Kreis Germersheim Wörth: Gewalt passt nicht zu Coolness
Als die Aufnahme der Überwachungskamera zu sehen ist, wird es zum ersten Mal so richtig still im Saal. Seit einer Faustattacke und dem ihr folgenden Sturz ist Christoph Rickels schwerbehindert. Nun zieht er mit seiner Initiative „First Togetherness“ durch Schulen und Haftanstalten, um leidenschaftlich für mehr Gemeinsamkeit zu werben.„Ich habe ihn in einer Talkshow im Fernsehen gesehen. Ich war so ergriffen, dass ich mir sagte: Der muss an unsere Schule!“ Susanne Boss ist Lehrerin am Europa-Gymnasium und erinnert sich gut an ihre Erschütterung, die nun zu dieser Veranstaltung geführt hat. Dass Rickels so in die Öffentlichkeit geht, ist nicht selbstverständlich. Vor zwölf Jahren versetzte ein eifersüchtiger Disco-Besucher dem damals 19 Jahre alten Bundeswehranwärter einen Faustschlag. Der überraschte Rickels stürzte derart unkontrolliert, dass er eine mehrfache Hirnblutung erlitt und vier Monate im Koma lag. Am Tag vor Heiligabend wacht er wieder auf. Und rein gar nichts ist mehr, wie es vorher war. Er ist zu 80 Prozent schwerbehindert.
Das Opfer ist ein Kämpfer
gegen Gewalt
Doch er ist ein Kämpfer und entwickelt früh die Motivation, sich für eine gewaltfreie Gesellschaft und mehr Gemeinsamkeit zu engagieren. „Meines Wissens bin ich europaweit das einzige Gewaltopfer, das so eine Präventionsarbeit leistet“, sagt er. Dass Herkunft oder politische Kultur für Gewalt verantwortlich seien, lehnt er ab: „Wir sind alle Menschen. Und Menschen haben ein Herz. Jeder sehnt sich nach Halt und dem Gefühl des Miteinanders. Und wo jemand das bekommt, da fühlt er sich wohl.“
Seid cool. Gefallt euch also selber!
Er versucht, die Schüler über die Frage zu packen, was denn eigentlich „Coolness“ bedeutet. Und spricht von „Lachnummern“ und „Lappen“, wenn jemand zu seiner Identitätsbildung ein aggressives Image benötigt. „Solche Spinner braucht ihr nicht als Vorbilder. Sagt Stopp, es reicht jetzt!“, ruft er. Sein Appell ist unmissverständlich: „Wenn ihr den Arsch in der Hose habt, ihr selbst zu sein, dann seid ihr cool. Gefallt euch also selber!“