Kreis Germersheim Pflegekräfte jetzt nach Tarif bezahlt

Die Richtung ist wieder klar.
Die Richtung ist wieder klar.

«Wörth.»Falsch abgerechnete Überstunden, nicht korrekt gezahlte Fahrtkosten: Etwa ein Jahr ist es her, dass gravierende Unregelmäßigkeiten bei der ökumenischen Sozialstation Wörth öffentlich wurden. Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD), damals frisch gewählter Vorstand, hatte sich gemeinsam mit einem Wirtschaftsprüfer die Zahlen angesehen. Doch statt um Rücklagen ging es auf einmal um ein illegales Abrechnungssystem. Ein Beispiel: Geringfügig Beschäftigte hatten mehr gearbeitet, als erlaubt. Die Sozialstation hatte dann steuerfreie Scheinarbeitsverträge zum Beispiel auf Angehörige ausgestellt. „Die Ermittlungen laufen. Der Vorstand ist jetzt völlig außen vor“, sagt Nitsche auf Anfrage der RHEINPFALZ. Alle Zahlen lägen den Behörden vor, unter anderem musste der damalige Pflegedienstleiter aussagen. Der Verwaltungsrat hatte umgehend das gesamte Personal sowie die Kunden informiert, außerdem wurde eine Vertrauensperson ernannt. „Das wurde gut angenommen“, sagt Karl-Heinz Möschter, im Vorstand Stellvertreter von Nitsche. Die Kunden sind geblieben „Wir haben keine Patienten verloren“, sagt Möschter. Die Angehörigen hätten verstanden, dass in der Sozialstation „fair gepflegt wird“. Auch seien keine Mitarbeiter gegangen. Derzeit werden 567 Kunden aktiv versorgt, dazu sind 579 „passive Patienten“ gelistet, die zum Beispiel den Hausnotruf nutzen. „Das ist sehr geräuschlos über die Bühne gegangen“, sagt auch Büroleiter Tobias Simon. Dabei bedeutete die Übernahme der Verwaltung der Sozialstation durchaus eine Herausforderung: Vorher hatte die Stadt Wörth etwa 250 Angestellte, nun kamen 110 Beschäftigte dazu. „Der Stadtrat hat den Stellenplan bewilligt, alle haben an einem Strang gezogen“, sagt Nitsche. Dabei habe man zunächst nicht einmal genau gewusst, um wie viele Beschäftigte es sich handelt, erinnert sich Simon. Inzwischen habe jeder Mitarbeiter seinen Stundenzettel, es gebe Arbeitszeitkonten. „Gegenüber den Ermittlungsbehörden haben wir dargestellt, dass wir das abgestellt haben“, sagt er mit Blick auf die Abrechnungspraxis vorher. Keine glänzenden Zahlen mehr Auch der Verdient ist kein Geheimnis mehr: Während vorher der Mindestlohn in der Pflege gezahlt wurde (11,05 Euro), gilt nun der TVÖD mit 15,99 Euro pro Stunden. Alle haben jetzt einen ordentlichen Vertrag mit Tarifbindung. „Das ist ein Riesenunterschied“, betont Simon. Entsprechend sind die Personalkosten von 1,9 Millionen Euro im Jahr 2017 gestiegen auf (geplant) 2,5 Millionen Euro im laufenden Jahr. „Wir kommen zum Normalzustand“, sagt Nitsche. Denn früher glänzte die Sozialstation mit ihren Zahlen - was ungewöhnlich für die Branche ist. 2016 wurde dem Vorstand noch ein Überschuss von 449.533 Euro gemeldet. Nun bewege man sich zwischen 175.922 Euro (derzeit für 2018) und 161.900 Euro (planmäßig für 2019). Für die Sozialstation war der Wechsel zur Verwaltung durch die Stadt Wörth ein Neustart. „Ein IT-Sicherheitskonzept, eine neue Schließanlage, neue Bürostühle, drei neue Fahrzeuge“, zählt Simon einige Investitionen auf. Ein Betriebspsychologe kümmere sich um eine Moderation, damit sich das Team entwickeln könne. Auch einige organisatorische Veränderungen gab es: Die Rentenberatung hat ihren Sitzung nun nicht mehr in der Stadtverwaltung, sondern in den Räumen der Sozialstation. Essen auf Räder kommt weiterhin „Der Fachkräftemangel macht sich bemerkbar“, sagt Simon. Jeder neue Patient ist eine Herausforderung. Entsprechend wurde ein Werbevertrag über 75.000 Euro mit einer Agentur gekündigt. Das Ende der Zusammenarbeit mit der Pflegewohngruppe in Neuburg war auch kein Problem. „Sie haben jemand anderen gefunden“, sagt Simon, „wir konnten die Mitarbeiter sofort weiter beschäftigen.“ Unter der vorherigen Geschäftsführung wurden auch 40 Essen auf Rädern verteilt. Diese Zusammenarbeit habe man schon zum 31. Dezember 2018 beendet, „Das war wirtschaftlich nicht mehr darstellbar“, sagt Simon. Die Kunden bekommen nun weiter ihr Essen, bloß fährt es Freshpoint Maximiliansau jetzt selbst aus. Die Essen können auch weiter bei der Sozialstation bestellt werden Kontakt Die Ökumenische Sozialstation Hagenbach, Kandel, Wörth e. V., Arthur-Nisio-Straße 23, 76744 Wörth ist erreichbar unter Telefon 07271 76080 oder per Mail an info@sozialstation-woerth.de Die Homepage wird gerade überarbeitet.

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