieften Strippenzieher, italophilen Reitersmann und scheidenden Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau, Werner Holz. Es entbehrt nicht der Ironie und nicht der Tragik, dass das nahende Ende seiner Amtszeit ausgerechnet mit dem Landes-Oktroy der sogenannten Kommunal- und Verwaltungsreform zusammenfällt. Denn die scheint – zumindest im Fall Bruchmühlbach-Miesaus – doch ein wenig mit holterdipolterheißer Nadel gestrickt zu sein. Mainz verlangt, Mainz regt an, Mainz gibt vor. Aber bei einer möglichen Zusammenlegung der Holz’schen Verbandsgemeinde wusste ganz augenscheinlich die linke Mainzer Hand nicht, was die rechte tat. So kam es, wir erinnern uns, dass sich der Bruchmühlbach-Miesauer Verbandsgemeinderat mit Holzens SPD-Mehrheit zunächst gegen, dann aber überraschend für eine Fusion mit Gebietskörperschaften im Kreis Kusel aussprach. Dort jedoch gab man sich zugeknöpft bis kühl, was auch mit persönlichen Animositäten und Befindlichkeiten der Herren Bürgermeister zusammenhängen mag. Die geplante Reform geriet also zum Bäumchen-wechsel-dich-Spiel, dessen Überschaubarkeit durch geopolitische Proporz-Überlegungen in Mainz nicht klarer wurde. Dass letztlich nicht die SPD-Wunschkandidatin von Werner Holz, sondern der eher unbekannte CDU-Kandidat Erik Emich zu seinem Nachfolger gewählt wurde, setzte dem allgemeinen Tohuwabohu schließlich die Krone auf. So erscheint Werner Holz, dessen Vater Peter einer der Gründerväter und der erste Bürgermeister der Verbandsgemeinde war, auf den ersten Blick als tragische Figur. Aber der Machtpoker, den er jetzt seinen Gegnern unterstellt, ist ihm keineswegs fremd. Das Ränkespiel hinter den Kulissen, die Nutzung heimlicher Netzwerke, die unter Politikern und Elefanten verbreitete Neigung zum Nachtragen, zuvörderst das von Skrupeln kaum beschattete Beharrungsvermögen auf eigenen Standpunkten und Zielen − all das hat er in demselben Maß kultiviert und praktiziert, wie die meisten Politiktreibenden es tun. Sicherlich ist sein Schock über das persönliche Scheitern echt. Indes lässt sich’s auch im Schmollwinkel gut Messerwetzen. Andererseits muss ein Politiker in einer Demokratie mit Andersdenkenden und Übelmeinenden ebenso zurecht kommen wie mit Gegenwind und Abstimmungsniederlagen. Das geht jedem und jeder von uns nicht anders. Deshalb ist soziale Kompetenz für ein gedeihliches Miteinander ja so wichtig. Wer hinfällt, mag eine Weile seine Wunden lecken, aber dann heißt es wieder Aufstehen und Weitermachen. Wer das nicht schafft, wird schwermütig. Das Robert-Koch-Institut hat 2011 herausgefunden, dass fast ein Drittel aller Deutschen irgendwann im Leben psychische Probleme hat, die als krankhaft angesehen werden. Die Betonung liegt auf „irgendwann“. Irgendwann kommt für jede(n) von uns irgendwo ein Lichtlein her. Ich weiß es ganz sicher.