Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Polizei rügt Leichenwagenfahrer

Placeholder-Image

Die älteren Kandeler erinnern sich bestimmt noch daran, dass einst die Verstorbenen mit einem „Leichenwagen“ auf den Friedhof gebracht wurden, ab 1939/1940 in die neu gebaute Leichenhalle und vorher zur Beisetzung direkt ans Grab.

In Kandel war der Leichenwagen ein großer schwarzer Kastenwagen in den der Sarg gestellt wurde. In anderen Orten, wie zum Beispiel in Hatzenbühl, stand der Sarg auf einem offenen Gefährt. Selbstverständlich gab es an diesen schwarz gehaltenen Wagen auch ihrer Bestimmung entsprechende Verzierungen. Schwarz war auch das Geschirr der Pferde und die „Leichenwagenführer“ waren schwarz gekleidet.

Die von der Gemeinde berufenen Führer waren in der Regel Bauern aus dem Ort die Pferde besaßen und auch mit ihnen umgehen konnten. Selbstverständlich fiel die Wahl auf zuverlässige Männer auf die man sich verlassen konnte. Anscheinend war das nicht immer so, denn der RHEINPFALZ-Redaktion fiel die Kopie eines Briefes in die Hand in der die Polizei dem Kandeler Bürgermeister mitteilte, dass „sein“ Leichenwagenfahrer es mit der Pünktlichkeit nicht so genau nimmt und dem Anschein nach auch im angetrunkenen Zustand auf dem Wagen sitzt.

Leichenwagenführer genehmigt sich erstmal ein Viertel Wein

Geschildert wurde in dem Brief die Beisetzung eines Höfener Bürgers dessen Leichnam um 15 Uhr von seinem Haus abgeholt werden sollte. Der Fahrer kam mit dem Wagen erst nach 16 Uhr betrunken in Höfen an und trank dort in der Gastwirtschaft, die es damals noch gab, nochmals ein Viertel Wein. Und so mussten die Beerdigungsteilnehmer nach über einer Stunde Verspätung weiter warten, bis der Wagenführer sein Viertel getrunken hatte.

Ein weiterer Fall ergab sich in der Saarstraße in Oberkandel. Dort sollte der Leichnam um 16.30 Uhr am Haus abgeholt werden und die Freunde und Verwandte des Verstorbenen wurden auch entsprechend verständigt. Die Teilnehmer an dieser Beerdigung mussten jedoch bis um 17.15 vor dem Sterbehaus warten, bis der Wagen vorgefahren wurde und der Leichenzug so erst um 17.45 Uhr auf dem Friedhof ankam. Verärgert über diesen Missstand waren jedoch nicht nur die Teilnehmer an der Beisetzung, sondern vor allem auch der Pfarrer, der, wie es in dem Brief der Polizei stand, „sich ein solches Verhalten nicht mehr länger gefallen lässt“. In ihrem Brief forderte die Polizei daher den Herrn Bürgermeister auf, „diesen Mißstand so bald wie möglich einzustellen“.

Was darauf hin passiert ist, ob der Leichenwagenführer gerügt oder gar seines Amtes enthoben wurde, ist leider nicht bekannt.

x