Kreis Germersheim Leserbriefe an die Lokalredaktion Germersheim-Wörth:

Der Vorschlag der DB, die S4 über Germersheim bis Wörth weiterzuführen, brächte eine ganz erhebliche Verbesserung des Schienenverkehrs in der Region. Insbesondere dann, wenn diese auch nach Karlsruhe Hbf weitergeführt würden. Herbert Jäger ( Jockgrim ) vom Verkehrsforum Südpfalz, hat mit seinem Fahrplankonzept aufgezeigt, dass es möglich wäre, sowohl die Albtal-Verkehrsgesellschaft AVG als auch die VRN-S-Bahnen auf die Strecke zu bringen - und dies sogar kostenneutral. Vor allem für Fahrgäste die Richtung Mannheim und zurück fahren wollen, wären umsteigefreie Verbindungen ein qualitativer Quantensprung. Selbst wenn die AVG ihre Fahrplanprobleme in den Griff bekäme, wäre die Attraktivität der Karlsruher Straßenbahn nicht deutlich gesteigert. Das Umsteigen in Germersheim wäre immer noch nötig. Andere Nachteile, für Fahrgäste nördlich von Germersheim, sind deutlich längere Fahrtzeiten, im Vergleich mit der Zeit, bevor die AVG kam und die DB mit Regionalbahnen von Ludwigshafen nach Wörth fuhr. Des Weiteren erlebe ich, als häufiger Bahnfahrer, die Nachteile der Straßenbahnfahrzeuge gegenüber der VRN-S-Bahnen; wie zum Beispiel weniger Sitzplätze, keine Toiletten, keine Gepäckablagen und viel zu wenig Platz für Fahrräder, Kinderwagen oder Rollstühle. Bei dem Gedanken, eine Bahnfahrt inclusive Fahrrad über Germersheim mit der AVG zu machen, bekomme ich schon Magendrücken. Ein attraktiver Nahverkehr würde sicherlich mehr Menschen zur Nutzung der Bahn bewegen, was zum Einen die Fahrgeldeinnahmen erhöhen und zum Anderen eine Entlastung der Wörther Straßenbrücke zur Folge hätte. Vor der Einführung der AVG-Straßenbahn war ich voller Hoffnung auf Verbesserungen im Nahverkehr. Aber es wurde eine einzige, frustrierende Enttäuschung. Wenn die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung wirklich wollten, könnte das Konzept des Herrn Jäger schon in naher Zukunft Wirklichkeit werden. Ob die AVG auch nach 2023 hier fahren sollte, ist aus meiner Sicht sehr fraglich und hinge vor allem davon ab, ob es viele Nutzer gibt, die direkt in die Karlsruher Innenstatt wollen. Liebe Germersheimer, dass ich meine Kindheits- und Jugendjahre in Germersheim verbracht habe, habe ich immer gerne Kollegen und Freunden erzählt. Als ich nach der letzten Landtagswahl davon gelesen habe, dass im Wahlkreis Germersheim solch eine große Wählerschaft für eine homophobe Partei existiert, schäme ich mich meiner Herkunft und versuche sie nicht mehr anzusprechen. Mich wundert dieses Wahlergebnis um so mehr, als es einem in den letzten Jahrhunderten sich wiederholenden Muster von Feindschaft gegenüber andersartigen Minderheiten folgt: – von 1276 bis 1945 waren es die Juden; – in den 1950er und 1960er Jahren waren die Gastarbeiter (Zitat: „ Italiener sind Messerstecher und Frauenhelden“); – in den 1990er Jahren waren es die Russlanddeutschen. Wann hört dieser Zyklus auf und wann wird nicht mehr versucht, das eigene fehlende Selbstvertrauen durch Aggressionen gegen hilfesuchende Menschen zu kompensieren? Es wäre doch schön, wenn ich eines Tages wieder mit Stolz sagen könnte: „Ich bin ein Germersheimer“.