Landstuhl / Ramstein-Miesenbach
A6: Was es mit dem neuen Blitzer an der Abfahrt Landstuhl auf sich hat
Die Brücken an der Anschlussstelle Ramstein-Miesenbach sind so marode, dass sie neu gebaut werden müssen. Um die beschädigten Brückenränder zu entlasten, ist die A6 kurz vor Ramstein in Richtung Saarbrücken schon seit 2017 von drei auf zwei Fahrspuren verengt. Statt wie zuvor 130 gilt dann nur noch Tempo 80 – ein Limit, das von einem stationären Blitzer überwacht wird.
Seit rund 14 Tagen kann es nun auch in der Gegenrichtung teuer werden, wenn sich Verkehrsteilnehmer nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten: Auf der Brücke steht kurz vor der Abfahrt nach Landstuhl/Ramstein-Miesenbach jetzt auch ein Messgerät: ein weißer Kasten, der ebenfalls wie ein dauerhaft installierter Blitzer aussieht.
„Teilstationäre Messanlage“
Infos dazu zu erhalten, ist gar nicht so einfach: Die Autobahn GmbH, die seit fünf Jahren fürs deutsche Autobahnnetz verantwortlich ist, winkt ab: nicht zuständig. Ebenso der Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Kaiserslautern. Auskunft erteilt schließlich das Polizeipräsidium Westpfalz: Nach Angaben der Pressestelle handelt es sich bei dem Gerät um eine „teilstationäre Messanlage“. Das bedeutet, „dass das Geschwindigkeitsmessgerät einerseits – je nach Bedarf – umpositioniert werden und gleichzeitig an seinem jeweiligen Standort über mehrere Tage autonom betrieben werden kann“, erläutert Präsidiumssprecherin Christiane Lautenschläger den Fachbegriff. Der Blitzer ist also flexibel. Er kann wieder abgebaut werden, muss aber nicht.
Der Grund, wieso die Radarfalle kurz vor der Anschlussstelle Landstuhl/Ramstein positioniert wurde, ist derselbe wie auf der Gegenfahrbahn: Aufgrund von Brückenschäden und der verkürzten Ausfahrt habe der LBM in diesem Bereich eine Fahrbahnverengung angeordnet – und das Tempolimit auf 100 Kilometer pro Stunde festgesetzt, so Lautenschläger weiter.
Handelt es sich an dieser Stelle um einen Unfallschwerpunkt? Der Sachbereich Verkehr im Präsidium sehe hier „eine potenzielle Gefahren- oder gefahrenträchtige Stelle, gegebenenfalls durch Staus“, antwortet die Polizeisprecherin und erläutert: „Nach der Verkehrsüberwachungsphilosophie der rheinland-pfälzischen Polizei sind Überwachungsmaßnahmen grundsätzlich dort zu konzentrieren, wo sich häufig Unfälle ereignen oder die Wahrscheinlichkeit besteht, dass sich Unfälle ereignen werden.“ Es werde also – sowohl auf Autobahnen als auch innerorts – nicht nur an Unfallschwerpunkten kontrolliert, sondern auch dort, „wo häufig zu schnell gefahren wird, wo es Bürgerbeschwerden gibt oder sich allgemein gefahrenträchtige Stellen (gegebenenfalls Staus) befinden“.
Mehr als eine halbe Million Knöllchen
Dass auf der A6 in diesem Abschnitt oft schneller als erlaubt gefahren wird, belegt die Bilanz auf der Gegenseite: Laut Verkehrsministerium gab es an der Anschlussstelle Ramstein in Fahrtrichtung Saarbrücken zwischen 2017 und 2025 mehr als 220 Verkehrsunfälle und der dort fest installierte Blitzer registrierte zwischen November 2019 und September 2025 mehr als eine halbe Million Geschwindigkeitsverstöße: 542.229-mal hat es dort in dieser Zeit geblitzt. Das hat der Steinwendener CDU-Landtagsabgeordnete Marcus Klein im Herbst durch eine Kleine Anfrage ans Verkehrsministerium in Erfahrung gebracht. „Über den Daumen gepeilt sind das rund 250 Bußgelder pro Tag“, hat Klein geschätzt und das Ministerium damals auch gefragt, wie viel Bußgeld an dieser Stelle seit 2017 eingenommen wurde. Die Bußgeldsummen seien rückwirkend nur für ein Jahr abrufbar, hieß es aus Mainz, das Ministerium legte im Oktober als Antwort auf Kleins kleine Anfrage aber für zwölf Monate die Fakten auf den Tisch: „Zwischen 23. September 2024 und 2. September 2025 lag der Gesamtbetrag der verhängten Bußgelder bei insgesamt 2,083 Millionen Euro.“
Dass es nun auf der Landstuhler Seite ebenfalls einen Blitzer gibt, kommentiert Marcus Klein auf RHEINPFALZ-Anfrage folgendermaßen: „Es scheint sich doppelt zu rechnen, dass die Brücke dort kaputt ist.“
Bis der Neubau der Brücke beginnt, werden im Übrigen noch einige Jahre ins Land gehen: Wie die RHEINPFALZ von der Autobahn GmbH erfuhr, ist „der Ersatzneubau nach heutigem Stand von 2029 bis 2031 geplant“.
In dieser langen Zeit dürften die Blitzer noch einiges zu tun haben.