Kreis Germersheim „Wenn’s nix werd, werd’s Werth!“
Im närrischen 5-Sterne-Hotel feiert die Bienwald-Karnevals-Gesellschaft ihr Jubiläum. „5 mal 11 Jahre strahlen hell und klar die Sterne überm Hotel Bikania“. Da sind Stimmung und Lach-Salven garantiert. Darauf hat nicht nur der Elferrat unter Leitung von Hotel-Direktor Karlheinz Schöttinger ein Auge. Auch die närrischen Tollitäten Martina II. und Hartmut I., der erste sächselnde Kandeler Karnevalsprinz, sind in der Rezeption. Doch gleich zum Beginn stellt Amélie I., die mit Luca I. das Kinderprinzenpaar bildet, klar, wer das Sagen hat: „Diesmol hänn mir die Kontroll, damit unser Vädder es treiwen nitt so doll!“
Natürlich kommt es ganz anders. Dafür sorgen alte Faschings-Hasen wie Klaus Zahneisen, der als Portier mit den Zuschauern den Bikage-Schwur einstudiert oder mit Dirk Werling die „Zwää Depp uff de Gass“ bildet. Letztere stellen fest: Kandel hat ein Toiletten-Problem. Gut, dass Werling das Klo-to-Go erfunden hat, so muss beim Stadtfest noch nicht mal der Platz von der Bühne geräumt werden. Auch für die vom Bürgermeister voreilig entsorgte Engelsstatue hätten die beiden eine Idee gehabt: ein Schandfleck an der Hauptstraße hätte ausgemerzt werden können. Gewohnt bissig hält Tobias Knittel als Narrentill nicht nur Trump, Erdogan und Kim Jong-un den Spiegel vor, sondern auch nationalen und lokalen Politikern. Da Bürgermeister Günter Tielebörger und Landrat Fritz Brechtel in Sachen Brandschutz in der Bienwaldhalle nicht vorankommen, droht der Jubiläumsfeier der Bikage die Verlegung nach Wörth. Um diese Schmach zu verhindern, appelliert der Narrentill: „Wenn’s nix werd, werd`s Werth!“ Eigentlich fällt ihm dazu viel mehr ein, doch eine zufällig fest eingeplante Tonstörung verhindert Schlimmeres. Auch nachdenkliche Töne schlägt er an und blickt zurück auf das schreckliche Verbrechen, das es in Kandel gab. Dass es für den Umgang miteinander weiterhin Anstand und Respekt braucht – dafür sollte sich jeder selbst den Spiegel vorhalten. Dass ein Pfälzer Globetrotter am Flughafen dank „Lewwerwurscht“ und Riesling die Drogenspürhunde und Zöllner beschwichtigen kann, erklärte Philipp Ohmer, der es in Irland mit wörtlich übersetzten deutschen Sprichwörtern versuchte: „I think I spider! – Isch glääb, isch spinn!“ Das Prinzessinenkleid mit der Kittelschürze tauschte Prinzessin Martina II., schließlich bildet sie mit Martina Fath die Bikage-Putzkolonne. Die beiden plauderten aus dem Nähkästchen und verrieten, dass Tielebörger im Urlaub schon mal versucht, Geld zu sparen, in dem er verspricht, beim „Zimmer mit Meerblick“ einfach nicht aus dem Fenster zu schauen. Großartig: die Geschichten aus der Hotellobby, vorgetragen vom Krautkopfteam. Aus dem Hit „In the Navy“ machten die Krautköpfe „Lauder Bleede“ und besangen Trump, Erdogan und Jong-un. Als Erweiterung für den Zalat-O-Mat, an dem es frisches Gemüse rund um die Uhr gibt, schlugen die Musiker den Narr-O-Mat vor, an dem es nützliche Dinge wie Frucht-Gummies, Dessous, Nähzeug und Piercings gibt. Zu guter Letzt präsentierten das Krautkopfteam eine Hymne für den FC Bienwald Kandel. Passend zum Wanderbahnhof gab es einen Tipp vom holländischen Tod alias Benjamin Burkhard: um bei einem Bärenangriff in Sicherheit zu sein, muss nur der Dicke überholt werden, der ganz hinten geht. Dass das althergebrachte Männerballett modern und sau-komisch sein kann, demonstrierten die Showbuwe. Mit ihrer Geisterjagd durch die Hotellobby und dem Tetris-Spiel mit Gepäckstücken sorgten sie für Verwirrung beim Senior-Hotelgast Hansen und Beifallsstürme im Publikum. Viel Applaus verdienten sich auch die Garde- und Tanzgruppen, allen voran die süßen kleinen Köche der Krautwickel. Lea Amberger traute sich sogar ganz alleine auf die große Bühne und zeigte ihr Können.