Kreis Kaiserslautern
Bauernverband: Bauern profitieren von gestiegenen Lebensmittelpreisen nicht
Die Preise für Nahrungsmittel steigen rasant und das schon eine ganze Weile. Gerade haben sie noch einmal um fünf Prozent zugelegt, sagt jedenfalls die Statistik der Experten. Der Blick auf diese Statistik ist allerdings gar nicht unbedingt notwendig. Wer einkaufen geht, merkt es am Geldbeutel und das schon eine Weile. Für immer weniger Lebensmittel muss immer mehr bezahlt werden.
Die Erklärungen der Experten bleiben nicht aus. Corona wird ursächlich genannt, Märkte die erst eingebrochen waren, sich dann erholten, haben das bislang funktioniere Räderwerk des globalen Handels in eine ziemliche Unwucht gebracht. Die Container stehen am falschen Hafen, Lkw-Fahrer fehlen und Personal ist nirgends zu bekommen. Hinzu kommt ein Wetter, das hier zu Überschwemmungen führt und dort wegen einer Dürre keine Ernte bringt.
Nur noch wenige Schweinebauern
Wir sind es gewohnt, global zu denken, die Welt dreht sich viel zu schnell, als dass nur noch die Kuh oder das Getreidefeld vor unserer Haustür zählt. Nichts desto trotz, auch in der Westpfalz gibt es sie noch, die Kuh und sie gibt Milch aus der dann Butter entsteht. Schweine sind tatsächlich kaum noch zu entdecken, nur noch vereinzelte Schweinebauern haben bislang durchgehalten. Das Getreide ist im vergangenen Jahr gar nicht mal so schlecht gewachsen und konnte ganz gut als Brotgetreide Verwendung finden. Das Gemüse in der Vorderpfalz hat sich auch nicht lumpen lassen. Die Kartoffel in der Westpfalz war dagegen im Wachstum eher bescheiden, aber es gibt sie noch immer zu kaufen.
Trotzdem ist natürlich auch hier bei uns der Preis für das tägliche Brot, für die Butter oder das Schnitzel gewaltig nach oben gegangen. Die Gründe sind bekannt, der Handel, der längst alles dirigiert und diktiert, beruft sich auf Corona, auf die Lage in der Welt und schon geht es aufwärts mit den Preisen.
Kosten fressen den Preisanstieg auf
Wie sieht es dabei eigentlich bei den Erzeugern aus? Kommt bei ihnen überhaupt ein Stück des dickeren Preiskuchens an? Immerhin sind es seit Jahren gerade die Lebensmittel, die den Preis einer Aufwärtsspirale flach gehalten haben. Im Gegenteil, die Lebensmittel waren seit vielen Jahren kein Preistreiber, beim Bauern kam häufig weniger an, als die Erzeugung kostete. Das war bislang auch im Schweinesektor so. Hier hat sich trotz der gestiegenen Preise an der Ladentheke noch immer nichts getan. „Die Schweinepreise sind nach wie vor katastrophal niedrig“, ist von Lothar Ohliger, Bauernverbands-Bezirksgeschäftsführer in der Nord- und Westpfalz, zu erfahren.
In anderen Bereichen habe es dagegen tatsächlich einen Anzug der Erzeugerpreise gegeben. So erhalten die Bauern für ihr Getreide, Raps, Rindfleisch oder auch die Milch inzwischen mehr Geld. Das hätte vor einiger Zeit bei vielen noch ein Lächeln ins Bauerngesicht gezaubert und durchaus einen Anstieg auf der Habenseite bedeutet. Das sei aber momentan nicht so. „Das Problem für die Betriebe besteht in den extrem gestiegenen Kosten insbesondere für Energie, Futter- und Düngemittel“, führt Ohliger an, dass die Kostenseite auf den Höfen die höheren Erzeugerpreise deutlich übertrifft. Obendrein werden die Bauern laut dem Bauernverbandsgeschäftsführer mit immer höheren Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels konfrontiert, ohne dass ein adäquater Ausgleich gezahlt wird. Heißt, der Verbraucher zahlt zwar immer mehr für die Lebensmittel, in der Westpfalz werden dennoch immer weitere Scheunentore dauerhaft zugehen. Vom Drauflegen kann halt keiner leben. Vielleicht sollte man doch mal beim Bauern vor Ort einkaufen. Noch gibt es welche, die man fragen kann, wie das Tier gelebt hat oder die Kartoffel behandelt wurde.