Steinwenden
Der neue Bahnhaltepunkt ist fertig
Wie Klaus Vornhusen, der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Rheinland-Pfalz und das Saarland, berichtete, seien mit dem Abschluss der Bauarbeiten in Obermohr sämtliche Stationen und Haltepunkte der Bahnstrecke von Landstuhl nach Kusel barrierefrei. Dazu wurde der Bahnsteig in Obermohr auf eine Höhe von 55 Zentimetern über Schienenoberkante angehoben, was bei Zügen und Triebwagen neuerer Generation ein ebenerdiges Ein- und Aussteigen ermöglicht. Zudem wurde der Bahnsteig, der nun eine Länge von 120 Metern hat, mit einem taktilen Leitsystem ausgestattet, das blinden und sehbehinderten Menschen die Orientierung vor Ort ermöglichen soll. Die neue Ausstattung des Bahnhaltepunkts mit einem Wetterschutzhaus sowie moderner Durchsage- und Anzeigetechnik soll die Aufenthalts- und Servicequalität erhöhen.
Den Löwenanteil der Baukosten trage der Bund – circa 2,2 Millionen Euro. Die Bahn steuert rund 80.000 Euro bei. Den Rest bringen der ZÖPNV und die Gemeinde auf, so Vornhusen. Der barrierefreie Ausbau der Bahnhaltestellen sei ein Schwerpunkt der Bahn-Infrastrukturpolitik der rheinland-pfälzischen Landesregierung, sagte Klimaschutzministerin Katrin Eder. Der Ausbau trage dazu bei, dass nicht nur Menschen mit Handicap mobil bleiben, sondern auch Familien mit Kinderwagen, Radfahrende und ältere Menschen die Bahn bequem nutzen können. Der Ausbau einer kleiner Station wie Obermohr, die im vergangenen Jahr von durchschnittlich rund 110 Fahrgästen am Tag genutzt worden sei, sei ein klares Bekenntnis für den ÖPNV im ländlichen Raum.
Neue Züge ab Dezember 2025
Michael Heilmann, der Direktor des Zweckverbands Öffentlicher Personennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd, verdeutlichte, dass der barrierefreie Ausbau der Stationen entlang der Bahnstrecke Landstuhl-Kusel Ende kommenden Jahres erst richtig wirksam werde. Ab Dezember 2025 sollen „batterieelektrische“ Züge die Dieseltriebwagen ersetzen. Die neuen Züge seien mit einer Spaltüberbrückung ausgestattet, die beim Öffnen der Türen automatisch ausfahre und die Lücke zwischen Zug und Bahnsteig überbrücke. Dadurch könnten Rollstuhlfahrer, die derzeit noch ihre Mitfahrt vor Fahrtantritt per Telefon anmelden müssen, ohne fremde Hilfe in die Züge ein- und aussteigen. Wie Heilmann erklärte, werde die Strecke Landstuhl-Kusel an Werktagen von 38 Zügen bedient, die im Stundentakt in je eine Richtung verkehren. Mit dem Ausbau des Bahnhaltepunkts in Obermohr seien fast alle der 18 Bahnhöfe und Haltepunkte im Landkreis barrierefrei, sagte Landrat Ralf Leßmeister. Er betonte, dass dadurch die Verkehrsanbindung im Landkreis sowohl für körperlich beeinträchtigte Menschen als auch für Familien mit Kindern erleichtert werde.
Ein Dorf, zwei Haltepunkte
Steinwendens Ortsbürgermeister Ralf Guckenbiehl verdeutlichte anschaulich und aus eigener Erfahrung, welche Rolle ein Bahnhof für ein kleines Dorf habe. Eine zum Schmunzeln anregende Erklärung, warum es in Steinwenden und im Ortsteil Obermohr je einen Bahnhaltepunkt gibt, hatte er auch parat: „Damit die Schüler, die nach einem anstrengenden Schultag in Landstuhl oder Ramstein den Ausstieg in Steinwenden verschlafen, in Obermohr eine zweite Chance haben.“
Der neue Bahnsteig ersetzt ein Bauwerk, das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg von den Obermohrern in Eigenleistung errichtet wurde. Die Bahnstrecke zwischen Landstuhl und Kusel wurde 1868 in Betrieb genommen – allerdings primär nicht für den Personenverkehr, sondern für den Abtransport der Steine aus den Steinbrüchen bei Altenglan und Theisbergstegen.