Westricher Fastnachtsumzug
12.000 Narren feiern friedlich bei Umzug in Ramstein-Miesenbach
Gerade noch hat es geregnet. Für Fastnachtsfans ist das kein Hindernis. Sie mischen sich vergnügt unter das bunte Volk am Straßenrand, zumal jetzt der Himmel aufklart. Hier ist ein Pimpf als belegtes Brötchen auf zwei Beinen unterwegs, etwas weiter stehen eine schwarz-weiß-gefleckte Kuh und ein rosa Einhorn beisammen. Wikinger, Pirat, Hippie und Erdbeere haben sich eingefunden. Wer kein Kostüm trägt, der hat zumindest eine schrille Perücke oder eine außergewöhnliche Kopfbedeckung auf dem Haupt.
Dicht drängen sich die Menschen hinter den Absperrgittern und erwarten gespannt die erste Zugnummer. Dabei ist auch die kleine Emma. Das drei Jahre alte Mädchen ist als Clown verkleidet und sitzt im Bollerwagen. Zum ersten Mal wird es diese Straßenfastnacht erleben. „Das ist Tradition. Das ist toll“, meinen Vater Jeff aus Virginia/USA und Oma Waltraud Goodwin aus Ramstein.
Die „große schwarze Katze“ aus Ramstein kündigt den Umzug an
Da rollt auch schon die übergroße „Schwarze Katze“ des Ramsteiner Karnevalvereins Bruchkatze mit lauten Ralau-Rufen vor – und die Antwort der Narrenschar lässt nicht auf sich warten. Das Symbol des Ausrichters markiert den Beginn und das Ende des Lindwurms und wird gefolgt von den fetzigen Klängen der USAFE-Band. Direkt dahinter schließen sich die Fußgruppen der US-Militärgemeinde an. Mit Jedi-Rittern, Darth Vader und weiteren Star-Wars-Figuren ist hier Kinogeschichte auf den Beinen.
Für die katholische Jugend Bruchmühlbach/Vogelbach hat es Mitternacht geschlagen. Das besagen die Zeiger auf der Uhr, die am Wagen befestigt ist. Blutige Schattengestalten und Menschen in Pyjamas und Morgenmänteln tanzen zur Musik. Ganz anders die Delegation aus der französischen Partnerstadt Maxéville, deren Mitglieder als „Super Marios“ in Arbeitsoveralls mit von der Partie sind.
Die Marschmusik des Werkvolkfanfarenzugs aus Bann animiert die Zuschauer zum Mitklatschen. Direkt danach lässt der örtliche Fußballverein Olympia große Bälle über den Asphalt rollen, und der Sportverein Kottweiler-Schwanden spielt unter dem Motto „Wir werden grün“ auf den Bau seines Kunstrasenplatzes an.
Die Neandertaler grüßen mit Keulen, die Junge Union malt Schwarz-Rot-Gold
„Willkommen im Neandertal“ lautet der Titel, mit dem sich der Carnevalverein Altenglan zeigt. Die in Fell gekleideten Narren tragen Keulen in der Hand und Knochenketten am Hals. Die Reservisten Landstuhl-Ramstein präsentieren sich als Wikinger und die Ramsteiner Junge Union zeigt sich in Schwarz-Rot-Gold. Einer ihrer Mitstreiter hat den Schalk im Nacken. Er pickt sich einige der jungen Zuschauer am Straßenrand heraus und malt ihnen die Farben der deutschen Nationalflagge auf die Wange. Die lächeln etwas verschämt, nehmen es aber gelassen.
Eine Schau sind die Vinninger Brunnehexe, die Risheffer Schlosshexen, die Hutschelhexe und die Weisenheimer Sandhexe. Unter ihren Kopftüchern tragen sie Masken mit Nasen bis zum Kinn und zeigen ein furchterregendes Gebiss. Schattengestalten wie Teufel mit Hörnern, Zottelfell und hell leuchtenden Augen sind ebenfalls dabei. Sie schauen die Zuschauer streng an oder treiben Schabernack. Da greifen sie nach den Regenschirmen, mit denen die Jungs Bonbons auffangen, tanzen damit, geben sie dann aber wieder den irritiert drein blickenden Buben zurück.
Lediglich drei verlorene und wiedergefundene Kinder beschäftigen die Polizei
Nach dem Schauder herrscht wieder Fröhlichkeit. Tollitäten, Komitees und Elferräte der 14 Karnevalsvereine winken, lassen ihren Ruf erschallen, werfen Bonbons durch die Luft und die Garden tanzen über den Asphalt. Frösche mit Glubschaugen, Eisbären, Matrosen, Rotkäppchen und Kätzchen ziehen froh gelaunt vorbei, bevor die Bruchkatzen den Umzug beschließen.
Nach Schätzungen der Polizei haben 12.000 Narren am Straßenrand Fastnacht gefeiert. „Es war absolut ruhig, es gab keine Straftaten“, lautet das Fazit von Pressesprecher Luca Schulz. Aufgrund des Vorfalls im nordhessischen Volkmarsen sei das Sicherheitskonzept überprüft und angepasst worden, sodass mehr uniformierte Einsatzkräfte an den Zufahrtsstraßen präsent gewesen seien und zusätzliche Fahrzeuge als Sperre aufgestellt worden waren. Einzige Vorkommnisse: Drei vermisste Kinder, die ihren Eltern übergeben werden konnten, so Schulz.