Kreis Germersheim Trotz Regen gut besucht

Volles Haus: Das Festzelt des Oktobermarktes gestern Nachmittag.
Volles Haus: Das Festzelt des Oktobermarktes gestern Nachmittag.

Kandel zieht bei jedem Wetter. In der Hauptstraße und auf dem Marktplatz waren gestern beim verkaufsoffenen Sonntag viele Menschen unterwegs. Geschäfte und Cafés sind gut besucht. Natürlich hatte der Verein für Handel und Gewerbe auf besseres Wetter gehofft, doch niemand beklagt sich. Im Gegenteil, die Stimmung ist überall richtig gut.

Nanu, ist das nicht ...? – Doch, er ist es! Old Schoppehand steht vor dem Brillengeschäft Schöttinger und begrüßt „bei diesem perfekt verregneten Kandeler Oktobermarkt-Wetter“ die Passanten. Die sollen sich mit ihm auf Rabatt-Jagd machen, 15 bis 20 Prozent sind drin. Die Büttenredenlegende Klaus Zahneißen hat für diesen Tag die Montur seiner Figur aus der Kampagne 2016 herausgeholt. Ständig wird er begrüßt und muss Hände schütteln. Der mache das nur „weil er dumm babble kann“,kommentiert jemand heiter die Szene. Beide lachen, die Stimmung ist gut. Auch im Naturkostladen „Natur pur“ ist der Spaßfaktor hoch. Wie immer wird das bei Kindern und Jugendlichen beliebte Kürbisschnitzen angeboten. Und wenn jemand doch mal die ganz große Begeisterung für anständige Handarbeit abgeht, gibt es als letzte Instanz immer noch die Mutter: „Es muss nicht immer einfach gehen. Du musst halt auch mal dranbleiben!“, wird ein Teenager motiviert. Es gibt also immer noch Dinge im Leben, die sich nicht mit einem eleganten Daumenwischer erledigen lassen. Das Aushöhlen eines Kürbisses gehört auf jeden Fall dazu. Wer kommende Regentage mit einem guten Buch auf dem heimischen Sofa verbringen möchte, wird bei Guido Pausch fündig. Vor seiner Buchhandlung verkauft er die Ware heute einfach nach Gewicht. Bei fünf Euro für das Kilo schlagen viele zu. „Für das Wetter ist der Verkauf okay“, sagt er zufrieden. Und wird von einer Kundin sogleich korrigiert: „Wieso? Zum Lesen ist das Wetter doch optimal!“ Beide lachen. Aber nicht für alles und jeden ist das Wetter gut. Vor „Sempre Moden“ wurde die Bühne erst recht spät aufgebaut. Bis zur letzten Minute hat man gewartet, ehe trotz des sich hinziehenden Regens der Akku-Schrauber herausgeholt wurde. „Die Modenschau ist eine Institution mit Wiedererkennungswert“, sagt Moderator Rolf Koch. Er ist natürlich wie immer bestens ausgestattet mit seiner Sonnenbrille. Da kennt er nichts. Denn schließlich verpflichtet italienische Mode auch bei widrigsten Umständen zu gutem Aussehen. Bei Lucia Hagenbuch muss es vor allem auch gut schmecken. Sie bietet Dampfnudeln an . Seit einem Vierteljahrhundert ist die „Dampfnudel Oma“ in der Region von Neustadt bis Karlsruhe unterwegs, um die Menschen mit ihrer ihre Spezialität erfreuen. „Man muss halt auch einmal schlechtes Wetter mitnehmen“, sagt sie. Denn schließlich sei Kandel immer ein Erfolg für ihr Geschäft. Die Leute lieben Dampfnudeln immer noch, auch wenn sie zuhause längst nicht mehr so oft zubereitet werden wie früher. Oft hört Hagenbuch aus der Schlange vor ihrem Wagen ein „wir müssen mal wieder zur Oma und Dampfnudeln essen“. Dann ist aber nicht sie gemeint , sondern diejenige Person in einer Familie, die noch eine gute Dampfnudel auf den Tisch bringen kann. Natürlich bedauert Hagenbuch, dass alte Essenstraditionen mehr und mehr verschwinden. „Aber heute fehlt vielen Berufstätigen eben die Zeit, lange in der Küche zu stehen.“ Und wie isst sie ihre Dampfnudel am liebsten? „Mit einer gemischten Vanille- und Weinsoße. Das ist nicht zu süß und nicht so herb. Also richtig gut!“ Auch Robert Stenglein bläst kein Trübsal. Zwar ist sein Fahrgeschäft stark vom Wetter abhängig: Niemand lässt sich gerne vollregnen, während er in offenen Flugzeugen durch die Luft gewirbelt wird. Trotzdem hat der sympathische Mann ansteckend gute Laune: „Was soll ich denn machen? Ich muss es nehmen, wie es kommt!“ Die Feste in Kandel findet er toll: „Der Veranstalter gibt sich richtig Mühe und setzt sich immer für uns ein, wenn es Probleme gibt.“ Und wenn einmal das Wetter zum Problem wird, dann richten es eben die Menschen. Denn die kommen schließlich immer. Auch wenn es in Kandel regnet.

Gute Laune trotz Regenschirm.
Gute Laune trotz Regenschirm.
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