Was Leser ärgert
Wirtschaftsgymnasium: Abiturfeier verschoben
Die „akademische Abiturfeier“ der Berufsbildenden Schule (BBS) in Germersheim sollte eigentlich am Freitag, 19. Juni, stattfinden, teilte Tanja Hammer, Mutter einer der betroffenen Schülerinnen des Abiturjahrgangs des dortigen Wirtschaftsgymnasiums mit. „Das Datum war ausgehängt und frühzeitig bekanntgegeben worden“, schreibt sie weiter in einem der Redaktion vorliegenden Brief, der unter anderem an die BBS und die Kreisverwaltung als Schulträger gerichtet ist. Nun aber sei die Abiturzeugnisverleihung abgesagt und auf einen späteren Termin verschoben worden, an dem die Abiturienten ihre Zeugnisse zusammen mit den Absolventen eines anderen Bildungsgangs der Schule erhalten sollen.
Nur kleine Feier erwartet
Darüber seien einige wenige Schüler im Frühjahr per WhatsApp informiert worden. Begründung der Schule laut Hammer: „... weil sich die Schüler:innen des Abijahrgangs nicht um die Vorbereitung der Feier gekümmert hätten.“ Allerdings habe man die Schüler nicht darüber informiert, dass sie sich hätten kümmern sollen. „... aber grundsätzlich ist eine akademische Abiturfeier ja auch möglich, ohne dass sich Schüler:innen intensiv einbringen“, schreibt Hammer. Da es sich bei der BBS um kein Regelgymnasium handle, sei ohnedies von einer kleinen Feier auszugehen gewesen. Im vorvergangenen Jahr sei der jetzige Abijahrgang beauftragt worden, die Stühle für die Abifeier zu stellen. Es sei also nicht ungewöhnlich, dass die Schule mit der Organisation betraut ist, zumal die Schüler noch mit dem Lernen fürs Abitur beschäftigt gewesen seien. „Es handelt sich um einen kleinen Jahrgang, für den sich offenbar eine Abiverleihung an einem eigenen Termin nicht lohnt“, schreibt Hammer.
Nur wenige informiert
Nach einem Gespräch mit dem Abteilungsleiter der Schule und den Schülern habe man sich wegen geplanter Urlaube und Arbeitsantritte dann doch auf den ursprünglichen Termin verständigt. Nun aber seien die Schüler am Montag, 8. Juni, per WhatsApp informiert worden, dass die Zeugnisverleihung mangels Vorbereitung seitens der Schüler statt wie geplant am 19. nun doch erst am 25. Juni vormittags stattfinden soll. Versuche, den Abteilungsleiter zu kontaktieren, um eine Klärung zu erreichen, sind gescheitert, weil dieser nicht erreichbar war – weder für sie noch für zwei andere Elternteile, schreibt Hammer. Auch damit die Schüler rechtzeitig ihre Zeugnisse erhalten, sei geplant, am 19. Juni in die Schule zu gehen. Für den Tag habe man sich schließlich Urlaub genommen, um die Zeugnisse abzuholen.
Erwartungen
Nach Aussage von BBS-Schulleiter Alexander Ott hat die Schule nie von einer „akademischen Abiturfeier“ gesprochen. „Geplant war eine feierliche Übergabe der Abiturzeugnisse.“ Die Oberstufenleitung habe bereits Anfang Februar dieses Jahres die Stufensprecherinnen und -sprecher gefragt, wie sich die angehenden Abiturienten die Gestaltung ihrer Zeugnisübergabe vorstellen. „Dass die Initiative hierfür von der Stufe selbst ausgehen sollte, wurde unmissverständlich kommuniziert“, schreibt der Schulleiter in seinem der Redaktion vorliegenden Antwortbrief an Hammer. „Wer die Allgemeine Hochschulreife erwerben möchte, darf daher auch mit Erwartungen konfrontiert werden, die über das bloße Absolvieren von Prüfungen hinausgehen.“ Die Fähigkeit, gemeinsame Vorhaben zu planen, Absprachen einzuhalten, Verantwortung zu übernehmen und Projekte zum Abschluss zu bringen, gehöre zum Kern dessen, was Studierfähigkeit ausmacht. Zudem seien die Abiturienten volljährig.
Da die Stufe über Wochen hinweg keine konkreten Vorstellungen oder Planungen eingebracht habe, sei dies mehrfach thematisiert worden. Am 14. April habe die Oberstufenleitung erneut persönlich in der Klasse darauf hingewiesen, dass auch in den vergangenen Jahren die Abiturientinnen und Abiturienten selbst Ideen für ihre Abschlussveranstaltung entwickelt haben. Gleichzeitig wurde laut Ott angeboten, die Zeugnisse am 19. Juni zu übergeben, sofern die Stufe bis zu einem bestimmten Termin ihre Vorstellungen vom Ablauf schriftlich vorlegt.
Keine Reaktion auf frühe Anfrage
Da bis zum Ablauf der Frist keinerlei Rückmeldung vorlag, musste die Schule davon ausgehen, dass seitens der Stufe kein Interesse an einer eigenständig gestalteten Feier besteht, schreibt Ott weiter. Entsprechend sei entschieden worden, die Absolventinnen und Absolventen in die allgemeine Abschlussveranstaltung einzubinden.
„Besonders deutlich“ weist Ott die Behauptung zurück, die Schülerinnen und Schüler seien über die Entscheidung nicht persönlich informiert worden und die Information sei lediglich über WhatsApp oder über eine einzelne Person verbreitet worden. „Die Information wurde den Schülerinnen und Schülern unmittelbar durch die Schule mitgeteilt.“