Kreis Germersheim Mobil dank Bürgerbus
Was in größeren Orten noch ganz selbstverständlich zu Fuß oder mit dem Rad erledigt werden kann, ist gerade für ältere Neuburger keine Selbstverständlichkeit mehr: Einkaufen zu können. Denn der Einzelhandel in ihrem Heimatort ist nahezu verschwunden. Also hilft man sich selbst. Einmal in der Woche geht es mit dem Kleinbus des Bürgervereins zum Shoppen. Drei Metzgereien und Bäckereien habe es früher in Neuburg gegeben. Und natürlich auch einen Lebensmittelladen, sagt Margarita Sesterheim. Sie schiebt ihren Einkaufswagen durch den Supermarkt im Maximiliancenter und steuert nach der Gemüseabteilung die Fleischtheke an. Sie kauft nicht nur zur frischen Zubereitung ein, sondern auch zum Einfrieren. Karin Bosbach hat sich ihr angeschlossen. Den verführerisch präsentierten Spargel aus Italien kommentiert sie mit einem trockenen „Nein, nein, da warten wir lieber, bis es unseren gibt“. Später freut sie sich, dass sie an der Wursttheke den gewünschten Ochsenmaulsalat bekommt. „Mit Kartoffelsalat essen mein Mann und ich ihn gerne!“, gibt sie einen Hinweis auf den heutigen Speiseplan. Die Idee zu den regelmäßigen Einkaufs- und bei Bedarf auch Arztfahrten hatte sich im Bürgerverein entwickelt. Karin Bosbachs Ehemann Wolfgang stellte sich spontan als Fahrer zur Verfügung und so konnte das Vorhaben vor anderthalb Jahren rasch umgesetzt werden. Der vereinseigene Kleinbus ist mit Werbung bestückt, und kann dadurch kostenneutral gehalten werden. Jeder Mitfahrende zahlt zudem pro Fahrt einen Euro, wobei man nicht Mitglied des rund 500 Mitglieder zählenden Bürgervereins sein muss. In der Regel fahren fünf bis acht Personen mit, über das Fahrtziel entscheidet die Mehrheit. Selbst Arzt- oder Behindertenfahrten können gemacht werden. In der Regel sind Hagenbach und Wörth die Einkaufsziele. Nach Berg hingegen geht es kaum noch: „Dort gibt es keine öffentlichen Toiletten“, sagt Karin Bosbach. Auch dass es dort einen guten Metzger gebe, der früher in Neuburg ansässig war, rettet für die Senioren den Standort nicht. Nach Karlsruhe oder Germersheim gehen ebenfalls keine Fahrten, da das Angebot rund um Wörth ausreichend ist. So ist es auch an diesem Donnerstag im Maximiliancenter. Während Bosbach und Sesterheim in den Supermarkt gehen, zieht es die anderen drei Mitfahrerinnen erst einmal ins Mode- und Bekleidungsgeschäft. Eine der Damen hat zwar drei Kinder, doch sie wohnen inzwischen weit weg. Eines hat es sogar nach Berlin geführt. Und die große weite Einkaufswelt des Internets ist für so manchen noch viel weiter weg, als die Bundeshauptstadt. „Ich habe nur Fernseher und Radio“, stellt Rosalinde Engelhard fest. Und erhält von ihrer Gegenüber ein kräftiges „Das langt doch!“ als Unterstützung. Natürlich klappt nicht immer alles. So wurden schon zweimal Mitfahrer zuhause vergessen. Das war für Bosbach natürlich sehr unangenehm, sorgt heute aber nur noch für Heiterkeit. Nachdem Rosalinde Engelhard lange vor der eigenen Haustür gewartet hatte, schwang sie sich einfach auf das Fahrrad und fuhr zum Edeka in Hagenbach. Dort war das Hallo natürlich groß, als sie plötzlich vor der Truppe stand. Dass das Soziale bei diesen Exkursionen nicht zu kurz kommt, versteht sich von selbst. Oft trinkt man noch gemeinsam einen Kaffee oder isst im Maximiliancenter auch noch zu Mittag. Karin Bosbach: „So erfahren wir auch gleichzeitig die Neuigkeiten aus dem Ort!“ Info Weitere Infos und Anmeldung bei Arnika Eck vom Bürgerverein, 07273 3732 .