Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Bauern- und Winzerverband: Lothar Ohliger geht in den Ruhestand

Lothar Ohliger an seinem Schreibtisch in der Röchlingstraße in Kaiserslautern.
Lothar Ohliger an seinem Schreibtisch in der Röchlingstraße in Kaiserslautern.

Lothar Ohliger steht seit 35 Jahren eng an der Seite der Bauern in der Nord- und Westpfalz. Jetzt geht der Bezirksgeschäftsführer des Bauern- und Winzerverbands in Ruhestand. Der 63-Jährige blickt auf einen gewaltigen Wandel zurück, der wohl keinen Stillstand erfährt.

1987 war die Welt irgendwie noch eine andere. In Rheinland-Pfalz gab es 60.000 landwirtschaftliche Betriebe, in den Stallungen standen reichlich Kühe und Schweine. Das Grünland war Futtergrundlage. Heute gibt es im ganzen Land weniger als 16.000 Betriebe, Vieh ist nur noch punktuell zu finden und was mit dem Grünland werden soll, weiß niemand so recht. „Die Frage stellt sich gerade an Hanglagen“, sagt Lothar Ohliger. Der langjährige Geschäftsführer des Bezirksverbandes Nord- und Westpfalz im Bauern- und Winzerverband blickt mit Sorge in die Zukunft einer bisher offenen Landschaftsstruktur – hat doch hier in der Region der Wandel ähnlich zugeschlagen. Bei seinem Amtsantritt 1987 waren es noch 5000 Betriebe in der Nord- und Westpfalz, heute sind es rund 1400.

Die Wege wurden weiter

Der Rückgang in der Landwirtschaft hat einiges nach sich gezogen: Die zugehörige Infrastruktur wie Schlachthöfe, Tierkörperbeseitigung, Großtierärzte – alles befindet sich seit Jahren im Sinkflug. Aus vier Kreisgeschäftsstellen für Kaiserslautern, Kusel, Pirmasens-Zweibrücken und Donnersberg wurde ein Bezirksverband. Die Wege für den Geschäftsführer raus zu den Betrieben wurden weiter, die für die Bauern nach Kaiserslautern in sein Büro ebenso. „Das war mir immer die wertvollste Arbeit, die direkten Gespräche mit den Betrieben, das Suchen nach Lösungen für Probleme.“ Für den 63-jährigen Agraringenieur – verheiratet, zwei erwachsende Söhne – war nie ein Weg zu weit. Wenn die Tagungen mal wieder kein Ende nehmen wollten, weil der Problemberg kaum zu bewältigen war, war ihm keine Nacht zu lang.

Deutlich mehr Tierwohl im Spiel

„Da wird aus dem Bauch heraus und ohne wissenschaftliche Grundlage diskutiert“, sieht Ohliger ein Problem in der öffentlich sehr emotional geführten Diskussion rund um die Lebensmittel. Und das, obwohl gerade Lebensmittel in Deutschland mit am besten untersucht seien. In seinen Anfängen standen die Kühe angebunden im Stall. Das habe keiner hinterfragt. Heute sei deutlich mehr Tierwohl im Spiel und es werde heftiger und emotionaler diskutiert als je zuvor, nennt er ein Beispiel. In den Diskussionen um Naturschutz werde die Landwirtschaft nach Ansicht Ohligers vielfach zu Unrecht belastet. „Die Bauern suchen den Schulterschluss mit den Naturschutzverbänden, sind bereit, viel zu verändern, aber es muss betrieblich und wirtschaftlich darstellbar sein“, verweist er auf ein im Donnersbergkreis laufendes, deutschlandweites Pilotprojekt „Donnersberger Landwirte für Naturschutz“.

Qualitätsmanagementprogramme, Umweltstandards, Baurecht, Kontrollen der Anbauflächen und immer wieder neue europäische Vorgaben haben seine Arbeit durchgängig begleitet. „Es waren schon einige Demos mit vielen Traktoren und hitzigen Wortgefechten“, sagt Ohliger und blickt auf Fahrten bis Berlin und Brüssel zurück. Das Problem einer gewaltigen Flächenkonkurrenz mit Photovoltaikanlagen auf Freiflächen und damit eine Pachtpreisexplosion nimmt laut Ohliger gerade dazu.

Ende des Jahres ist Schluss

Der Verband hat sich in der Vergangenheit breiter aufgestellt. Längst gibt es neben dem Beratungsangebot und den landwirtschaftlichen Buchstellen weitere Tochterunternehmen, die das Beratungs- und Dienstleistungsangebot an die Landwirtschaft erweitern. Einige sind im Wandel der Zeit auch weggebrochen, wie der Verband der Landwirtschaftlichen Verschlussbrennereien, dessen Geschäftsführer Lothar Ohliger bis zur Auflösung im Jahr 2014 war.

Ende des Jahres hört der Bezirksgeschäftsführer des Bauernverbands auf, gibt die Referatsleitung im Ausschuss Milch, Vieh, Fleisch und Nebenerwerbslandwirtschaft genauso weiter wie die Geschäftsführung der Fachgruppe Jagdgenossenschaften und der Landsenioren.

Zuhause in Schneckenhausen freuen sich derweil die Familie und der Hund auf mehr Zeit mit ihm. Auch der örtliche Tennisverein wird von seinem Ruhestand profitieren. Lothar Ohliger will sich dort ehrenamtlich einbringen.

An seinem Schreibtisch beim Bauernverband, der seit 35 Jahren in Kaiserslautern steht, wird mit Clara Franke eine 29-jährige Agraringenieurin Platz nehmen und seine Nachfolge antreten.

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