Trippstadt
Denkschrift gibt Einblick in frühere Waldwirtschaft
Holz war in früheren Zeiten sehr viel mehr Dreh- und Angelpunkt des Lebens als heute. Womöglich war es den Menschen einfach auch nur bewusster, was Holz bedeutet, weil teils keines da war. Neu sind solche Erkenntnisse nicht. Eine Vorlesungsniederschrift von Johann Peter Kling aus dem Jahr 1790 gibt dennoch Erstaunliches wieder und zeigt recht klar, warum unser Wald ist wie er heute eben ist.
Holzbedarf erfasst
Kling, erst Mathematiklehrer, später der höchste Förster des Kurfürsten Carl Theodor sowohl in der Pfalz als auch in München, ließ in den Jahren 1784 bis 1790 mehr als ein Drittel der kurpfälzischen Waldungen erfassen und waldbaulich überplanen. Zuvor hatte er die in Kaiserslautern gegründete „Hohe Kameralschule“, eine Schule für Verwaltungswissenschaften, zur Kartierungsanstalt weiterentwickelt. Auch steht sein Name für die Entwässerung des Landstuhler Bruchs sowie des Donaumooses.
Kling, ein Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler, kalkulierte zunächst den Holzbedarf für die Städter, die Landbevölkerung, die vornehme Bevölkerung und für das Gewerbe. Er rechnete das erwartete Holzangebot aus den Weinbergen mit ein und kam zu dem Schluss: Das Holz reicht nicht. Dabei wird deutlich, dass den „Vornehmen und Reichen“ mehr Holz zugestanden wurde und auch, dass selbst Rebholz ran musste, wenn es darum ging, die Wohnungen warm und die Öfen der Glashütten, der Eisenschmelzen, der Schmieden und der Bäckereien am Laufen zu halten.
Nachhaltige Nutzung
Der Begriff der nachhaltigen Nutzung taucht in der Denkschrift Klings genauso auf, wie das Aus einer landwirtschaftlichen Zwischennutzung eines abgeholzten Stück Waldes. Kling erfasste nicht nur den Wald nach Alter, sondern auch welche Baumart sich wo gut entwickelte. Und er verbesserte die Bäche und Wege, um Nutz- und Brennholz besser transportieren zu können. All das ist seiner Denkschrift zu entnehmen, die er 1790 verfasste. Dort steht auch zu lesen, dass lichtstehende Waldungen zeitig zu besamen sind, um der Nachkommenschaft Holz im Überfluss zu bringen. Auch die Bepflanzung von Brachland und die Umwidmung von Sümpfen zu Wald seien „hoffnungsvolle Aussichten des frohen Holzvorrates für Kinder und Kindeskinder“.
Gerhard Albert, pensionierter Leitender Beamter der Forstdirektion Neustadt, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, historische Schriftquellen ausfindig zu machen und der unter anderem 2016 das Buch „Beitrag zur pfälzischen Forstgeschichte“ schrieb, kam an der Denkschrift von Johann Peter Kling nicht vorbei.
„Vergangenheit erforschen, um die Gegenwart zu verstehen“
„Als der höchste Förster des Kurfürsten Karl Theodor war er natürlich schon durch sein Lebenswerk sehr interessant. In seiner Denkschrift gibt er einen hervorragenden Einblick in die damaligen forstlichen Verhältnisse der Kurpfalz“, betont Albert, der sich durch die Schrift zu Vergleichen mit der heutigen Zeit angeregt sah. Hatte Albert doch in seiner aktiven Zeit selbst einen ziemlichen Wandel im Waldbau miterlebt: vom Rückepferd und reiner Handarbeit beim Fällen der Bäume, von einem Wald, der noch in den 1970ern streng nach den Vorstellungen des Menschen entstand, von Kiefern- und Fichtenreinbeständen, die dicht an dicht standen, bis hin zur hohen Mechanisierung und einem Mischwald in den heutigen Tagen, bei dem der Klimawandel ein Wörtchen mitzureden hat.
„Man muss die Vergangenheit erforschen, um die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft gestalten zu können“, sagt Michael Leschnig, Leiter am Haus der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz. Den Blick immer wieder auch in die Vergangenheit zu richten, sei wesentlich. Deshalb bietet sein Haus die Neuauflage der forstlichen Denkschrift „Vorschriftsmäßige Behandlung der Domainen-Waldungen in der Churpfalz“ des Johann Peter Kling von 1790 mit Anmerkungen von Gerhard Albert in einer kleinen Auflage exklusiv an. Die 35-seitige Broschüre richtet sich vor allem an eine landeskundlich, naturkundlich und forst-historisch interessierte Leserschaft. Sie kostet 9,80 Euro und kann während der üblichen Öffnungszeiten des Johanniskreuzer Infozentrums erworben werden.