Kreis Germersheim Wörth: Puppen und Lego von der Tafel

Die Pakete sind unterschiedlich groß, der Preis ist immer der gleiche: 20 Euro kann die Tafel für jeden Minderjährigen an Weihna
Die Pakete sind unterschiedlich groß, der Preis ist immer der gleiche: 20 Euro kann die Tafel für jeden Minderjährigen an Weihnachten extra ausgeben.

Bei der Wörther Tafel sind 386 Bedürftige unter 18 Jahren gemeldet, etwa 40 Prozent sind Flüchtlinge. Die Sechs- bis Elfjährigen erhalten zu Weihnachten ein persönliches Geschenk, alle anderen Gutscheine. Die Familien bekommen für das Fest eine Sonderration an Lebensmitteln: Fleisch, Schokoladencreme, Kaba, Kaffee und Tee.

Aufgeregtes Tuscheln, hier und da ein Kichern – aber die meisten der 51 Kinder folgen gespannt dem Puppentheaterstück, das Billy Bernhard aus Schweighofen mit Herzblut auf der Bühne im Jugendzentrum Wörth den jungen Besuchern zeigt. Es ist die Kinderweihnachtsfeier der Wörther Tafel. Tafelleiter Thomas Stuhlik freut sich bereits sichtlich darauf, mit den Kindern Bescherung zu feiern. Eine Stunde Theater machen hungrig, lautstark stürmen die Kinder den Aufenthaltsraum, in dem gedeckte Tische stehen. Die Helferinnen Claudia Werner und Elisabeth Kempf sind bereits einige Jahre bei der Kinderweihnachtsfeier engagiert. „Das ist das Highlight hier“, sagt Kempf. „Mit den Kindern ist die Arbeit noch schöner.“ Viel Zeit zum Plaudern bleibt nicht, wie die Bienen flitzen Stuhlik und seine Helfer zwischen den Tischen umher. Es gibt Chicken Wings und Pommes, die sich die Kindern schmecken lassen. Zwischen 6 und 11 Jahre sind sie alt. Viele von ihnen, etwa 40 Prozent, sind Geflüchtete. „Wir haben 34 Nationalitäten, viele aus Syrien, aber auch Aserbaidschan und Afghanistan“, sagt Stuhlik.

Drei Wünsche erfüllt

Bei der Tafel sind 386 unter 18-Jährige gemeldet. Zu Weihnachten bekommen alle etwas. Die Kinder von 0 bis 5 und 12 bis 18 erhalten Gutscheine. Die 6 bis 11-Jährigen durften sich drei Wünsche bis 20 Euro auf einen Zettel schreiben. Das Christkind spielt in diesem Fall Claudia Kästle, Mitarbeiterin im Kinder und Jugendzentrum. Sie wählt zwischen den drei Wünschen einen aus, den sie einkauft. In diesem Jahr hat sie 120 Geschenke besorgt und in Geschenkpapier verpackt. Zum Abend gekommen sind 57 Kinder, 80 waren angemeldet, die fehlenden erhalten ihre Geschenke, wenn sie das nächste Mal in die Tafel kommen. Auf den Wunschzetteln steht, was gerade aktuell ist. „Manchmal steht auch ein Handy drauf“, erzählt Kästle und schmunzelt. Meistens zu finden sind Puppen, ferngesteuerte Autos, Lego, Playmobil und Fußbälle. „Auf einem Zettel stand: dass du immer gesund bleibst“, erinnert sich Kästle und ihre Augen beginnen zu glänzen: „Wenn nur zehn dabei sind, die sich freuen, hat sich der Aufwand schon gelohnt.“ Es gibt Kinder, die kommen jedes Jahr. Manche kenne man vom Jugendzentrum.

Highlight ist die Bescherung

Das Highlight ist die Bescherung um 19 Uhr. „Die Mädchen zuerst“, ruft Stuhlik. Gespielter Protest von den Jungen. Im Bühnenraum des JuZe steht ein großer geschmückter Weihnachtsbaum, darunter ein Berg von Geschenken. Alle Kinder werden einzeln nach vorne gerufen und der Weihnachtsmann Stuhlik überreicht das Geschenk. Erst wenn alle ihr Geschenk haben, wird auf Drei ausgepackt. „Die größte Angst der wartenden Kinder ist, dass sie vergessen werden“, erzählt eine Mitarbeiterin. „Wie hat es euch gefallen“, ruft Integrationshelfer Turgay Cakmak in die Runde. „Guuuut“, erklingt das Echo. „Kann jemand auf Arabisch: ,Das war schön’ sagen?“ Ein Mädchen traut sich. Danach werden die Kinder nach vorne gerufen. Die erste Aktion ist, erst mal vorsichtig das Päckchen zu schütteln. Nach einer gefühlten Ewigkeit haben alle Kinder ihr Geschenk erhalten. Jetzt geht es ans Auspacken. Die vielen strahlenden Gesichter, auch aufseiten der Eltern, belohnen den Einsatz. Weihnachten liegt Stuhlik am Herzen, jede Tafel Familie erhält auch Fleisch, Schokoladencreme, Kaba, Kaffee und Tee für die Feiertage. Viele Familien feiern Weihnachten zwar nicht als religiöses Fest, aber als Fest für die Familie sei es dennoch bedeutsam. Und die kleine Feier ist nicht nur wegen der Geschenke für die Kinder etwas Besonderes. Sie durften etwas für sich persönlich wünschen. Das ist für viele das größte Ereignis.

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