Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Der Miesenbacher Adolf Müller war in Berlin als der „Bauernmüller“ bekannt

Adolf Müller.
Adolf Müller. Repro: Schauder

Sein Weg führte ihn von einem hiesigen Dorf bis in die Reichshauptstadt. Dennoch blieb Adolf Müller, ein Jurist und Wissenschaftler, zeitlebens mit seiner Heimat verbunden. Er arbeitete in Berliner Ministerien und setzte sich dort auch für die pfälzische Landwirtschaft und den Weinbau ein, so dass er bald den Spitznamen „Bauernmüller“ bekam. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er an der Neugründung der politischen Parteien in der französischen Besatzungszone beteiligt. In unserer Serie „Köpfe der Region“ stellen wir den umtriebigen Westpfälzer vor.

Adolf Müller, am 21. Januar 1886 in Miesenbach geboren, war der Sohn eines Bauern und Bürgermeisters. Er besuchte die Lateinschule in Landstuhl und das Gymnasium in Kaiserslautern. Müller studierte Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft in München, Straßburg, Berlin und Würzburg. Seine Doktorarbeit trug den Titel „Die Grundlagen der pfälzischen Landwirtschaft und die Entwicklung ihrer Produktion im 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart“. Die Dissertation erschien auch in der Schriftenreihe der „Wirtschafts- und Verwaltungsstudien“.

Müller legte 1913 die Große Staatsprüfung ab und war danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Statistischen Landesamt in München tätig. Er nahm als Offizier am Ersten Weltkrieg teil und geriet in französische Gefangenschaft. Anschließend arbeitete er im Statistischen Reichsamt in Berlin und avancierte bald vom Regierungsrat und Oberregierungsrat zum Ministerialrat. In der Folge wirkte er im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft, im Innenministerium und im Ministerium für die besetzten Gebiete.

Müller regte in Berlin die Einrichrichtung von Pfälzer Weinstuben an

Der gebürtige Westpfälzer war stets bemüht, dass Staatsaufträge auch in seine Heimat vergeben wurden. Er setzte sich dafür ein, dass die Zwangsabgaben in der Pfalz abgebaut und eine Reichswesthilfe für die Landwirtschaft eingeführt wurden. Müller förderte nicht nur die Pferdezucht, sondern auch den Weinbau, indem er in Berlin die Einrichtung von Pfälzer Weinstuben anregte. Außerdem entwarf er ein Hilfsprogramm zur Minderung der Besatzungsschäden, durch das auch die Erweiterung der Rheinbrücken in die Bauvorhaben des Reiches aufgenommen wurde.

In der Weimarer Republik trat Müller, der liberale Ideen vertrat, in die Deutsche Demokratische Partei ein. Er kandidierte für den Reichstag, kam aber nicht zum Zug. Im Dritten Reich fungierte er als stellvertretender Direktor der Reichsbehörde für das Auswanderungswesen. Im Zweiten Weltkrieg geriet er als Reserveoffizier abermals in Gefangenschaft. Nach 1945 kehrte er nach Miesenbach zurück und bezog wieder das elterliche Wohnhaus.

Müller gründete den Sozialen Volksbund Hessen-Pfalz, der im Mai 1946 von der französischen Militärregierung neben den anderen Parteien genehmigt wurde. 1948 ging der Volksbund in der neu gegründeten FDP auf. Müller zog sich allmählich aus dem politischen Leben zurück und starb 1974 einen Tag vor seinem 88. Geburtstag in Miesenbach.

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