Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Radwege nicht überall notwendig

Die Kreuzung Zeppelinstraße und An der Hochschule ist für Radfahrer nicht ungefährlich. Hier soll es einen Kreisverkehr geben.
Die Kreuzung Zeppelinstraße und An der Hochschule ist für Radfahrer nicht ungefährlich. Hier soll es einen Kreisverkehr geben.

Nach dem Umbau im kommenden Jahr sollen sich Fahrradfahrer und motorisierte Verkehrsteilnehmer die Straße „An der Hochschule“ teilen. Ein vom ADFC Kreisverband in Auftrag gegebenes Gutachten sieht das als positiv an. Doch es gibt auch Kritik.

Die Straßen in der Stadtmitte Germersheims werden nach und nach neu gestaltet. Nach Königsstraße, Paradeplatz und Orffstraße ist nun die Straße „An der Hochschule“ an der Reihe. In der Kreisstadt gibt es seit vielen Jahren Radwege – wofür viele Gemeinden des Umlands die Stadt beneiden. Beim Umbau der Straße „An der Hochschule“ soll nun der Radweg wegfallen und motorisierte Verkehrsteilnehmer sollen sich den Verkehrsraum mit den Radfahrern wieder teilen – wie früher.

Bei Verkehrsmengen von maximal 5500 Fahrzeugen am Tag und einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern in der Stunde (km/h) sind Gutachter Peter Gwiasda zufolge „keine Radverkehrsanlagen notwendig“. Gwiasda ist Leiter des Arbeitskreises „Fortschreibung der Empfehlung für Radverkehrsanlagen“ in der Forschungsgesellschaft für das Straßen- und Verkehrswesen (FGSV). Das ist die Einrichtung, die die Verkehrsvorschriften ausarbeitet. Der Bereich eigne sich Gwiasda zufolge für den Mischverkehr. Dies ist allgemeingültige Aussage des Radverkehrsgutachtens, das der ADFC Kreisverband in Auftrag gegeben hat.

Planung mit Anwohner

Nun hat die Stadt das Gutachten in Teilen berücksichtigt, andere Teile wiederum nicht. Den Ausbau der Straße „An der Hochschule“ „haben wir zusammen entwickelt“, sagt Sascha Hofmann, Erster Beigeordneter der Stadt. Mit zusammen meint er die Mitglieder der Gremien, Anwohner und den ADFC. Anwohner haben den Wunsch geäußert, dass die „Kurze Gasse“ entgegen ersten Plänen doch keine Sackgasse wird. Dem wurde entsprochen und es kam zur Umplanung mit der Überquerungshilfe gegenüber der Straßeneinmündung. Hierfür und an anderen Stellen „An der Hochschule“ fallen Parkplätze weg. Im zukünftigen Ausbau werden es dann noch „28 Stellplätze sein, wobei sich in den Flächen außerhalb des ’Shared Space’ wenig ändert, hier werden es nur zugunsten der Bäume auf jeder Seite je zwei weniger werden“, so Hofmann. Insgesamt sind es bis zu 15 Parkplätze weniger.

An der Straßeneinmündung Zeppelinstraße (Sparkasse) zur Straße „An der Hochschule“ wird es einen Mini-Kreisel mit einem Durchmesser von rund 17 Metern geben. So dass „Busse und der Lieferverkehr durchfahren können“, sagt Hofmann. Bei Tempo 30, einem Mini-Kreisel und dem vorherrschenden Verkehr „benötigt man hier eigentlich keinen Radweg“, sagt Erhardt Vortanz vom ADFC-Kreisverband und blickt auf den Radweg entlang der Zeppelinstraße. Der Radweg sollte am Beginn der Straße aufgelöst und die Radfahrer auf die Straße geleitet werden. Denn eine Verwaltungsvorschrift besage, dass die Benutzung von in Fahrtrichtung links angelegten Radwegen in Gegenrichtung, insbesondere innerhalb geschlossener Ortschaften, mit besonderen Gefahren verbunden ist. Die Benutzung sollte „grundsätzlich nicht angeordnet werden“. Die Benutzungspflicht sollte sich allenfalls „auf eine Fahrtrichtung, nämlich die gegen die Einbahnstraße“, beziehen. Vortanz stützt sich dabei auf das Gutachten von Peter Gwiasda. Die Stadt verstößt Vortanz zufolge „gegen geltendes Recht“. Im Merkblatt für kleine Kreisverkehr stehe ein Verzicht auf Radwege, da in diesen „Kreiseln“ Radfahrer in aller Regel über die Fahrbahn geführt werden.

Sicherheit für Kinder

Die Stadt wird Hofmann zufolge am Radweg festhalten. „Die Radwege fungieren als Schulwege“, sagt Hofmann. Die Eltern seien darüber froh, denn es biete Sicherheit für die Kinder. Dass es auf Radwegen eine höhere Unfallgefahr gibt, lässt er nicht gelten. Es gebe fast keine Unfälle auf den Radwegen. Gutachten haben fast „immer den Blick auf große Städte“. Am Mini-Kreisel können Radfahrer auf die Straße wechseln oder fahren auf den Radwegen weiter. „Es geht um gegenseitige Rücksichtnahme, man muss miteinander kommunizieren, sich anschauen, sich verständigen“, sagt Hofmann.

Die Straße „An der Hochschule“ wird zum „Shared Space“ – wie es in Fachjargon der Stadtplaner heißt. Alle Verkehrsteilnehmer teilen sich den Straßenraum. Bis zur Einmündung Königstraße werde es eine fast normale Straße, ausgebaut wie die Orffstraße. Auf der Seite der Hochschule werden vier Bäume gepflanzt – für das innerstädtische Klima, andere werden ersetzt. Zum Eingang des FTSK hin werde es die größten Veränderungen geben. Die Straße werde am Eingang auch verschwenkt, „um den Verkehr und vor allem Raser auszubremsen“, wie Hofmann sagt. Die Kreuzung zur Ludwigstraße, die in diesem Bereich zur Fußgängerzone werden wird, werde besonders gestaltet. Und am Ende der Straße werden Radfahrer wieder auf die Radwege geleitet, endet Hofmann, der die städtebaulichen, klimaschützenden und fahrradfreundlichen Aspekte der Planung hervorhebt.

Straßenausbau geht weiter

Der Bereich an Fronte Beckers und die Klosterstraße werden die folgenden Straßen sein, die ausgebaut werden. Mit einem Blick aus der Luft soll laut dem Baudezernenten der Innenstadtring sich deutlich hervorheben. Den „Shared Space“ kann sich Hofmann auch für den Bereich an Fronte Beckers mit FTSK und Musikschule vorstellen – Autofahrer werden vor diesen immer durch Hindernisse im Boden ausgebremst – wie auch vor dem Mini-Kreisel in der Zeppelinstraße. Grund ist, dass Fußgänger an diesen Stellen häufig die Straße queren. Ob der Radweg an der Klosterstraße weg fällt, es ebenfalls zum „Shared Space“ kommt, lässt Hofmann offen. Gemeinsam soll – wie auch bei der Gestaltungssatzung der Innenstadt – geplant werden.

Der ADFC ist grundsätzlich für die Pläne der Stadt. Beharrt jedoch auf die Auflösung der Pflicht, die Radwege zu nutzen. „Das System der Zweirichtungsradwege innerorts widerspricht sowohl den Verwaltungsvorschriften zur StVO als auch den Erkenntnissen der Unfallforschung und dem derzeit geltenden Regelwerk zu Stadtstraßen und zum Radverkehr“, heißt es im Gutachten. Vortanz wünscht sich, dass die Benutzung freigestellt wird. Mit den Verkehrszeichen 241 (Getrennter Geh- und Radweg) und dem Zusatzzeichen 1022-10 (Radverkehr frei/nicht benutzungspflichtig) sei das überall in der Stadt möglich. Das Gutachten empfiehlt der Stadt unter anderem diese Aufhebung dieser Benutzungspflicht für den gegenläufigen Radverkehr und gleichzeitig den stufenweisen Umbau der Radwege in eine Richtung.

Über einen Mini-Kreisel wird der Verkehr zukünftig in die Straße An der Hochschule geleitet.
Über einen Mini-Kreisel wird der Verkehr zukünftig in die Straße An der Hochschule geleitet.
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