Kreis Germersheim Niedrigzins drückt aufs Sparkassen-Geschäft

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Die Deutschen sparen auf Teufel komm ’raus, auch im Kreis Germersheim. Trotz Niedrigzinsphase sind die Kundeneinlagen bei der Sparkasse Germersheim-Kandel im Geschäftsjahr 2016 auf 1,474 Milliarden Euro (2015: 1,423 Mrd.) gestiegen. Das sagte Vorstandsvorsitzender Siegmar Müller gestern bei der Vorstellung der Bilanz 2016.

„Wir halten das für ungewöhnlich in diesem Ausmaß“, sagte Müller im Beisein seiner Vorstandskollegen Peter Dudenhöffer und Manfred Gehrlein. Ein beachtlicher Teil sei ohne Chance auf Zinsertrag als Sichteinlagen „geparkt“. Diese Sichteinlagen sind um über 100 Millionen Euro gestiegen. „Kunden lassen ausgelaufene Sparverträge liegen, um das Geld sofort parat zu haben, wenn sie eine lukrative Anlageform entdecken“, interpretiert Dudenhöffer das Sparerverhalten. Nicht nachvollziehbar ist für die Sparkassenbanker, dass trotz langer Nullzinsphase Aktien als mittel- und langfristige Anlageform nicht zulegen. „Deutschland wird wohl nie ein Aktionärsland“, sagte Müller dazu. Dennoch trugen die Aktienanlagen deutlich zur Steigerung der Bilanzsumme der Bank von 1,761 auf 1,814 Milliarden Euro bei. Einfach, weil der Wert der Aktien in den Depots der Sparkassenkunden merklich gestiegen ist. „Es war das fünfte gute Börsenjahr in Folge“, sagte Müller, und wies darauf hin, dass der deutsche Aktienindex DAX gerade die 12.000-Punkte-Grenze durchbrochen hat. Kein überragendes Geschäftsmodell mehr ist seit Beginn der Niedrigzinsphase der Geldverleih. Aber es ist noch eines das zumindest volumenmäßig wächst. 1,202 Milliarden Euro Kredite hat die Sparkasse ausgegeben. Vor allem der private Sektor hat sich laut Müller gut entwickelt. Treiber waren Immobilien. Vor allem Häuslebauer sorgen fürs Geschäft in der Kredit- aber auch der Immobilienabteilung des Instituts. Es mache sich bemerkbar, dass der Kreis Germersheim eine wirtschaftsstarke Region mit Zuzug vor allem entlang des Rheins ist, sagte der Sparkassenchef. Dudenhöffer wies auf die „Generation 50plus“ hin, die beim Immobilienboom (Müller: „Keine Blase.“) eine Rolle spielt. „Kinder sind aus dem Haus, das Haus wird zu groß, die Gartenarbeit zu viel“, fasst er den Trend zu seniorengerechten, barrierefreien Wohnungen zusammen. Einzige Grafik, in der die Kurve nach unten geht, ist die Darstellung des Betriebsergebnisses. Es liegt mit 0,93 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme (DBS) knapp unter dem Vorjahresergebnis. Die Ausschüttung aufs Stammkapital an Kreis und Stadt Germersheim sowie die Stadt Kandel werde mit insgesamt rund 770.000 Euro unverändert bleiben – wenn der Verwaltungsrat zustimmt, so Müller. Die 26 Geschäftsstellen bleiben unangetastet, allerdings werde es Einschränkungen der Öffnungszeiten geben, kündigte Müller an. Gleichzeitig werde Internet- und Telefonbanking ausgebaut; am 1. August nimmt ein sparkasseneigenes Call Center (Dudenhöffer: „Nicht in Halle oder Kalkutta, sondern in Kandel mit von uns ausgebildeten Mitarbeitern.“) den Betrieb von 8 bis 18 Uhr auf. Auf Gebührenerhöhung für Kontoführung werde vorerst verzichtet, sagte Müller. Er räumte aber ein, dass man sich mit dem Thema beschäftige. Es sei einfach nicht mehr möglich, mit dem Kreditgeschäft die Kontoführung zu subventionieren. |tom

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