Meinung
Kulturzentrum: Gläserbeschaffung ein Akt der Solidarität
„Scherben bringen Glück!“ Wer hat diesen Spruch nicht schon unzählige Male gehört? Immer dann, wenn es irgendwo klirrt, findet sich ganz bestimmt ein gut gelaunter Zeitgenosse, der an diesen Aberglauben erinnert. Wobei es eigentlich vom Material abhängig ist, ob man sich auf eine bevorstehende Glücksphase freuen darf oder sich eher vorsehen muss, dass man nicht umgehend von einem Meteoriten erschlagen wird. Porzellan bringt Glück, Glas nicht – so einfach ist das.
Wo kräftig gefeiert wird, da geht natürlich auch mal ein Gläschen zu Bruch – meist natürlich versehentlich. So auch im Kulturzentrum in Hagenbach, das für seine rauschenden Partys weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Der Schwund am Gläserbestand hat jüngst den Stadtrat auf den Plan gerufen. Das Gremium hat für die Beschaffung neuer Trinkgläser für das Kulturzentrum zwischen 2500 und 3000 Euro in Aussicht gestellt. Der Beschluss für die Ersatzbeschaffung fiel übrigens einstimmig. Das ist keine Überraschung. Schließlich möchte kein verantwortungsbewusstes Ratsmitglied dafür verantwortlich gemacht werden, wenn das Kulturzentrum in Ermangelung einer ausreichenden Anzahl an Trinkgefäßen den Anforderungen bei öffentlichen und privaten Veranstaltungen nicht mehr gerecht werden kann.
Bürger kündigen „Soforthilfe“ an
Festhalten sollte man an dieser Stelle aber auch, dass die Lücken im Gläserbestand auch darauf zurückzuführen sind, dass in der Vergangenheit hin und wieder Trinkgläser an Bürger verkauft wurden. An leidenschaftliche Sammler womöglich. Sei’s drum. Besonders dringender Bedarf besteht demnach an Sekt- und Trinkgläsern von 0,25 und 0,5 Litern. Die werden nun besorgt. Obwohl in der entsprechenden Buchungsstelle im städtischen Haushalt nur Mittel in Höhe von 500 Euro vorhanden sind. Der Restbetrag wird trotz angespannter Haushaltslage über überplanmäßige Ausgaben finanziert. Wenn eine Notlage eingetreten ist, dann muss man helfen, koste es, was es wolle.
Das denken sich auch immer mehr Hagenbacher Bürger. Denn seit der Stadtrat über den Kauf von neuen Trinkgläsern für das Kulturzentrum diskutiert hat, schwappt eine Welle der Hilfsbereitschaft durch das etwas mehr als 5000 Einwohner zählende Städtchen. So haben sich aufgrund des Berichts in der RHEINPFALZ gleich drei Bürger, die sich ausdrücklich freuen, dass Hagenbach keine größeren Sorgen hat, für eine „Soforthilfe“ gemeldet. Eine Bürgerin hat ein hochwertiges Gastro-Service für 18 Personen im Kulturzentrum vorbeigebracht. Weiterhin stehen dort inzwischen 24 neue hochwertige Gläser bereit. Und ein weiterer Besucher der Veranstaltungsräume am Stadtrand hat angekündigt, er werde 100 Euro für die Gläseranschaffung spenden. In diesem Fall lässt sich doch ganz sicher von Glück sprechen – Glas hin oder her.