Sembach
Ab Sommer weitere Untersuchungen auf Chemikalien im Gewerbepark
„Im Moment ist alles blockiert“, sagt Hack. Dabei gingen fast täglich Anrufe von Firmen bei ihm ein, die dort bauen wollten. Die Nachfrage nach größeren Flächen, wie sie im Gewerbepark zumindest auf Sembacher Seite noch zu haben sind, sei groß. Rund 30 bis 35 Hektar könnten noch vermarktet werden, sagt Hack. Auf der Gemarkung Mehlingen seien es rund acht oder neun Hektar. Da zurzeit aber nicht gebaut werden dürfe, weil noch Untersuchungen des Bodens ausstehen, seien einige große Firmen wieder abgesprungen.
Der Ortsbürgermeister kritisiert vor allen Dingen, dass die gesamte Fläche gleich behandelt werde. Dabei gebe es Bereiche, „die so gut wie nicht belastet sind“.
Ergebnisse wohl erst Mitte 2022
Ob das tatsächlich so ist, soll ab Sommer genauer erforscht werden. Das gesamte Gelände gehört dem Bund. Dieser hat über die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd beauftragt, weitere Untersuchungen vorzunehmen. Festgestellt werden soll, wie stark Boden und Wasser tatsächlich mit PFC belastet sind und was dagegen unternommen werden muss. Entstehen soll so ein Gesamtbild.
Nach ersten Voruntersuchungen wurde nun die zweite Runde ausgeschrieben, bestätigt die SGD Süd. Da die Kosten wohl um die 400.000 Euro betragen werden, musste dies europaweit geschehen. Geplant ist, dass im Juni mit den Arbeiten vor Ort begonnen werden kann. Mit Ergebnissen und einer daraus abgeleiteten Bewertung der Gefahr, die von den Altlasten auf der Liegenschaft ausgeht, rechnet die Behörde im Sommer 2022.
Besonders in den Fokus genommen werden laut SGD Süd ehemalige Flugzeugabstellflächen, Wartungsbereiche, das Tanklager und Deponien, auf denen mit PFC oder anderen Schadstoffen zu rechnen ist. Die Chemikalien könnten zum Beispiel in Löschschaum enthalten gewesen sein, der dort bei Übungen eingesetzt wurde. Auch die zum Verkauf vorgesehenen Flächen würden überprüft. Zudem werde die hydrologische Situation, also Entwässerungsgräben und Regenwasserableitungen, genau betrachtet. „Gemäß der derzeitigen Planung sind Untersuchungen an mehreren hundert Untersuchungspunkten (Kleinrammbohrungen, Baggerschürfe, Handschürfe) mit der entsprechenden Analytik vorgesehen“, teilt die SGD Süd mit. Das bereits laufende Grundwassermonitoring werde fortgeführt, weitere Grundwassermessstellen seien geplant.
Bürgermeister Fritz Hack dauert das zu lange
Fritz Hack dauert das alles zu lange und er bezweifelt die Verhältnismäßigkeit. „Niemand sagt, dass nichts da wäre“, betont er. Dennoch würde er sich ein differenzierteres Vorgehen der Behörde wünschen. Zumal er glaubt: „Jeder, der baut, verbessert eigentlich die Situation“, da damit Fläche versiegelt würde. Dringe PFC ins Grundwasser ein, müssten dort Filter eingebaut werden.
Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Die Fluor-Kohlenstoff-Verbindungen können unter natürlichen Umweltbedingungen nicht abgebaut werden und sind äußerst stabil. Um Wasser, das damit belastet ist, als Trinkwasser aufzubereiten, seien daher aufwendige Methoden notwendig, weist das Umweltbundesamt hin. Aktivkohlefilter müssten vor allem beim Kampf gegen kurzkettige PFCs häufig ausgetauscht werden, zudem seien Vorrichtungen für Umkehrosmose und Ionenaustausch nötig, die in standardmäßigen Kläranlagen nicht zum Einsatz kommen. Beispielsweise in der Stadt Rastatt habe dies alles zu deutlich steigenden Trinkwasserpreisen geführt. Um 17 Prozent seien diese erhöht worden.
Kontaminierter Boden könne zwar abgetragen und deponiert werden, das aber verlagere das Problem nur. Wirksam wäre eine thermische Behandlung mit Temperaturen von über 1200 Grad Celsius, die allerdings vom Umweltbundesamt als nicht verhältnismäßig eingestuft wird.
„Wären wahrscheinlich schon ausverkauft“
Einen Grenzwert gebe es übrigens für PFC nicht, heißt es von Seiten der SGD Süd. Sobald aber Geringfügigkeitsschwellenwerte überschritten würden, seien weitere Untersuchungen angezeigt, um festzustellen, ob die Schadstoffe über den Boden in Nutzpflanzen und das Grundwasser und so indirekt auch in den menschlichen Organismus gelangen können. Dort könnten sie, das haben Tierversuche gezeigt, Bindungen mit Proteinen in Blut, Leber und Niere eingehen. Als Folgen wären eine verringerte Antikörperantwort auf Impfungen möglich, allgemeine Infektionsanfälligkeit sowie ein erhöhter Cholesterinspiegel.
Es bleibt also abzuwarten, wie stark der Gewerbepark Sembach verseucht ist, um sich adäquate Maßnahmen für das weitere Vorgehen zu überlegen. Vor Sommer nächsten Jahres dürfte sich daher in Sachen weiterer Vermarktung kaum etwas tun. Hack findet das traurig, denn er glaubt: „Wenn das PFC nicht gewesen wäre, wären wir wahrscheinlich schon ausverkauft.“