Gegenüber
Opa des neuen Kätzels war einmal ein Lord
Ohne direkten Bürgerkontakt und drei Monate später als vorgesehen trat Lara I. ihr neues Amt an: Trotz der Corona-Folgen freut sich Lara Helm riesig, als elftes Knillsemer Kätzel ihr Dorf nun vertreten zu dürfen. Die Knittelsheimerin ist überzeugt: „Das ist ein schönes Amt. Es passt gut zu mir.“
Früher wartete sie immer selbst gespannt darauf, wer neues Kätzel wird: „Das ist schon ein bisschen ein Mädchentraum“, erzählt die 19-Jährige. Vier Monate, so lange wie keine vor ihr, musste sie das Geheimnis für sich behalten und ließ sich auch im Freundeskreis „nichts anmerken“, als darüber spekuliert wurde, wer nächste Hoheit werden könnte. „Kurz überfordert“ war sie dann aber doch, als Annette Götz sie Anfang September 2021 fragte, ob sie Kätzel werden wolle: „Ich fands sehr goldig. Man rechnet nicht damit.“
Mit der Familie beraten
Lara erbat sich Bedenkzeit und sprach mit ihrer Familie, wollte die Meinung von den wichtigsten Menschen in ihrem Umfeld wissen: Die sagten ihr Unterstützung zu. Besonders gefreut hat sich ihre kleine Schwester Emily: „Sie hat gesagt, ich soll das auf jeden Fall machen.“ Auch für die angehende Hoheit war klar, dass das „eine richtige schöne Erfahrung“ werden und sie das Amt gerne bekleiden würde. Auch in Corona-Zeiten – mit der Folge, dass alles etwas ungewiss sei und sie nicht an der Kerwe im Oktober, sondern erst im Januar inthronisiert werde: „Das fand ich ok.“
Der Zeitpunkt passt bei ihr: „Mein Amt endet, wenn mein Hauptstudium beginnt.“ Die 19-Jährige hat 2021 an der BBS Landau Wirtschaftsabitur gemacht – und damit war die Berufsrichtung klar: Sie will Diplom-Finanzwirtin werden. Im Juli begann sie ihr dreijähriges duales Studium an der Hochschule für Finanzen in Edenkoben, das mit Praxisphasen beim Finanzamt Speyer-Germersheim gekoppelt ist: „Bis jetzt bin ich sehr glücklich“.
Eine begeisterte Fasnachterin
In ihrer Freizeit liest die Hoheit sehr gerne Komödien und Romane – und trifft sich gerne mit Freunden. „Ich liebe Fasching über alles“, sagt die 19-Jährige, die schon seit sieben Jahren begeisterte Garde- und Showtänzerin beim Karnevalverein Lustavia Lustadt ist: „Das ist ein großer Ausgleich für mich.“ Dass die Kampagne wegen der Pandemie wieder ins Wasser fällt und derzeit nur Online-Training möglich ist, macht sie „etwas traurig“. Dennoch: Auch ihrer neuen Aufgabe als Kätzel blickt sie optimistisch entgegen – und hofft, „dass alles wieder besser wird und ich unser schönes Knittelsheim repräsentieren kann“.
Auch die Online-Krönung tat der Zeremonie ihren Angaben zufolge keinen Abbruch: „Das war halt eine andere Situation, etwas Neues.“ Klar sei aber, dass die Pandemie die künftige Planung erschwere: „Konkrete Termine gibt es noch nicht.“ Sie freue sich aber darauf, mit der neuen Aufgabe weiter zu wachsen, neue Leute kennenzulernen, andere Hoheiten zu treffen, sich auszutauschen, zu interagieren und neue, tolle Erfahrungen zu machen, die sie an ihre Nachfolgerin weitergeben könne: „Den Rest lasse ich auf mich zukommen.“ Laras Devise: Lebensfroh zu sein, jeden Tag zu genießen und trotz widriger Zeiten das Gute zu sehen: „Ich stehe für Freude und Spaß. Wir schaffen es zusammen, wenn wir zusammenhalten.“
Große Freude darüber, dass ihre Enkelin neues Kätzel ist, empfindet sicher auch Oma Monika Helm: „Vielleicht wird es ja mal eine von euch“, habe sie zu ihr und Emily öfter gesagt, berichtet Lara, die mit Karl Kühlwein einen bekannten Großvater hat: Er war Bellheimer Lord: „Wenn ich Fragen habe, kann ich mich an Opa wenden. Er erzählt öfter, was er Tolles erlebt hat“, so das neue Kätzel.
Jüngstes Kätzel mit längster Amtszeit
Tolles erlebt hat auch Ex-Kätzel Chiara Fuchs – aber nur in den ersten sechs Monaten ihrer 27-monatigen Amtszeit. Beispiele: die Offerta in Karlsruhe, die Kerwe sowie die Inthronisierungen des Bellheimer Lords und des Ottersheimer Bärenpaares 2019. Dann kam Corona: „Und plötzlich ging fast nichts mehr.“ Auch die Berlin-Fahrt fiel aus. Aus Chiaras Sicht „schade“: Sie räumt ein, dass sie „gerne mehr gemacht“, mehr Leute und die anderen Hoheiten gerne besser kennengelernt und Kontakte aufgebaut hätte. Aber: „Das erste halbe Jahr war schön, echt cool“, erinnert sich die 19-Jährige, die in Germersheim studieren und Übersetzerin werden will. Einen Traum hat sie sich verwirklicht und drei Monate in Namibia Erst- bis Siebtklässer betreut. Ihr Tipp an ihre Nachfolgerin: „Dass sie die schöne Zeit genießen und viele gute Erfahrungen machen soll – mehr als ich.“ Was von Chiara bleibt? Mit 17 Jahren war sie das jüngste Kätzel – und das mit der längsten Amtszeit.