Kreis Germersheim „Sie war die Schönste“

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WESTHEIM. Heute vor genau 60 Jahren sagten die damals 19-jährige Olga und der 23-jährige Heinz Pritzel „Ja“ zueinander. Und das ist bis heute so geblieben. „Auf dem Lustadter Handkeesfest beim Tanzen hat es zwischen uns gefunkt“, erinnert sich Heinz Pritzel.

Erst zwei Jahre zuvor war er über die grüne Grenze aus der DDR geflohen und in der Pfalz gelandet. Ebenso wie Olga arbeitete er zunächst auf den Gemüsefeldern der Insel Grün. Dabei haben sie sich kennengelernt. „Dann kam der Mai und das Handkeesfest, wir haben getanzt und sie war einfach die Schönste.“ Auch nach 60 Jahren gemeinsamen Lebens hat Heinz Pritzel das Komplimente machen nicht verlernt. „Ich schätze seine Freundlichkeit“, sagt Olga Pritzel lächelnd und erinnert sich, dass er ihr damals ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift „Ich liebe Dich“ geschenkt hat. Die Rumänien-Deutsche war während der Nazi-Diktatur mit ihrer Familie umgesiedelt worden und in Westheim ansässig geworden. Gut ein Jahr nach dem ersten Funkenflug heiratete das Paar. „Von meiner Familie war ja niemand da und das Geld war auch knapp“, erzählt der Jubilar. Nur seine Mutter und Schwester durften für ein paar Tage zu Besuch kommen. Noch im gleichen Jahr wurde Sohn Klaus geboren, zehn Jahre später Sohn Stefan. Zunächst wohnten sie bei Olgas Eltern, später sind sie mit ins Haus ihrer Schwester gezogen. „Wir haben alle mitgeholfen als meine Schwester und ihr Mann mit dem Hausbau anfingen“, erinnert sie sich. 1965/66 zogen sie in ihr eigenes Domizil. „Den Rohbau haben wir komplett in Eigenarbeit erstellt, Geld hatten wir ja keines“, sagt Pritzel, der zu dieser Zeit seinen Dienst in der Bundeswehr begann und viel auf dem Rhein unterwegs war. Neben der ganzen Arbeit fand das Paar aber auch Zeit, sich in den örtlichen Chören zu engagieren – sie bei den Frauen, er im Männerchor. Zudem hat Heinz Pritzel 1983 mit anderen den Schachclub gegründet und ist dort ebenso Ehrenmitglied wie bei den Fußballern, beim Turnverein oder den Anglern. Seit 1992 ist er nun im Ruhestand und genießt zusammen mit seiner Frau das Familienleben. „Wir sind Familienmenschen und meine Olga ist noch heute immer für alle da“, sagt er stolz an seine Frau gewandt. Die Familie ist im Laufe der Jahre weiter gewachsen. Klaus hat einen Sohn, der wiederum bereits einen Sohn hat und die Pritzels damit zu Urgroßeltern macht. Mit den beiden Töchtern von Stefan kamen die von Olga ersehnten Mädchen in die Familie. Heute wird nun gefeiert. Zuerst bei den Pritzels Zuhause, für Gratulanten gibt es schattige Plätze im Garten, und abends geht die Familie aus.

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