Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Wohnungen im ehemaligen Kandeler Gefängnis bald bezugsfertig

Eigentümer Peter Fischer und Andrea Lehmann in einer „Zelle“.
Eigentümer Peter Fischer und Andrea Lehmann in einer »Zelle«.

Wo einst Kleinkriminelle einziehen mussten, freuen sich jetzt Menschen auf ihr neues Zuhause: Nach aufwändiger Sanierung sind im ehemaligen Kandeler Gefängnis sechs komfortabel ausgestattete Wohnungen entstanden, die bald bezugsfertig sind.

Das im Jahre 1870 errichtete Gebäude in der Wasgaustraße 4 steht jedenfalls seit langem unter Denkmalschutz, und seine neuen Eigentümer mussten bei der aufwändigen Sanierung des Gebäudes viele Vorschriften einhalten. Das taten sie auch penibel, schließlich wollen die Bauträger von „Bauen-ist-schoen“ ein tolles Gebäude aus seinem Märchenschlaf erwecken, wie Andrea Lehmann und Peter Fischer jetzt bei einer Führung durch das Anwesen zum Ausdruck brachten. Die Sanierung und Wiederbelebung erhaltenswerter Häuser sei ihnen ein besonderes Anliegen, so Fischer, der nach eigenen Angaben auch mit international renommierten Architekten wie Dominique Perrault aus Paris, Norman Foster aus Großbritannien und Matteo Thun aus Italien gearbeitet hat.

Knapp 60 Jahre Notariat im Gebäude

Lehmann und Fischer haben das Anwesen im August 2017 erworben, nachdem es dem dort seit Jahrzehnten untergebrachten Notariat zu eng geworden war. Drei Generationen von Notaren hatten seit Beginn der 1960er-Jahre hier ihren Sitz. Nun galt es, das Gebäude zu entkernen und eine aufwändige Sanierung zu beginnen. Die Bauleitung lag in den Händen des Kandeler Architekten Peter Bender, der penibel auf die Ideen der Bauträger und die Vorgaben des Denkmalschutzes achtete. Schließlich galt es, etwas ganz Besonderes, einen baulichen Juwel sozusagen, in der Wasgaustraße ins rechte Licht zu rücken.

Dies galt natürlich auch für die Sanierung der Sandsteinfassade, wo für die Steinmetze viel zu tun war. So waren Fugen neu zu verfüllen, abgebrochene Teile mit passendem rotem oder hellem Sandstein zu ersetzen. Aber auch im Inneren war vieles durch mehrere Umbauten zu Büroräumen im Stil der 60er-Jahre etwas entfremdet. Unter mehreren Lagen Teppich und Linoleum entdeckte man schließlich auch die Sandsteintreppe. Sie wurde aufgearbeitet und mit neuen Stufen aus Sandstein belegt. Beim Entfernen der Türzargen aus Holz fand man die alten Türgewänder aus Sandstein vor. An diesen waren in früher Zeit die schweren Zellentüren angeschlagen, die den Gefangenen den Weg in die Freiheit verbauen sollten.

Raum mit Gewölbedecke ist Schmuckstück

Als es 1929 trotzdem einer wagte, in die Freiheit zu gelangen, wollte ein Vorgänger von Verwalter Pfund dies verhindern und bezahlte diesen Einsatz für die Gerechtigkeit mit seinem Leben. Auch der mit alten Fliesen belegte Boden im Eingangsbereich konnte erhalten werden. Ein besonderes Schmuckstück ist ein Raum im Erdgeschoss mit einer Gewölbedecke. Hier soll die Küche einer der sechs Wohnungen eingerichtet werden. Voll gelungen erscheint auch der Ausbau des Dachgeschosses, das zwei Dachgauben erhalten hat. Die Holzbalken sind zum Teil freigelegt und gut sichtbar, verleihen den Räumen eine ganz besondere Atmosphäre. Mit viel Herzblut, so hören wir von Andrea Lehmann, habe man Schritt für Schritt alles getan, um beim Ausbau des Gebäudes auch den Wünschen des Denkmalschutzes zu entsprechen.

Gefreut haben sich die Bauträger auch darüber, dass beim Aushub des geteerten Hofes, der bisher als Parkplatz gedient hatte, alte Pflastersteine zum Vorschein kamen. Diese wurden für einen Weg verwendet, den künftig Mandelbäume säumen werden. „Natürlich hätten wir vieles auch einfacher und kostengünstiger machen können“, sagt Peter Fischer. Dann aber wäre man den eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden. Kurz vor der Vollendung sei man schon stolz auf das Haus, das zweifellos eine Bereicherung für das Stadtbild darstellt. Kandel habe viele tolle Fachwerkhäuser, aber dieses Sandsteingebäude sei einmalig, so Peter Fischer.

Wohnungen haben zwischen 62 und 82 Quadratmeter

Die künftigen Bewohner stehen teilweise bereits fest, vier Eigentumswohnungen sind verkauft, zwei weitere Wohnungen wolle man vermieten. Die Größe der Wohnungen liegt zwischen 62 und 82 Quadratmetern. Auf der Südseite, also zur Wasgaustraße hin, bekommen die Wohnungen im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss einen Balkon. Auch die Garagen werden derzeit noch fertiggestellt. Die dicken Sandsteinmauern, die das Gefängnis früher umgaben, sind teilweise erhalten geblieben.

Das 1870 errichtete Gebäude steht unter Denkmalschutz.
Das 1870 errichtete Gebäude steht unter Denkmalschutz.
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