Hagenbach
Kreuze aus Protest gegen geplante Kündigungen bei Faurecia
Dicke Regenwolken sind am Sonntagmorgen am Himmel über Hagenbach aufgezogen. Über dem Standort von Automobilzulieferer Faurecia scheint die Sonne für die Beschäftigten gefühlt schon lange nicht mehr, seit die Nachricht durchgedrungen ist, dass wohl weite Teile der nach Unternehmensangaben derzeit rund 350 Menschen zählenden Belegschaft entlassen werden sollen. Etwa zehn Mitarbeiter des Faurecia Tech-Centers haben sich vor den Toren „ihres“ Unternehmens zusammengefunden, um symbolisch um Faurecia, ihre Arbeitsplätze und ihre gemeinsame Zeit als Kollegen zu trauern.
„Traurig, niedergeschlagen, enttäuscht, perspektivlos“ sei es hier zugegangen seit dem 27. September, als die Belegschaft von der geplanten Entlassungswelle erfahren hat, sagt Tim Doppler. Wie alle seine Kollegen hier ist er von Beruf Werkzeugmacher, genauer gesagt Prototypenbauer. Faurecia betreibt in Hagenbach seine Entwicklungsabteilung. Hier werden beispielsweise Airbags für neue Fahrzeuge entwickelt. Die Mitarbeiter, die heute da sind, sind alle seit Jahren in der Firma, zum Teil ihr halbes Leben, wie sie sagen.
Alleinstellungsmerkmal wird verschenkt
Mit der Entscheidung der Firma, fast jeden Zweiten zu entlassen, hadern sie nicht nur wegen der persönlichen wirtschaftlichen Folgen. „Die Sozialgemeinschaft, die langjährigen Freundschaften, das ist alles weg“, klagt Doppler. Mehr noch: „Wir haben für das Geschäft den Kopf hingehalten, sind um die Welt gereist, haben im Privaten oft zurückgesteckt für die Firma.“ Dass jetzt alles vorbei sein soll, sei schwer zu begreifen. Dazu werde „ein hohes Maß an technologischer Intelligenz zerschlagen. Wir haben mit dem Prototypenbau ein Alleinstellungsmerkmal. Dass man das herschenkt, ist erbärmlich.“
Annegret Kästle ist Betriebsratsvorsitzende bei Faurecia. Kam die Entscheidung im September für sie überraschend, oder lag das bereits in der Luft? „Auf einer Betriebsversammlung im August hatten wir noch gehört, dass aufgrund der besseren Auftragslage eher noch darüber nachgedacht werden würde, dass wir neue Arbeitskräfte einstellen.“ Davor habe es aber auch Durststrecken gegeben. In der Zeit habe der Betriebsrat mit der Geschäftsführung über die Vermeidung von Stellenabbau diskutiert. „Unseren Vorschlag, verstärkt älteren Mitarbeitern den Vorruhestand anzubieten, wollte die Geschäftsführung nicht aufgreifen. Über die Auftragslage hat man uns gesagt, das würde sich alles ergeben“, erinnert sich Kästle.
Zusammengehörigkeitsgefühl gewachsen
Den Stellenabbau will sie nicht akzeptieren. „Wir wollen kämpfen, haben noch Aktionen in der Hinterhand.“ Am Montag ist ein Treffen mit den Chefs angesetzt. Diese wollen die Abteilungen Prototypenwerkstatt, Labor, Validation und Innovation schließen und in andere Standorte in Europa verlegen, sagt Kästle. Die Mitarbeiter wollen ihre Argumente darlegen, um den Standort zu retten. Hoffnung macht ihnen das Werk Scheuerfeld, das ebenfalls lange auf der Kippe stand, aber schließlich gerettet werden konnte. „Solange Licht brennt, ist Hoffnung“, sagt Faurecia-Mitarbeiter Udo Häfele. Durch die Not ist das Zusammengehörigkeitsgefühl seines Erachtens gewachsen. Auch eine Menge Kollegen, deren Arbeit nicht bedroht ist, sind nach seiner Aussage jüngst in die Gewerkschaft eingetreten. „Es geht nach dem Pinguinprinzip“, wirft ein weiterer Mitarbeiter ein. „Wenn wir zusammenstehen, erfrieren wir nicht.“
Wenn es trotz aller Bemühungen bei dem geplanten Stellenabbau bleibt, wird die Jobsuche nicht leicht, fürchtet Tim Doppler. „Wir sind zwar alle qualifizierte Fachkräfte, aber eben sehr spezialisiert auf die Arbeit, die wir hier machen. Es würde wohl auf einen Quereinstieg hinauslaufen.“