Bruchmühlbach-Miesau RHEINPFALZ Plus Artikel Über ein Ehrengrab für Horst Eckel entscheidet der Gemeinderat

Ehrengrab für Horst Eckel oder nicht? Diese Frage treibt die Gemeinde Bruchmühlbach-Miesau in diesen Tagen um. Die Beerdigung se
Ehrengrab für Horst Eckel oder nicht? Diese Frage treibt die Gemeinde Bruchmühlbach-Miesau in diesen Tagen um. Die Beerdigung selbst verlief Anfang Dezember würdevoll. Für den reibungslosen Ablauf trotz großer Trauergemeinde sorgte die Verbandsgemeinde.

Horst Eckel war als Fußball-Weltmeister von 1954 über die Grenzen hinaus bekannt, ist aber immer seinem Heimatort Vogelbach treu geblieben. Nun gibt es, zwei Monate nach seinem Tod, Diskussionen darüber, ob er ein Ehrengrab bekommen soll. Schon am Freitag könnte im Gemeinderat eine Entscheidung fallen.

„Im Gespräch kann man so gut wie alles klären“, ist Rüdiger Franz (SPD), Bruchmühlbach-Miesaus Ortsbürgermeister, überzeugt. Anstatt die Frage, ob Horst Eckel ein Ehrengrab auf dem Vogelbacher Friedhof bekommen soll, über die Medien auszudiskutieren, hätte er sich vorab ein persönliches Treffen mit den Angehörigen und den örtlichen Entscheidungsträgern gewünscht. So wie es nun laufe, sei es „mehr als unglücklich“.

Im Raum steht der Vorwurf, die Gemeinde „verweigere“ dem am 3. Dezember verstorbenen 54er-Weltmeister ein Ehrengrab. Dies hatte seine Tochter Dagmar Eckel am Freitag der Deutschen Presseagentur gegenüber geäußert. Im RHEINPFALZ-Gespräch betont sie noch einmal, dass es ihr wichtig wäre, dass ihr Vater diese Würdigung bekomme. Das Wissen um die 54er-Weltmeister weiterzutragen, sei ihr ein Anliegen.

Kein Votum gegen ein Ehrengrab

Als Bestätigung dessen, dass Bruchmühlbach-Miesau ihrem Vater kein Ehrengrab errichten wolle, sieht sie ein Schreiben der Verwaltung an, das der RHEINPFALZ vorliegt. Darin wird dargelegt, dass aus der Ehrenbürgerschaft Horst Eckels kein Anrecht auf ein Ehrengrab hervorgehe und dass die Gemeinde aufgrund ihrer defizitären Haushaltslage die Kosten für Beisetzung und Grabpflege nicht übernehmen könne. „Das hat uns allen in der Familie im Herzen wehgetan“, sagt Eckel, die betont, dass es ihr nicht um die Kosten für das Grab gehe. Auch die Pflege der letzten Ruhestätte würde sie selbst übernehmen.

Den Vorwurf, gegen ein Ehrengrab zu sein, wollen indes der Ortsbürgermeister und die Fraktionssprecher von CDU und der Wählergruppe Heintz nicht auf sich beruhen lassen. Sie alle teilen auf Nachfrage mit, dass sie sich ein Ehrengrab für den einstigen Fußballstar durchaus vorstellen könnten. Was fehle, sei bislang aber ein Beschluss des dafür zuständigen Gremiums, nämlich des Gemeinderates. Rainer Bastian von der CDU ist sich sicher, dass alle Ratsmitglieder „zweifellos den Weg ebnen werden, dass Horst Eckel ein Ehrengrab bekommt“, sobald das Thema auf der Tagesordnung stehe. Genau das sei aber bisher noch nicht der Fall gewesen. Es sei daher unpassend, zu behaupten, die Bruchmühlbach-Miesauer seien gegen eine solche Form des Andenkens für den Vogelbacher. Es sei vielmehr einfach noch zu überhaupt keiner Entscheidung gekommen. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn der Rat in dieser Angelegenheit bereits unmittelbar nach Eckels Tod tätig geworden wäre, gibt Bastian zu. „Aber wir im Gemeinderat sind alle Ehrenamtliche und einen solchen Fall hatten wir in Bruchmühlbach-Miesau noch nicht“, bittet er um Verständnis dafür.

CDU hat Antrag für Ehrengrab eingereicht

Thomas Heintz, der Fraktionssprecher der Wählergruppe Heintz, hätte sich gewünscht, dass Eckels Tochter einen „anderen Weg als über die Presse gewählt hätte“, um dieses Thema zu diskutieren. „Durch ein Gespräch mit der Gemeinde wäre es sicherlich zu einem einvernehmlichen Ergebnis gekommen.“ Der Sprecher der SPD, Peter Rummler, wollte sich noch nicht zu alledem äußern, sondern die Sitzung seiner Fraktion am Montagabend abwarten.

Die CDU ist bereits weiter. Sie hat eine Initiative für einen Beschlussantrag für ein Ehrengrab für Horst Eckel gestartet und diese an Franz und die anderen Ratsfraktionen geschickt. Die Christdemokraten hoffen, dass alle Parteien einen gemeinsamen Antrag einbringen und den Beschluss Ende dieser Woche auf der nächsten Sitzung fassen. Dies könne in Form eines Grundsatzbeschlusses für ein Ehrengrab gelingen, stellt Franz in Aussicht. Einem Ehrengrab steht auch die Wählergruppe Heintz grundsätzlich nicht im Weg, wie Heintz hervorhebt. „Allerdings müssen aus unserer Sicht noch einige Fragen geklärt werden, insbesondere welche Kosten und Pflichten sich daraus ergeben.“

Genau diese Dinge festzulegen, das müsse in einem zweiten Schritt geschehen, teilt Franz mit. Denn in der jetzigen Friedhofssatzung stehe dazu nichts. Erik Emich, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau, bestätigt, dass es bislang keine Definition für ein Ehrengrab gebe. Das Ganze sei eine Frage der Ausgestaltung, stellt er fest. Eine solche Entscheidung müsse mit Inhalt gefüllt werden, also zum Beispiel: Wie soll die Nutzungsdauer geregelt sein, wie sieht es in diesem Fall mit den Gebühren, mit der Grabpflege aus? Die Verbandsgemeinde vollziehe, was die Ortsgemeinde zum Ehrengrab beschließe.

Hohe Kosten für Verbandsgemeinde

Emich verweist allerdings noch auf einen weiteren Aspekt. Horst Eckel war Anfang Dezember auf dem Friedhof in seiner Heimat Vogelbach beerdigt worden, was der Verbandsgemeinde nicht unerhebliche Kosten verursacht hat. „Wir kommen an den fünfstelligen Euro-Bereich dran“, sagt der Verbandsbürgermeister. Konzepte und Planungen hätten erstellt werden müssen, Straßensperrungen, Einbahnstraßen und Park-and-Ride-Parkplätze eingerichtet, Schilder aufgestellt, das Ganze kontrolliert werden müssen, die Feuerwehr sei organisatorisch eingebunden gewesen. Das habe einen riesigen Aufwand für die Verwaltung bedeutet. Denn es sei überhaupt nicht klar gewesen, wie viele Menschen zur Beerdigung kommen würden, betont Emich. Zunächst sei von einem nicht allzu großen Kreis von Besuchern die Rede gewesen, doch dann habe Eckels Tochter öffentlich Fans zur Teilnahme und Verabschiedung eingeladen. Ob diese nun womöglich in Bussen kommen würden, habe man nicht abschätzen können. „Die Polizei war mit ihren Erfahrungen eingebunden, konnte aber auch keine Prognose abgeben“, schildert Emich. Also war Vorbeugung angesagt. Auf den Kosten bleibt die Verbandsgemeinde nun offenbar sitzen: „Nach einer ersten Prüfung können die Aufwendungen nicht in Rechnung gestellt werden“, meint der Bürgermeister.

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