Kreis Kaiserslautern ... und später in ein Modegeschäft
Sie mag den Kontakt zu Menschen und einen kollegialen Umgang. Deshalb ist Romina Lent gern in der Dipro Ramstein beschäftigt. Auch wenn sie den Wunsch verfolgt, irgendwann ganz auf eigenen Beinen zu stehen.
Ihr Tag hat eine klare Struktur. Morgens um kurz vor acht nimmt Romina Lent ihre Arbeit in der Dipro Ramstein auf. Dort ist sie in der Montageabteilung beschäftigt, in der Hydraulik-Ventile zusammengebaut werden. Eine Aufgabe, bei der es auf Genauigkeit ankommt. Nach dem Job macht sie Einkäufe und erledigt, was im Haushalt anfällt. Ein solches Pensum zu bewältigen, ist ihr nicht immer gelungen. „Ich habe unter Schlafstörungen gelitten, war ungewöhnlich müde und habe mich insgesamt komisch gefühlt. Irgendwann war mir klar, dass etwas mit mir nicht stimmt“, wirft die 28-Jährige einen Blick zurück auf eine Zeit, die ihr sehr zugesetzt hat. Als sich der Zustand weiter verschlechtert, entscheidet sie sich, Hilfe zu suchen. Die bekommt sie in der Psychiatrie, zusammen mit der Diagnose: Sie leidet unter einer Psychose. Medikamente sollen Abhilfe schaffen, aber die richtige Einstellung zu finden, ist nicht einfach. „Nach Abschluss der Hauptschule habe ich das Arbeitstherapiezentrum in St. Wendel besucht, um für den ersten Arbeitsmarkt fit gemacht zu werden.“ Doch das ist leichter gesagt als getan, noch immer geht es ihr nicht gut, sie hat Schwierigkeiten durchzuhalten. Auch als sie mit 17 zum ersten Mal in der Dipro beschäftigt ist, kommt es deswegen immer wieder zu Fehlzeiten. Seit fünf Jahren ist sie nun dank einer guten medikamentösen Einstellung stabil. „Seither war ich auch nicht mehr in der Psychiatrie. Ich fühle mich viel wohler, habe wesentlich mehr Energie und keine belastenden Gedanken mehr.“ Dazu tragen auch die privaten Umstände bei. Eine neue Beziehung gibt ihr Rückhalt, und im betreuten Wohnen fühlt sich die junge Frau gut aufgehoben. In mehreren Praktika, die ihr über die Integrationsassistenz der Westpfalz-Werkstätten vermittelt wurden, hat sie Arbeitsluft außerhalb des geschützten Raumes der Dipro geschnuppert. „Ich hatte eine Putzstelle in einem Weilerbacher Unternehmen, habe im Supermarkt Regale eingeräumt und in einer Galerie gearbeitet. Weil ich mich Richtung ersten Arbeitsmarkt orientieren wollte.“ Aber zu der Zeit sei sie noch nicht so weit gewesen. „Außerdem ist nicht jedes Unternehmen bereit, jemanden mit einer Beeinträchtigung einzustellen. Zumal wenn die Anforderungen mit den Fähigkeiten und Wünschen des Betroffenen zusammenpassen müssen“, erklärt die Betriebsstättenleiterin Silvia Riemann. Sie weiß, wovon sie spricht. „Bei der Dipro sind 73 Personen auf 60 Plätzen beschäftigt, einige davon auf Außenarbeitsplätzen. Aber dafür ist nicht jeder geeignet. Wir haben ein breites Spektrum an psychischen Erkrankungen, wobei die Autismus-Diagnosen zunehmen wie auch die Anzahl der jungen Menschen, die zu uns kommen.“ Auf alle gelte es, individuell einzugehen und in der Werkstätte ein Wohlfühlklima zu schaffen. Das weiß auch Romina Lent zu schätzen. Ihr gefällt es hier, „vor allem weil es so kollegial zugeht. Da macht es Spaß, zur Arbeit zu kommen.“ Obendrein nutzt sie eifrig das begleitende Programm. „Ich mach mehr aus mir“, sagt sie. „Ich treibe Sport, spiele Boule, singe im Chor mit und bin in der Frauengruppe. Und ich habe schon an dem Stressbewältigungstraining teilgenommen.“ Wenn es ihr weiterhin so gut geht, möchte sie es noch mal mit einem externen Praktikum versuchen. Um vielleicht doch noch den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt zu schaffen, am liebsten in einem Modegeschäft und „um ein ganz normales eigenständiges Leben zu führen“, beschreibt sie einen Herzenswunsch.