Westheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kostenexplosion beim Bürgerhaus

Frühestens im Herbst können die Bauarbeiten beginnen.
Frühestens im Herbst können die Bauarbeiten beginnen.

Für ihre „gute Stube“ muss die Kommune viel tiefer in die Tasche greifen als gedacht – aus einst 216.000 Euro werden wohl 1,1 Millionen Euro. Was sind die Folgen?

Im Bürgerhaus gibt es sehr viel zu tun, es muss umfassender saniert werden als anfangs vermutet: Dass das Projekt „große Ausmaße angenommen hat, es viele Sachen zu koordinieren gibt“, hatte Ortsbürgermeisterin Susanne Grabau (FWG) schon im Ausblick aufs Jahr 2022 anklingen lassen. Anfangs sei die Gemeinde davon ausgegangen, dass nur die Elektrik sowie die Heizung und die Lüftung erneuert werden müssten, dafür kein Architekt nötig sei, alles über die Bauabteilung der Verwaltung abgewickelt werden könne. Ein benötigtes Brandschutzgutachten habe dann jedoch viele zusätzliche Arbeiten gefordert: „Es kamen so viele Sachen zusammen, dass das die Bauabteilung nicht mehr leisten konnte und wir einen Architekten mit ins Boot nehmen mussten“, sagte Grabau nun auf Anfrage.

Teure Heizungspläne

Der Gemeinderat ermächtigte Grabau nun, um keine weitere Zeit zu verlieren, mit dem wirtschaftlichsten Bieter einen Architektenvertrag für die Gebäudeplanung abzuschließen. Grund: Bisher hatte das beauftragte Büro nur auf Stundenbasis die Unterlagen für den Brandschutz zusammengestellt, die Kosten ermittelt und den Bauantrag erstellt. Eine wichtige Entscheidung, die der Rat zu fällen hatte: Soll eine Gas- oder Hybridheizung installiert werden? Eigentlich hatte die Gemeinde geplant, die vorhandene Gasbrennwerttherme durch einen Brennwertkessel zu ersetzen. Das hätte geschätzte 30.000 bis 36.000 Euro gekostet, plus 30 Prozent Planungskosten. Alternative: Die Gasbrennwerttherme durch einen Brennwertkessel zu ersetzen, der 70 Prozent der Heizlast übernimmt – und zusätzlich im Außenbereich eine Luft-Wasser-Wärmepumpe aufzustellen, die 30 Prozent der Heizlast abdeckt. Problem dabei: Kosten zwischen 113.000 und 125.000 Euro, plus 30 Prozent Planungskosten – also Mehrkosten von bis zu 115.000 Euro. Dennoch: Einstimmig plädierte der Rat für eine Hybridheizung: „Weil wir uns für die Zukunft aufstellen wollen“, begründete Grabau.

Folge der stark gestiegenen Sanierungskosten: Um einen erhofften Zuschuss aus dem Investitionsstock des Landes zu erhalten, muss die Kommune einen neuen Zuschussantrag stellen. Für die Forderung der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) gab der Rat grünes Licht. Apropos Finanzen: Im aktuellen Haushalt sind nur 600.000 Euro für das Projekt veranschlagt und von der Kreisverwaltung auch genehmigt. Zudem rechnete die Gemeinde mit einem 295.000-Euro-Zuschuss. Der fehlende Betrag von voraussichtlich 455.000 Euro, der ebenfalls bezuschusst wird, muss in den Haushalt 2023 eingestellt werden.

Bauzeit unklar

Klar ist, dass der anvisierte Zeitplan nicht eingehalten werden kann: Eigentlich sollten die Arbeiten zehn bis zwölf Wochen dauern und – weil das Bürgerhaus geschlossen werden muss – dafür die sechswöchigen Sommerferien mit genutzt werden. Wann die Arbeiten starten, ist laut Grabau noch offen: „Frühestens im Herbst“, sagte sie auf Nachfrage. Und fügte an: „Im Moment ist der Architekt dabei, den Zeitplan detailliert auszuarbeiten.“

Die Sanierung des Bürgerhauses wird deutlich teurer.
Die Sanierung des Bürgerhauses wird deutlich teurer.
x