Kreis Germersheim Leserbriefe an die Lokalredaktion:

In Ihrem Artikel zitieren Sie Herrn Roth aus Kandel, der unter anderem fragt, ob jemand schon einmal ausgerechnet hätte, wie viel Arbeitszeit durch die täglichen Staus verloren geht. Ich habe für mich einmal meine persönliche Staubilanz erstellt. Vorsichtig und niedrig geschätzt stehe ich pro Woche etwa 2 Stunden vor der Brücke im Stau. Bei 46 Arbeitswochen pro Jahr komme ich so auf 92 Staustunden. Mittlerweile pendle ich seit 21 Jahren über diese Brücke und darf somit mehr als 2000 Staustunden mein eigen nennen. Nachdem das Wegerisiko beim Arbeitnehmer liegt, ist er gezwungen, entweder früher los zu fahren, um pünktlich zur Arbeit zu kommen, oder er wird diese Zeit nacharbeiten müssen. Also geht per se keine Arbeitszeit verloren. Was verloren geht, ist Zeit für die Familie, den Freundeskreis, Hobbies oder für Ehrenämter. Dieser Posten taucht weder in einer Unternehmensbilanz noch in öffentlichen Haushalten als Kostenfaktor auf. Nur so kann ich mir erklären, dass das große Anliegen der Pendler – Bau der zweiten Rheinbrücke – so lange in den Katakomben der Verwaltung seinen Winterschlaf halten konnte. Mit einer beharrlichen Wiederholung liest man die Meldung über das Sterben von Nolte Möbel in der RHEINPFALZ, das nur durch die Opferbereitschaft der Mitarbeiter verhindert wird. Im Klartext, die Mitarbeiter dürfen für das Unvermögen des Managements bezahlen, um das Unternehmen wiedermal zu erhalten, beziehungsweise ihren Arbeitsplatz zu sichern. Welche Opfer erbringt eigentlich die Führungs-/Managerebene, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern? Vielleicht macht man sich mal bei Google zum Thema Rentabilität schlau. Mir tun die Mitarbeiter wirklich leid, die über Jahre auf Einkommen und damit auf Lebensqualität verzichten müssen. So wie man liest, sind alle Standortsicherungsverträge verpufft, ebenso wie die Kurzarbeitszeit und jetzt schon wieder weniger Geld. Unternehmer sein bedeutet, etwas unternehmen.