Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Rülzheim: Illegale Bauten auf Campingplatz müssen weichen

Viele Camper leben das ganze Jahr auf dem Campingplatz – auch zu Weihnachten. Entsprechend sind die Parzellen ausgestattet.
Viele Camper leben das ganze Jahr auf dem Campingplatz – auch zu Weihnachten. Entsprechend sind die Parzellen ausgestattet. Foto: IVERSEN

Die Camper auf dem Rülzheimer Campingplatz erhalten zum zweiten Mal innerhalb einiger Wochen negative Post von der Verbandsgemeindeverwaltung. Aus Brandschutzgründen müssen die rechtswidrigen An- und Vorbauten zurückgebaut werden. Betroffen sind rund 90 Prozent der Camper auf dem Platz.

Anfang Dezember vergangenes Jahr hatten die Nutzer des Campingplatzes ein Schreiben von der Verwaltung erhalten, dass sie bis Ende Februar dieses Jahres ihre Vor- und Anbauten auf den Parzellen sowie Hecken und Schuppen entfernen beziehungsweise zurückbauen müssen. Grund ist der Brandschutz. Ein Camper, dem zum Jahresende von der Gemeinde gekündigt worden war, hatte aus Verärgerung wohl Brandschutzmängel bei Aufsichtsbehörden angezeigt. Das sagte Ortsbürgermeister Reiner Hör Mitte Dezember auf RHEINPFALZ-Anfrage. Die Behörden seien verpflichtet, solchen Anzeigen natürlich nachzugehen. Entsprechend seien die Camper verärgert.

Verwaltung drückte Augen zu

Einer der Camper sagte der RHEINPFALZ über das Vorgehen der Verwaltung: „Da wurde jahrelang zugeschaut oder beide Augen zugedrückt und jetzt muss es auf einmal ganz schnell gehen und das im Winter.“ In den Platz sei aus Sicht der Camper auch wenig investiert worden. Ebenso habe man die Verwaltung darauf aufmerksam gemacht, dass es keinen Hydranten gebe. Passiert sei jedoch nichts. Hör räumt ein, dass die Camper zurecht verärgert seien, weil die Verwaltung bisher nichts gegen die illegalen Bauten unternommen habe, nie etwas gesagt habe. Es habe mit den Sprechern der Camper inzwischen einige Gespräche gegeben, ebenso mit der Verbandsgemeindeverwaltung und der Kreisverwaltung. Zuletzt mit den Sprechern der Camper am Donnerstag und am Freitagvormittag mit Verwaltungsmitarbeitern.

Das Ergebnis: „Die aktuelle Bebauung auf dem Campingplatz kann zur Sicherstellung des Brandschutzes bedauerlicher Weise nicht erhalten werden. Der Brandschutz hat zum Schutz aller Campingplatzbenutzer oberste Priorität“, heißt es in einem Schreiben, das den Campern zugeht. Kurzfristig könne die Verwaltung vom „rechtlich erforderlichen“ Rückbau nicht absehen. Doch um den Wünschen der Camper nachzukommen, werde die Gemeinde alle baurechtlichen Möglichkeiten für die Zukunft prüfen. Das geht Hör zufolge aber nicht von heute auf morgen. Das Thema werde über die Gremien in den Gemeinderat getragen.

Über 300 Camper

80 bis 90 Prozent der rund 300 Camper, von denen viele seit Jahrzehnten auf dem Rülzheimer Platz eine Parzelle haben, sind von der Rückbau-Aufforderung betroffen. Neben den knapp 300 Dauerstellplätzen gibt es auf dem Platz etwa 140 Standplätze für Urlauber. Viele der Dauercamper leben nach Auskunft der Verwaltung sogar dauerhaft auf dem Platz. Das Problem laut Reiner Hör ist, dass zwischen den einzelnen Parzellen und den darauf entstandenen Anbauten zu wenig Platz ist. Die Feuerwehr habe bei einem Brand dadurch große Probleme überhaupt löschen zu können. Das dürfe nicht sein.

Fast 500 Plätze bietet der Rülzheimer Campingplatz.
Fast 500 Plätze bietet der Rülzheimer Campingplatz. Foto: Sandbiller
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