Kreis Germersheim Ohne Verkleidung geht es nicht

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KARLSRUHE/BERG. Sich dem Karneval entziehen? „Diese Option gibt es in Köln nicht wirklich“, sagt Tobias Bertram. Er stammt von dort, wohnt aber seit über zehn Jahren in Karlsruhe. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ erzählt er, wie er dort die „fünfte Jahreszeit“ erlebt – und weshalb er gerne in der Pfalz feiert.

Die bevorstehenden „Feiertage“ seien in Köln vergleichbar mit einer Fußball-Weltmeisterschaft, sagt Tobias Bertram. „Wenn man den Trubel nicht haben will, muss man für einige Tage die Stadt verlassen.“ So wie seine Eltern, die früher zur Karnevalszeit nach Holland fuhren, bis sie letztlich ganz nach Bayern auswanderten. Er selbst hat sich dem Karneval nie entzogen. Bertram stammt aus Elsdorf, einer 21.000-Einwohnerstadt nahe Köln. „Wenn man anwesend ist, feiert man mit“, sagt er. Auch als es ihn 2005 beruflich nach Karlsruhe zog, blieb er im Herzen ein Jeck. Der 38-Jährige ist Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bahn im Karlsruher Hauptbahnhof, arbeitet Schicht und muss daher zeitliche Einschränkungen verkraften – auch im Karneval. Manchmal feiert er ihn daher in der Heimat, manchmal in Karlsruhe und Umgebung. Etwa vor einigen Tagen, als er mit Freunden die Prunksitzung des Carnevalvereins Berg besuchte. „In den Pfälzern kann man sich als Rheinländer wiederfinden“, stellt Bertram mit einem Augenzwinkern fest. Ihre Offenheit und Geselligkeit gefällt dem 38-Jährigen. In Baden, wo er sich sonst gut eingelebt hat, sei die Kontaktaufnahme mit Fremden nicht immer so einfach. „In Köln gehen die Leute viel mehr aufeinander zu“, erzählt er. Es sei selbstverständlich, sich zu Fremden an den Tisch zu setzen und mit ihnen zu reden. Hier seien die Menschen irritiert, wenn man ihnen mit köllscher Offenheit begegne: „Man braucht schon länger, um mit den Leuten warm zu werden.“ Den Karlsruher Umzug am Fasnachtdienstag findet Bertram „ganz nett gemacht“. Er werde ja auch von professionellen Karnevalsvereinen gestaltet. Was ihm aber fehlt, ist die gute Stimmung drumherum. „Sie macht den Straßenkarneval aus“, sagt er. „Spätestens in der Nebenstraße ist Sense.“ Kaum jemand sei beispielsweise kostümiert. In Köln wäre das undenkbar. „Man geht nicht unverkleidet zum Karneval. Punkt.“ Wenn er närrisch unterwegs ist, erkennt man ihn an seinem Hahn-Kostüm. „Das habe ich mir vor vielen Jahren gekauft.“ Eine für Kölner Verhältnisse aber sehr zurückhaltende Verkleidung. Im Rheinland könne es vorkommen, dass Männer sich als Krankenschwestern verkleiden und dabei Netzstrümpfe und eine üppige Oberweite zur Schau stellen. In Baden sei das wohl undenkbar, meint Bertram. In seine alte Heimat hat er inzwischen nur noch unregelmäßigen Kontakt. Ein alter Schulfreund wohnt noch in Köln. Mit ihm feiert er auch Karneval – nur diesmal nicht. „Viele Freunde sind nach Baden-Württemberg gezogen“, sagt er. Einer wohnt in Karlsruhe-Hagsfeld, ein anderer in Ludwigsburg. Seine Schwester lebt bei Offenburg. Bertram selbst fühlt sich in Karlsruhe wohl, möchte dort möglichst lange bleiben. „Karneval feiern hin oder her.“ (hcs)

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