Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kreis Germersheim: Die Mülltonnen-Kontrolleure kommen

Plastik macht Biomüll für die Vergärung unbrauchbar oder landet als Mikroplastik in der Umwelt.
Plastik macht Biomüll für die Vergärung unbrauchbar oder landet als Mikroplastik in der Umwelt. Foto: Iversen

Im Landkreis Germersheim werden ab Dezember Biomüllkontrolleure unterwegs sein. Ab sofort beginnt ein aufwendiges Aufklärungsprogramm, um möglichst schnell störstofffreien Biomüll für die Vergärungsanlage in Westheim zu bekommen. Aktuell sind die Biotonnen mit Restmüll, Sperrmüll und vor allem Plastik vermüllt.

Die Kreisverwaltung und das Entsorgungsunternehmen Suez haben zwei Schwerpunkte ausgemacht. Zum einen werden die Bio-Container im Bereich von größeren Mehrfamilienhäusern am meisten missbraucht. Zum anderen ist es sogar der gute Wille der Bürger, der Probleme schafft: Die als kompostierbar verkauften Mülltüten für Biomüll. Die Tüten sind über einen längeren Zeitraum zwar tatsächlich kompostierbar, aber eben nicht in einer Vergärungsanlage, in der Biogas produziert wird. Sie landen zerkleinert wie andere Plastiktüten als Mikroplastik im Kompost, der bei der Vergärung mit entsteht. Und dieser Kompost wiederum gelangt auf Felder, auf den Lebensmittel produziert werden.

Handel soll freiwillig auf Kompost-Tüten verzichten

Landtagsabgeordneter Martin Brandl (CDU) hat im Kreisausschuss am Montag gefordert, den Einzelhandel im Kreis zu informieren und zu bitten, diese kompostierbaren Plastiktüten aus dem Angebot zu nehmen. Stattdessen sollten entsprechende Papiertüten verkauft werden – oder die Verbraucher nutzen Zeitungspapier zum Einwickeln ihres Bioabfalls. Das ist problemlos in der Vergärungsanlage zu verarbeiten.

Eine deutliche Verbesserung der Bioabfallqualität sei notwendig, um die Kapazität der Vergärungsanlage zu nutzen – und damit auch aktiv Umwelt- und Klimaschutz zu betreiben, so Landrat Fritz Brechtel (CDU) und Abfallwirtschaftsdezernent Michael Gauly. Immerhin geht es um die Energiemenge pro Jahr, für die sonst rund 3 Millionen Liter Heizöl verbraucht würden: ungefähr 30.500 Megawattstunden.

Gelbe und rote Karten für Plastik im Biomüll

Deshalb gibt der Kreis jetzt für eine großzügige Informationskampagne 80.000 Euro aus. Damit werden neben Informationsblättern, die in mehreren Sprachen in allen Haushalten verteilt werden, rote Aufkleber finanziert. Sie haben die Form eines Stop-Schildes und Aufschrift „Stop – Kein Plastik in die Bio-Tonne“. Immerhin für fast 30.000 braune Tonnen im Landkreis.

Außerdem gibt es in Anlehnung an den Sport gelbe und rote Karten – mit Konsequenz. Wer eine gelbe Karte und eine gelbe Banderole an seine Biomüll-Tonne bekommt, wird damit auf geringe Mengen mit falscher Befüllung hingewiesen, aber die Tonne wird trotzdem entleert. Rote Karte samt roter Banderole gibt es für viel Störstoff in der Biotonne. Der Eigentümer kann dann selbst nachsortieren oder eine Zusatzleerung als graue Restmülltonne beantragen – was entsprechend Geld kostet. Je nach Größe der Tonne werden 15,50 bis 49,50 Euro fällig.

Chip in der Tonne verhindert Schummelei

„Wir wollen natürlich so viel möglich sauberen Biomüll um daraus so viel wie möglich Energie gewinnen zu können“, sagte Brechtel. Das sei das Ziel der Kontrollen. Die werden im Dezember beginnen. Jeweils ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung und des Entsorgungsunternehmens gehen zu Fuß vor dem Müllauto her, inspizieren die Tonnen – und vergeben die Karten. Schummeln funktioniere garantiert nicht, erklärte Gauly. Die Tonnen sind mit Chips gekennzeichnet und können sofort als nicht zu entleeren markiert werden, wenn sie eine rote Karte oder Banderole haben. „Selbst wenn jemand noch schnell die Banderole abreißt, nützt das nichts“, so Brechtel. Auch Mehrfachtäter mit gelber Karte werden so erkannt.

Beide, Brechtel und Gauly, betonen, dass es nicht um Bestrafung gehe. Vielmehr investiere man den Aufwand an Geld und Personal, um das Umweltbewusstsein der Bürger zu schärfen und die Bedeutung des Biomülls als Rohstoff zur Energiegewinnung darzustellen. Als symbolische Geste könnten richtig befüllte Tonnen mit einer grünen Banderole versehen werden, so ein Vorschlag.

Biomüll mit viel Plastik bei der Anlieferung in der neuen Vergärungsanlage in Westheim.
Biomüll mit viel Plastik bei der Anlieferung in der neuen Vergärungsanlage in Westheim. Foto: Iversen
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