Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Mit EU-Förderung sicher über die B9 kommen

In der letzten Leader-Förderperiode wurden schon Radwege finanziert. Jetzt geht es zum Beispiel um Verbesserungen wie öffentlich
In der letzten Leader-Förderperiode wurden schon Radwege finanziert. Jetzt geht es zum Beispiel um Verbesserungen wie öffentliche Toiletten am Rande der Wege.

Öffentliche Toiletten, erschwingliches altersgerechtes Wohnen, Solarparks mit Bürgerbeteiligung: Nun können Bürger in der Südpfalz ihren Wunschzettel schreiben. Es geht darum, in der neuen sogenannten Leader-Periode zwischen 2023 und 2028 bis zu 3,3 Millionen Euro EU-Fördergelder an Land zu ziehen.

Eines gleich vorweg. Die Menschen, die in der Leader-Region „Südpfalz“ wohnen, scheinen sich hier ganz wohl zu fühlen. Sie zeigen sich mit vielem zufrieden, sind auch froh über zahlreiche Einrichtungen, die in den vergangenen Jahren geschaffen wurden. Es gibt aber auch den einen oder anderen Wunsch nach Verbesserungen der Infrastruktur und im Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Dies wurde deutlich beim Auftaktworkshop für die neue Leader-Förderperiode 2023 bis 2028, die am Mittwoch in der Festhalle in Wörth stattfand. Und zu der nicht nur Kommunalpolitiker aus den beteiligten sechs Verbandsgemeinden und der Stadt Wörth kamen.

Geld für Vorhaben, für die es sonst keinen Zuschuss gibt

Auch interessierte Bürger ohne politisches Mandat nahmen die Einladung an und brachten ihre Gedanken und Vorschläge ein. Genau dies sei auch gewünscht, sagte zu Beginn Wörths Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD) in seiner Begrüßung. Es gebe noch viel Arbeit zu leisten. Aber es lohne sich, hier mitzumachen, meinte Nitsche. Und Volker Poß (SPD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kandel und Vorsitzender der Leader-Gruppe Südpfalz, erinnerte an erfolgreiche Projekte der vergangenen Leader-Periode und daran, dass man viel Geld für sinnvolle Vorhaben bekommen könne, die ansonsten nicht bezuschusst würden. Mit dabei sind diesmal die Verbandsgemeinden Offenbach, Herxheim, Landau-Land, Kandel, Jockgrim, Hagenbach und die Stadt Wörth. Betreut wird das Projekt vom „Institut für Ländliche Strukturforschung“ an der Goethe-Universität Frankfurt, für das Ulrich Gehrlein die Auftaktveranstaltung in Wörth mit seinem Kollegen Christoph Mathias moderierte. Die regionale Betreuung übernimmt die Beratungsfirma Kobra (Landau), für die Peter Dell am Workshop teilnahm.

Ein Wunsch: Die B9 sicher überqueren können

Es gilt, eine „Lokale Integrierte Ländliche Entwicklungsstrategie abgekürzt „LILE“, für die Region Südpfalz zu erarbeiten. Für die Gruppe Südpfalz habe man vier Handlungsfelder vorgesehen. Ein Beispiel aus dem Bereich „Naherholung, Tourismus und Kultur“ sei hier genannt. Hier gefallen die guten und vor allem ebenen Radwege in der Südpfalz, kritisiert wird aber deren häufige Beschaffenheit und die gemeinsame Nutzung mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen sowie die oft daraus resultierende Verschmutzung. Was wünschen sich die Teilnehmer nun? Wege direkt an den Flüssen oder Seen, mehr E-Bike-Verleihstationen, Infotafeln an Sehenswürdigkeiten, öffentliche Toiletten, auch an den Radwegen, und, ganz speziell, einen Radweg von Wörth nach Büchelberg mit sicherer Überquerung der B9.

Auch im Handlungsfeld „Lebensqualität und dörfliche Entwicklung sowie Stadtentwicklung“ wurden konkrete Wünsche formuliert. Hier gefällt vielen etwa die Einrichtung des Gesundheitszentrums in Wörth. Man beklagt den Lärm durch den innerörtlichen Verkehr und wünscht sich rasch Verbesserungen für Menschen aller Altersgruppen, bei der medizinischen Versorgung, der Organisation von Nachbarschaftshilfen oder eine erschwingliche altersgerechte Wohnungen.

Das Thema Klimaschutz findet großes Interesse

Auffallend, dass sich bei der Auswahl der Workshops zunächst einmal ganz viele Teilnehmer sich für das Thema „Wirtschaft und Klimaschutz“ entschieden. „Klimaschutz“ ist derzeit ja, nicht nur wegen des Bundestagswahlkampfes in aller Munde. Als positiv angesehen wurde die Tatsache, dass es ein gutes Hochwasserschutzkonzept und viele Windkraftanlagen in der Südpfalz gebe. Dass der öffentliche Personennahverkehr gerade in den Dörfern nicht immer optimal organisiert ist, wurde bedauert. Wünschenswert wäre eine stärkere Bürgerbeteiligung an Solarparks oder eine Reduzierung des Flächenverlustes bei Baumaßnahmen.

Zahlreiche Vorschläge erarbeitete auch die Gruppe „Natur, Kulturlandschaft und Landbewirtschaftung“: Biotope und Blühstreifen schaffen, kommunale Grünflächen kostengünstig und naturnah gestalten oder auch Beobachtungspunkte an den Radwegen einrichten. All diese Ergebnisse sollen in die Erarbeitung eines Konzeptes einfließen, das Ende Januar 2022 in einer Abschlussveranstaltung vorgestellt wird. Bis dahin gibt es noch viel Arbeit für die Fachgruppen, zu denen wiederum alle interessierten Bürger eingeladen sind. Deren erste Arbeitsrunden tagen am 9. September in Birkweiler (Naherholung und Klimaschutz), am 16. September in Kandel (Lebensqualität und Landbewirtschaftung). Die zweite Arbeitsrunde ist für 12. Oktober in Herxheim und am 14. Oktober in Hagenbach geplant.

x