Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Lingenfeld: Tiefer Blick ins Buch der Bücher

Gabrielle Tamasko und Bärbel Steiger im Kloster.
Gabrielle Tamasko und Bärbel Steiger im Kloster.

Die katholische Pfarrei Seliger Paul Josef Nardini, Germersheim, und die protestantische Kirchengemeinde Westheim-Lingenfeld haben zu einer Reise in die Welt der Bibel eingeladen. Die erste von 130 geplanten Führungen im Lingenfelder Pfarrheim war freitags und die letzte dann schon – coronabedingt – samstags.

In einer interaktiven Ausstellung im katholischen Pfarrheim sollten die Besucher während der Fastenzeit bei mehreren Führungen täglich in acht Stationen der Entstehung der Bibel folgen. Die restlichen Termine der Erlebnisausstellung „Wortschatz“, rund 130 Führungen, sind bis auf Weiteres allerdings abgesagt. Mehr als 2500 Menschen hatten sich bereits angemeldet. Geduld, auf neue Termine zu warten, zahlt sich bei Interessierten jedoch aus. Denn die Mitwirkenden haben sich alle Mühe gegeben, ihre Begeisterung für die Bibel in vielfältiger Weise auszudrücken und auf das Publikum zu übertragen.

So beginnt die Reise im Zelt vom einst blinden Bettler Bartimäus, der von seiner Heilung durch Jesus berichtet. Man solle „mit den Augen und dem Herzen sehen“ lautet eine Botschaft an seine Zuhörerschaft, die auf authentischen Sitzmöbeln beisammensitzt und Bartimäus interessiert lauscht. Weiter geht es nun ins Pfarrheim hinein und zu den Ursprüngen der Bibel. In einer Filmsequenz geht es um die aufregende Entdeckung der wohl ältesten Bibel-Schriftstücken im Jahr 1946. „Was vor über 2000 Jahren geschrieben wurde, lesen wir heute in unserer Bibel“, verdeutliche Marie-Christin Mayer, die die Gruppe an diesem Tag führt. Passend dazu haben die Firmlinge eine historische Landschaft samt Wüstenbewohner gebastelt.

Buchdruck erleichert aufwändige Abschreibarbeit

In der mittelalterlichen Schreibstube, dem Skriptorium des Klosters Eußerthal lernen die Zuschauer nun Bruder Stefan und Bruder Sebastian kennen. Dieser jammert: Der Rücken schmerzt, die Finger krampfen, die Augen sind müde. Tag für Tag schreibt er die Bibel ab – eine furchtbar anstrengende Tätigkeit. Und aufwändig ist die Herstellung von Pergament, Farbe und Federn. Aber neben dem wertvollen Dienst am Herrn, ist dies auch eine gute Einnahmequelle für das Kloster. Das alles wird erst durch die Erfindung Gutenbergs erleichtert. Dass der es allerdings ebenfalls alles andere als leicht hatte, erzählt seine Schwester Katharina. Und dann tritt ein recht nervöser und teils verzweifelter Luther auf, der auf der Wartburg festsitzt und an seiner Aufgabe, die Bibel zu übersetzen, zu scheitern droht – wäre da nicht sein Freund Philipp Melanchthon, der ihn mittels Briefe in seiner Arbeit unterstützt. Auch einen Blick in Luthers karge Schreibstube können die Zuschauer werfen.

73 Bücher hat die Bibel, die komplett in 629 Sprachen übersetzt ist und natürlich auch in die Blindenschrift Braille. Das „Buch der Bücher“ wird der Gruppe nun detailliert vorgestellt und anhand der Geschichte von Noah die heutige Vielfältigkeit gezeigt: Bücher, Filme, Apps, Kinder – und PC-Spiele gibt es unter anderem. Im letzten Raum haben nun alle die Möglichkeit, ihre eigenen Gedanken und den persönlichen Bezug zur Bibel zum Ausdruck zu bringen, bevor in Anschluss an die Führung noch eine kleine Bibelausstellung erkundet werden kann.

Info

Wann es die nächsten Führungen gibt, wird so bald als möglich bekannt gegeben. Anmeldungen und weitere Infos dann unter www.wortschatz2020.de.

Thomas Bauer beim Drucken an einer Kopie der Gutenberg-Presse.
Thomas Bauer beim Drucken an einer Kopie der Gutenberg-Presse.
 Norbert Steiger als Luther.
Norbert Steiger als Luther.
Bibelausstellung.
Bibelausstellung.
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