Kreis Germersheim Speedmarathon: Überall wird geblitzt

Nuri Uzuner von der Polizei in Germersheim hat einen Temposünder fest im Visier.
Nuri Uzuner von der Polizei in Germersheim hat einen Temposünder fest im Visier.

Die Zahl der Unfälle durch Geschwindigkeitsverstöße nimmt zu. Die Polizei versucht durch vermehrte Kontrollen Präventionsarbeit zu leisten. Der einwöchige „Speedmarathon“ beginnt und schon am ersten Tag gibt es mehrere Verstöße.

Auf dem Weg nach Knittelsheim warnen entgegenkommende Autofahrer mit Lichtzeichen. Ein übliches Signal, dass wahrscheinlich die Polizei irgendwo steht und kontrolliert. In dieser Woche startet der alljährliche Blitzmarathon, eine bundesweite Aktion, die Teil der Präventionsarbeit der Polizei ist. Auch Beamte der Polizeiinspektion Germersheim beteiligen sich daran. An den Fahrzeugen mit Lichthupen „können wir leider nichts ändern“, sagt Barbara Zobel, eine Dienstgruppenleiterin der Polizei. Die Solidarität der Autofahrer erspart wohl einigen an diesem Tag das Bußgeld, denn viele halten sich an die Geschwindigkeit.

Die erste Kontrolle findet am Ortsausgang von Knittelsheim in Richtung Ottersheim statt. Hier wird überprüft, ob sich die in Richtung Ottersheim fahrenden Fahrzeuge an die einzuhaltenden 30 Stundenkilometer (km/h) halten. Ein lautes „Piepen“ ertönt, die Messung beginnt. Nuri Uzuner hat den Blick fest auf den Verkehr gerichtet, keines der vorbeifahrenden Autos entgeht ihm. „42 Stundenkilometer“, ruft der Polizist am Laser und ein dunkles Fahrzeug wird von seinen Kollegen auf einen kleinen Parkplatz am Friedhof gewunken.

Die Coronapandemie trug dazu bei, dass 2020 der Tiefstwert der Verkehrsunfälle erreicht wurde. Seitdem steigen die Zahlen wieder an. Dies geht aus der Verkehrsunfallstatistik des vergangenen Jahres hervor. 2022 gab es 2037 Unfälle im Kreis, bei 266 war Geschwindigkeit die Unfallursache. Geschwindigkeitskontrollen gehören zur Präventionsarbeit der Polizei.

Die Reaktionen auf die Kontrolle fallen unterschiedlich aus. Während eine Fahrzeugführerin ihren Fehler sofort eingesteht und das Bußgeld in Höhe von 30 Euro zahlt, haben andere Fahrzeugführer mehr Gesprächsbedarf. Der Fahrzeugführer des Wagens eines Postauslieferdienstes erhält einen Mängelbericht für das Fehlen des Fahrzeugscheines und argumentiert, dass die Mitarbeiter des Unternehmens den Schein häufig verlegen und er deshalb nur eine Kopie mit sich führe. Trotz Verständnis seitens der Beamten reicht die Kopie nicht aus. Nach einer anfänglich erfolgreichen Kontrolle, machte sich mit der Zeit bemerkbar, dass sich die Information über die stattfindende Aktion bereits im Internet verbreitet hat. „Wir sind schon verbrannt“, sagt Barbara Zobel. Somit beschließen die Polizistinnen und Polizisten die Kontrolle an diesem Standort zu beenden und nach Bellheim zu fahren.

Ziel ist die Postgrabenstraße, in der ebenfalls die Geschwindigkeit von 30 km/h einzuhalten ist. Nach dem freundlichen „Hallo, Polizeikontrolle. Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte“, stößt einer der kontrollierenden Polizisten auf einen genervten Autofahrer, der sich auch weigerte den Geschwindigkeitsverstoß zuzugeben. Er „möchte sich nicht dazu äußern“ und weigert sich das Bußgeld zu zahlen, sagt der Polizist. Diese Reaktion ist natürlich erlaubt, bedeutet für die Beamten jedoch zusätzlichen Aufwand. Der Bußgeldstelle müssen weitere Unterlagen zum verwendeten Messgerät und mehr geschickt werden, sagt Zobel. Dass es auch anders geht, zeigt eine Frau, die zwar von der Polizeikontrolle überrascht wird, aber trotz ihrer Nervosität nett auf den Polizisten reagiert, der sie kontrolliert. Sie war „mit den Gedanken ganz woanders“ gibt sie zu und entschuldigt sich. Auch die Anwohner zeigen großes Interesse an dem Polizeieinsatz. Von ihnen bekam die Polizei den Hinweis auf eine weitere Stelle, an der die Geschwindigkeitsbegrenzung oft missachtet wird.

Nach einer dritten Kontrolle in der Straße „Am Unkenfunk“ in Germersheim beendet die Polizei ihren Einsatz für den ersten Tag des „Speedmarathons“. Bei allen drei Kontrollen zusammen wurden 106 Fahrzeuge gemessen. Von denen waren 13 zu schnell unterwegs. Der Spitzenreiter wurde bei der letzten Kontrolle in Germersheim mit 63 km/h bei erlaubten 30 km/h erwischt. Auf ihn wartet laut dem aktuellen Bußgeldkatalog eine Strafe in Höhe von 260 Euro, zwei Punkte in Flensburg und ein einmonatiges Fahrverbot, sollte er in den vergangenen 12 Monaten schon einmal über 26 km/h zu schnell unterwegs gewesen sein.

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