Wörth Stammzellenspende am Europa-Gymnasium: Lebensretter gesucht

In der Mensa lassen sich die Oberstufenschüler registrieren. Mindestens 17 Jahre alt muss man dafür sein.
In der Mensa lassen sich die Oberstufenschüler registrieren. Mindestens 17 Jahre alt muss man dafür sein.

Es ist schon fast Tradition: Alle zwei Jahre kurz vor Weihnachten können sich die Oberstufenschüler des Europa-Gymnasiums als Stammzellenspender registrieren lassen. Aus bisher drei Aktionen gingen sechs Spender hervor. Eine außergewöhnlich hohe Zahl an Lebensrettern.

Seit 2018 organisieren die Lehrer Laura d'Aguiar-Klein und Thorsten Heinzler am Europa-Gymnasium in Zusammenarbeit mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) in der Vorweihnachtszeit eine Registrierungsaktion zur Stammzellenspende. Die Aktion richtet sich an die Schüler der Oberstufe, denn man muss mindestens 17 Jahre alt sein, um in die Spenderdatei der DKMS aufgenommen werden zu können. „Ich wäre zufrieden, wenn wir heute 150 neue Registrierungen schaffen würden“, definiert Laura d’Aguiar-Klein ihr Ziel an diesem Freitagvormittag. Rund 450 Oberstufenschüler besuchen das Europa-Gymnasium. Schon bei der zweiten von drei Runden ist klar, dass das Registrierungsziel wohl erreicht wird.

In der zweiten Runde ist die 13. Jahrgangsstufe dran. Als zu Beginn ihres gut 30-minütigen Infovortrags Michelle Baier von der DKMS fragt, wer denn schon registriert sei, gehen erstaunlich viele Arme in die Höhe. Die angehenden Abiturienten hatten 2022 schon einmal die Möglichkeit, sich an der Schule registrieren zu lassen. Eine Registrierungsaktion alle zwei Jahre ist ausreichend. So werden alle Schüler während ihrer Oberstufenzeit mindestens einmal über Leukämie und die Heilungschancen durch eine Stammzellentransplantation informiert.

Alle 27 Sekunden erkrankt ein Mensch an Leukämie

Weltweit erkrankt alle 27 Sekunden ein Mensch an Leukämie, in Deutschland alle 12 Minuten. Daran erinnert Michelle Baier. Niemand ist vor Blutkrebs sicher, egal ob Kind oder Erwachsener. Und für viele Erkrankte ist eine Stammzellenspende die einzige Überlebenschance. Das weiß Baier aus eigener Erfahrung. Ende 2020 hat sie sich bei der DKMS aus eigenem Antrieb registrieren lassen. Im Mai 2022 bekam sie die Info, dass ihre Gewebemerkmale mit der einer Patientin übereinstimmen würden. Im November 2022 hat sie Stammzellen gespendet. Alles bleibt zunächst anonym. „Ich weiß, dass ich einer Frau aus den USA im Alter von 30 plus Stammzellen gespendet habe“, erzählt Baier. Die Frau habe ihr einen Brief geschrieben. „Als ich den gelesen habe, bekam ich Tränen in die Augen“, sagt Baier. Nach zwei Jahren besteht die Möglichkeit, dass Spender und Empfänger Kontakt aufnehmen können – falls beide Seiten das wollen. „Ich würde sie gerne kennen lernen“, betont die junge Frau aus der Nähe von Pforzheim.

DKMS-Volunteer Michelle Baier beantwortet alle Fragen rund um die Registrierung.
DKMS-Volunteer Michelle Baier beantwortet alle Fragen rund um die Registrierung.

Nach Wörth ist sie am Nikolaustag gekommen, um die Schüler von der Wichtigkeit einer Registrierung zu überzeugen. Denn seit ihrer Stammzellenspende engagiert sie sich auch als DKMS-Volunteer. Unterstützung hat sie an diesem Tag von Erik Hoffmann. Der ehemalige Schüler des Europa-Gymnasiums hat sich bei der Premiere an der Schule 2018 registrieren lassen. 2020 hat auch er Stammzellen gespendet. „Das war kein Problem“, versichert der 23-Jährige. Er fuhr nach Tübingen, dem Sitz der DKMS. Dort wurde er zunächst eingehend untersucht, bevor er spenden durfte. Grundsätzlich gibt es zwei Methoden der Stammzellgewinnung: die Knochenmarkentnahme und die periphere Blutstammzellspende.

Zwei Methoden der Stammzellgewinnung

Wobei die periphere Stammzellspende die für den Spender wesentlich angenehmere Methode ist. Sie wird in rund 90 Prozent der Fälle angewandt. Dem Spender werden zwei Venenkatheter an die Arme gelegt, dann wird er an eine sogenannte Apheresemaschine angeschlossen. Das Blut wird aus einem Arm entnommen und zentrifugiert, um die Stammzellen herauszufiltern. Dann wird das Blut in den anderen Arm zurückgeführt. Die ganze Prozedur dauert drei bis fünf Stunden. So war es auch bei Hoffmann, der noch am selben Tag wieder nach Hause durfte. Eine Knochenmarkentnahme aus dem Beckenkamm geschieht unter Vollnarkose. Der Spender muss zwei bis drei Tage im Krankenhaus bleiben. „Welche Methode im Einzelfall die bessere ist, entscheidet der behandelnde Arzt, das hängt davon ab, wie es dem Empfänger geht“, erläutert Beier. Erik Hoffmanns Empfänger lebt in Kalifornien. „Ich weiß, dass es ihm gut geht“, erzählt der 23-jährige Lebensretter.

Michelle Baier und Erik Hoffmann können aus eigener Erfahrung berichten, wie es sich anfühlt, ein Menschenleben zu retten.
Michelle Baier und Erik Hoffmann können aus eigener Erfahrung berichten, wie es sich anfühlt, ein Menschenleben zu retten.

In der Mensa herrscht derweil großer Andrang. Denn dort können sich die Schüler registrieren lassen. Die Schulsanitäter sind eifrig dabei, Wattestäbchen und Plastiktütchen zu verteilen. Ein Wangenabstrich reicht, um sich registrieren zu lassen. Natürlich geschieht das alles freiwillig. „Ich bin beeindruckt, wie viele an dieser Schule dazu bereit sind“, sagt Beier.

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