Landstuhl / Ramstein-Miesenbach
Das Geschäftsleben läuft in Ramstein und Landstuhl langsam wieder an
„Haben Sie Ihre Hände desinfiziert?“, schallt es durch den Verkaufsraum der Buchhandlung Koch in Ramstein-Miesenbach. Buchhändlerin Claudia Betschel hat ein wachsames Auge auf die Eintretenden. Das Desinfektionsmittel steht griffbereit auf einem kleinen Tisch am Eingang. Hygienemaßnahmen werden hier sehr ernst genommen. Betschel und Inhaberin Doris Koch tragen beide eine Mund- und Nasenmaske. „Wir hatten in den vergangenen Wochen sogar eine kontaktfreie Übergabe mittels einer Box vor der Eingangstür organisiert“, erzählt Koch. Mehr als drei Kunden dürfen den Laden derzeit nicht betreten. Die Inhaberin ist froh, dass die Stammkunden während der Schließungszeit dem Buchladen die Treue gehalten und im Online-Shop bestellt haben. Seit der Wiedereröffnung hätten sie sogar Süßigkeiten von ihren Stammkunden geschenkt bekommen.
„Sie denken an dich!“ Erfreut stellt Doris Koch fest, dass eine Verbundenheit da ist und „die Leute begriffen haben, dass nichts selbstverständlich ist“. Was seit Montag noch fehle, seien Kunden, die zum Stöbern in den Laden kommen. Schmunzelnd zeigt sie auf eine hohe Plexiglaswand vor dem Kassenbereich. Nachdem die Nachricht herauskam, dass zum Wochenanfang wieder geöffnet werden könne, hätten es die Schreinerei Peter Schmitt aus Ramstein-Miesenbach und der Heizungs- und Klimatechnikbetrieb Fritsch in Steinwenden in Windeseile geschafft, die Stellwände für den Verkaufsbeginn zu fertigen. „Eine 1A-Erfahrung“, zeigt sich Koch begeistert. „Plexiglas ist zurzeit mehr wert als Rohöl“, meint sie schmunzelnd.
Nachfrage nach Eis noch verhalten
Adelina Zorilá vom Eiscafé Florencia in der Landstuhler Ludwigstraße würde sich über mehr Nachfrage freuen. „Sonst war ab 18 Uhr immer viel los. Die Leute haben sich Eis mit zum Alten Markt genommen und auf den Bänken dort verzehrt. Jetzt kommt bis 21 Uhr so gut wie niemand vorbei.“ Eine Markierung von 1,50 Meter auf dem Boden vor der Bedientheke soll den Kunden helfen, den nötigen Abstand im Straßenverkauf einzuhalten. Zorilá hofft, dass sich mit dem schönen Wetter die Nachricht von der Wiedereröffnung ihres Eiscafés weiter herumsprechen wird.
Die Kunden sollen das Modegeschäft Tiffanys von Monika Rothdiener in Landstuhl nur einzeln betreten. Vor der Kasse im Eingangsbereich steht ein Tisch mit Händedesinfektionsmittel. „Die Kunden halten sich vorbildlich daran“, sagt Rothdiener zufrieden. Sie könne derzeit niemandem mehr in den Sakko helfen oder beim Hemd zuknöpfen behilflich sein. Falls jemand in der Umkleide etwas anderes benötige, hänge sie die gewünschten Kleidungsstücke in Reichweite an einen Ständer. „Manche Kunden machen auch Termine mit mir. Dann lege ich alle Sachen nach Absprache für sie bereit“, berichtet die Inhaberin. „Ich glaube, die Kunden wollen den Einzelhandel unterstützen. Viele kommen nicht, weil sie tatsächlich etwas brauchen“. Nach 34 Geschäftsjahren hat sich Rothdiener über das Blumengeschenk einer Stammkundin besonders gefreut. „Eine schöne Geste für die Seele“, denn Umsatzeinbußen und Warenlieferungen, die derzeit bezahlt werden müssten, kämen auf sie zu.
Klingel an der Tür seit Raubüberfall nichts Besonderes
Eine Klingel an der Tür ist im Juweliergeschäft Lenhardt in Landstuhl seit dem Raubüberfall im Dezember 2017 nichts Besonderes. Der Inhaber Christian Rink hat diese Maßnahme im Zuge der nötigen Reparaturarbeiten zur zusätzlichen Sicherheit eingeführt. Wer jetzt aus Hygienegründen mit Mundschutz, Mütze und Sonnenbrille das Juweliergeschäft betrete, werde gebeten, einmal die Sonnenbrille für die Sicherheitskameras zu lupfen. Maximal drei Leute dürfen in den Kundenbereich. Die Beratung findet an einzelnen Tischen hinter Plexiglaswänden statt. Nach dem Gespräch kommt ein Flächendesinfektionsmittel zum Einsatz. Stilecht passen die Plexiglaswände zur restlichen Einrichtung. „Die Hygienemaßnahmen werden wohl noch länger andauern. Da haben wir gleich Wände passend zum gesamten Inventar einbauen lassen“, so Rink. „Es ist anders. Viele bleiben auf Abstand. Sie verstehen den Sinn der Hygieneregeln. Die Stimmung ist positiv.“ Besonders am Montag sei richtig viel los gewesen. Seniorchefin Claudia Lenhardt-Rink erzählt, sie habe alle Hände voll zu tun gehabt. Besonders wegen Reparaturen an Schmuck und Uhren seien die Kunden zahlreich gekommen.
„Um 11 Uhr noch kein Kunde im Laden“
Insgesamt seien erst wenige Flaneure unterwegs, stellt Vera Jung von der Ideenwerkstatt für Dekorationsartikel „Verzaubert“ in der Kaiserstraße fest. Um 11 Uhr war noch kein Kunde im Laden. Seit Mittwoch hat sie wieder geöffnet. Am Eingang stehen Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel für die Kunden bereit. Auch hier schützt eine Plexiglasscheibe vor möglicher Ansteckung. Jung bedauert, dass sie ihr zweijähriges Geschäftsjubiläum am 15. April nicht begehen konnte. Die Leistungsschau und der verkaufsoffene Sonntag seien der Coronakrise zum Opfer gefallen.