Kreis Germersheim Leserbriefe an die Lokalredaktion Germersheim-Wörth:
(...) Als ich den Leserbrief von Herrn Scheurer gelesen hatte, habe ich mich verwundert am Kopf gekratzt. „Heute ist doch nicht der 1. April...“ dachte ich. Oder will Herr Scheurer durch eine überspitzte Darstellung der Umstände mit „Fakten“ aus der verkehrspolitischen Steinzeit zur intensiven Diskussion über dieses Thema anregen...? (...) Nach mehrmaligem Lesen und dem Versuch den Duktus seines Leserbriefes zu verstehen, bin ich aber leider zur Ansicht gelangt, dass es ihm anscheinend bitter Ernst ist mit seiner Meinungsäußerung. Ich vermute einfach einmal das Herr Scheurer in einem eher ruhigen Wohngebiet mit Zone-30-Regelung in Bellheim wohnt und sich somit kaum in die lauten und gefährlichen Wohnumfeld-Niederungen einer Durchgangstraße wie der Hauptstraße oder der Postgrabenstraße in Bellheim begeben muss, um dort die 24-stündigen praktische und nicht theoretische „Komplexität der Interessen aller betroffenen Akteure“ als vom Verkehr gefährdeter, lärmgeplagter und desillusionierter Anwohner mit Wohnqualität nahe dem Nullpunkt zu erleben. Warum Herr Scheurer zu dem Schluss kommt, dass durch „Das Scheinargument der Solidarität Andersdenkende in sachdienlicher Weise in die böse Ecke...“ gestellt werden erschließt sich mir nicht. Wen sich ein Gemeinderat mehrheitlich entschließt eine „Tempo-30-Test“ zu verlängern ist das wohl kaum als unterschwellig undemokratisch zu werten. Auch wenn sich mehrere Ratsmitglieder enthalten haben... (...) Ich bin kein Bellheimer, befahre die Postgrabenstraße aber regelmäßig beruflich und privat mit Pkw und Motorrad und halte mich gerne an die Geschwindigkeitsbeschränkung von 30 km/h. Viel mehr kann man als verantwortungsvoller Verkehrsteilnehmer dort risikolos sowieso nicht fahren. Und aus Rücksichtnahme gegenüber allen „betroffenen Akteure“ sollte man es auch nicht tun. Ich hoffe nicht das Herr Scheurer zu den Zeitgenossen gehört die meinen einen mit dichtem Auffahren, Lichthupe, wildem Gestikulieren oder gar angedeuteten Überholmanövern zum schnelleren Fahren nötigen zu müssen. Ich rate Herrn Scheurer und den vielen anderen Vertretern der Vollgasfraktion zu mehr Gelassenheit und Ruhe. Nach dem Ortsschild können Sie ja Gas geben und die B9, die A65 und der Hockenheimring sind ja auch nicht weit weg... (...) Den Anwohnern der Postgrabenstraße wünsche ich, dass der Gemeinderat sein Herz in der Hand behält und der Tempo-30-Test in eine dauerhafte 24-stündige Tempo-30-Regelung für die Postgrabenstraße mündet. Alles andere wäre ein Unding. Ich weiß, von was ich rede. Ich bin Anwohner des verkehrstechnischen Highlights von Hochstadt, der Neustadter Straße und versuche mit einigen Mitstreitern als schwer„betroffene Akteure“ des ungebremst zunehmenden Verkehrs- und Lärmterrors unsere berechtigte Forderung nach mehr Ruhe und Zurückgewinnung von Lebensqualität durch Schaffung einer Tempo-30-Regelung für den gesamten Straßenverlauf durchzusetzen. Wir hoffen....!!! Zu den inflationär zunehmenden Tempo 30 Zonen, aus dem Leserbrief von Thorsten Scheurer, sei bemerkt, daran ist einzig und allein die rücksichtslose Fahrweise vieler Autofahrer schuld. Wie ich aus dem Artikel schließe, wohnt Herr Scheurer, genauso wie die meisten Kritiker von Tempo 30, in einem reinem, verkehrsarmen und ruhigen Wohngebiet. Die zum Arbeiten, Einkaufen und Brötchen holen, dann aber gerne mal schnell durch die klassifizierten Hauptstraßen rasen. Dass hier auch Leute wohnen wird dabei natürlich gerne ignoriert. Vertreten auch Sie die Meinung, dass die Anlieger von Bundes und Landesstraßen das halt hinnehmen müssen? Oder dass Zugezogene selbst schuld sind, wussten sie doch schon vorher von der hohen Verkehrsbelastung. Dann sei Ihnen gesagt, es sind nur die Autofahrer die erklären müssen, warum sie sich nicht an die vorgeschriebene Geschwindigkeit halten, nicht die Anwohner! Außerdem schließe ich aus dem Leserbrief, dass Sie keine Vorstellung von den Belastungen haben, welche Menschen ertragen müssen, die an Hauptverkehrsstraßen leben und sind anscheinend auch nicht gewillt sich in deren Situation zu versetzen. Zu der Behauptung der Unfallgefahr: Es ist erwiesen das bei einer Kollision Fußgänger/Kfz, die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Tempo 50, bei nur 25 Prozent bei Tempo 30 aber bei 90 Prozent liegt. Gehören Sie etwa zu den Personen, welche Tempo 30 erst dann akzeptieren, wenn ein Unfallschwerpunkt vorliegt, an dem es Personenschäden oder Unfalltote gegeben hat? Sie meinen eine Geschwindigkeitsreduzierung in den Nachtstunden sei ausreichend? Haben Sie eine Vorstellung, was sich nachts auf diesen Straßen abspielt? Gehen Sie doch mal zum Ordnungsamt der VG Bellheim und lassen sich die erfassten Geschwindigkeitsverläufe in diesen Straßen zeigen. In Kandel in der Rheinstraße, die zwischen dem Verkehrskreisel und der Ampelkreuzung gerade mal 880 Meter lang ist, lag die Spitzengeschwindigkeit nachts bisher bei 128 km/h. Die Messstelle befindet sich nur 150 Meter vor der Kreuzung, dieser traurige Rekord wurde nun mit 145 km/h übertroffen. (...) Machen Sie einen Versuch, stellen Sie sich an eine Durchgangsstraße und beobachten den Verkehr. Sie werden feststellen, dass sich Fahrer mit fremden Kennzeichen überwiegend an das Limit halten, nur einheimische, ortskundige und Pendler haben mit Tempo 30 ein Problem. Zu den hohen Drehzahlen sei bemerkt, diese Diskussion, ist seit der fast flächendeckenden Einführung von Tempo 30 in Wohngebieten, längst überholt. Ich engagiere mich nun schon seit mehreren Jahren auch im Netzwerk Tempo 30 Pfalz in dem über 25 BI´s angeschlossen sind, mittlerweile kenne ich fast alle faulen Gründe gegen Tempo 30, kein einziger davon ist begründet. Zur Bemerkung eingangs bezüglich der rücksichtslose Fahrweise der Autofahrer. Die sind nun selbst daran schuld, dass es zu den inflationären Gründungen von Bürgerinitiativen gekommen ist, welche nicht weiter gewillt waren diese Zustände hinzunehmen. Nur durch die erfolgreiche Arbeit von BI´s wie Kandel Tempo 30 oder dem Netzwerk Tempo 30 Pfalz, ist es gelungen Tempo 30 landesweit zum Durchbruch und damit den Anliegern von klassifizierten Straßen zu mehr Lebensqualität zu verhelfen. Wie viele Schutzengel braucht die Bevölkerung der Region Germersheim eigentlich, um die Unvernunft unserer Regierenden zu überleben? Eigentlich sollte das KKW Philippsburg mit seinem Lager von atomaren Zerfalllstoffen genügen. Aber nein, Germersheim soll nun auch noch ein erweitertes Gefahrstofflager der US-Army ertragen. Weshalb wird dieser Cocktail aus höchstgefährlichen Giftstoffen aus den USA nach Deutschland gebracht? Durch welches „Vorprüfungsverfahren“ weiß die Kreisverwaltung, dass eine Umweltverträglichkeitsprüfung nicht erforderlich ist? Woher nimmt sie die Sicherheit, dass keine „erheblich nachteiligen Umweltauswirkungen“ zu befürchten sind? Was weiß die Kreisverwaltung überhaupt über Lagerungsdauer, Zweck und Verteiler der Stoffe? Oder sind wir nur noch Manövriermasse für amerikanische Firmen? Politisch muss natürlich gefragt werden, ob die Kreisverwaltung Germersheim ein Befehlsempfänger der US-Army sein will. Wenn sie das nicht sein will, dann hat die Bevölkerung dieses Kreises allen Anspruch auf Schutz vor diesen teuflischen Materialien. Wir appellieren an sämtliche Kreispolitiker, sich vehement für diesen Schutz einzusetzen und die amerikanischen Pläne zu verhindern.