Kreis Germersheim Klinik schließt Station: Kein Geburtsort Germersheim mehr

Ab 1. Januar 2019 kommen in Germersheim zumindest in der Klinik keine Kinder mehr zur Welt.
Ab 1. Januar 2019 kommen in Germersheim zumindest in der Klinik keine Kinder mehr zur Welt.

Die Asklepios-Klinik muss zum 1. Januar 2019 ihre Geburtsstation schließen. Hintergrund ist die Kündigung des kompletten Hebammen-Teams im September. Die Gynäkologie bleibt erhalten, ein neuer Schwerpunkt sind operative Angebote. Die Familienhebamme weist darauf hin, dass das Versorgungsnetz für Mütter erhalten bleibt.

Über 800 Kinder sind im vergangenen Jahr in Germersheim auf die Welt gekommen. Lange Zeit lockte die Geburtsstation dank ihrer anthroposophischen Ausrichtung Frauen aus einem weiten Umkreis an. Doch damit ist jetzt Schluss: Ab dem 1. Januar 2019 gibt es die Station nicht mehr. Ganz überraschend kommt die Entscheidung der Klinik nicht: Ende September hatte das komplette Hebammen-Team überraschend gekündigt. Die 12 Frauen werden sich in Zukunft in einem „ganzheitlichen Zentrum“ um Schwangere und junge Familien kümmern (wir berichteten).

Klinik: Keine Hebammen verfügbar

Schon zu diesem Zeitpunkt hatte es sich abgezeichnet, dass es für Geschäftsführer Frank Lambert schwer werden würde, genug Hebammen zu finden, um den Betrieb der Station aufrecht erhalten zu können. „Man habe alle erdenklichen Anstrengungen unternommen, um die unbesetzten Stellen in ausreichender Zahl neu zu besetzen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Asklepios-Klinik von Donnerstagnachmittag. Bundesweit herrsche „ein dramatischer Mangel an Hebammen“. Vorübergehend hätte man die Station sogar mit nur sechs statt der bislang zwölf Hebammen weitergeführt. „Doch selbst diese Handvoll Hebammen war auf dem Stellenmarkt nicht verfügbar“, heißt es in der Mitteilung weiter. „Wir mussten den Müttern und den Mitarbeitern auf der Station Klarheit geben“, sagt Geschäftsführer Lambert im Gespräch mit der RHEINPFALZ zu der Entscheidung. Nur zwei Bewerbungen hätten die Klinik erreicht, mehr gebe der Arbeitsmarkt gerade nicht her. „Wir wollen alle Mitarbeiter halten, die Pflegekräfte liegen uns besonders am Herzen“, betont er. Der Versorgungsauftrag hinsichtlich der Geburten wurde schon an das Land Rheinland-Pfalz zurückgegeben. Die gynäkologische Station bleibt aber erhalten, wie auch die in Kandel nach der dortigen Schließung der Geburtsstation. Chefarzt Karl Kunz ist in Kandel für die operative Gynäkologie zuständig, die Krankheitsbilder reichen von gut- und bösartigen Erkrankungen bis hin zu Problemen mit dem Beckenboden oder Endometriose. In Kandel arbeite man auf der Station jedoch „immer an der Kapazitätsgrenze“, sagt Lambert. Deshalb werde in Zukunft auch in Germersheim operiert.

"Hebammen haben eine Entscheidung getroffen"

Für das Betreuungsnetz für Mütter im Kreis Germersheim ändere sich aber nichts, betont Familienhebamme Jutta Breichler. „Das hat nichts mit uns zu tun.“ Breichler koordiniert ein Team aus Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen. Das Projekt „Guter Start ins Kinderleben“, das bisher an der Asklepios-Klinik gelaufen ist, gebe es auch an den anderen Kliniken der Region. „Wir bekommen auch Anrufe aus Speyer und Karlsruhe“, sagt sie. „Nun müssen wir noch mehr mit diesen Partnern zusammenarbeiten.“ Weiterhin gelte: „Bei uns kann sich jeder melden, anonym und ohne Antrag.“ Werdende Mütter müssten sich nun für die Entbindung einen anderen Platz suchen - eine bundesweite Entwicklung, die nun auch den Landkreis erreicht habe. „Anderswo werden Kreißsäle geschlossen und die Hebammen wissen nicht wohin. Hier haben die Hebammen eine Entscheidung getroffen“, gibt Breichler zu bedenken. „Das wird von Hebammen nicht erwartet.“ Den Geburtsort Germersheim gibt es also nur noch bis 31. Dezember 2018. Die Nachfrage der Mütter sei zwar schon zurückgegangen, sagt Lambert. „Aber die Station ist bis zum letzten Tag an 24 Stunden besetzt.“ Kontakt Familienhebamme Jutta Breichler ist erreichbar unter Telefon 0170 7905825 oder per Mail an famhebamme.ger@web.de

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