Kreis Germersheim Klimaschutz im Schulalltag
„Herr Dr. Nitsche, wir möchten Ihnen noch ein kleines Geschenk mitgeben“, beendete die Schülerin Anne ihre kleine Rede. Und steuerte nach einem unsicheren Blick in die Runde den Landrat Fritz Brechtel an. Der neben ihm stehende Oberbürgermeister nahm die Verwechslung ebenso sportlich und heiter auf wie die umstehende Empfangsgesellschaft. Zumal ihn dann nur wenige Minuten darauf eine weitere Schülerin wiederum tatsächlich mit Brechtel verwechselte. Die unbeabsichtigte Symbolik des austauschbaren Politikers passte letztlich sogar zum Thema.
Denn die Integrierte Gesamtschule (IGS) ist für ihre langjährigen Klimaschutzaktivitäten mit dem Deutschen Klimapreis 2019 der Allianz-Umweltstiftung ausgezeichnet worden. Anlässlich eines Informationsbesuchs übergab Landrat Fritz Brechtel (CDU) für den Landkreis zudem ein weiteres „kleines Taschengeld“ in Höhe von 1000 Euro. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Und hier wird einiges getan“, begleitete er die Geste. Den Anfang machten 2001 IGS-Lehrer wie Cornelia Trommer-Klimke und Stefan Reiser. „Wörth hat damals Geld gebraucht und musste sparen“, erinnert sich Reiser. Durch Energiesparmaßnahmen bei Strom, Wasser und Heizung sollten die Kosten gedrückt werden. Trommer-Klimke: „Und dann waren wir clever und haben gesagt, gebt uns die Hälfte der Einsparungen und wir machen etwas draus. Das hat eingeschlagen!“ Aus diesem Fifty-Fifty-Vertrag ergaben sich in den Folgejahren stolze Summen. Bis heute sind es 48.375 Euro, die in eine Photovoltaik-Anlage, Sparwasserhähne oder einen Trinkwasserbrunnen geflossen sind. Alles Maßnahmen im Sinne der Nachhaltigkeit. Dafür, dass es laut Reiser kein Schüler schafft, „ohne vom Thema Nachhaltigkeit berührt zu werden durch die Schulzeit zu kommen“, sorgen auch zwei Schülerfirmen. Das „Café Delight“ verkauft ein- bis zweimal in der Woche möglichst nachhaltige und fair gehandelte Snacks und Getränke an die Mitschüler. Und „Three G“ hat sich unter dem Motto „genial, gut, günstig“ unter anderem den Themen Weiterverwertung von Gebrauchtem sowie nachhaltigen Trinkflaschen verschrieben. Die Widersprüche eines möglichst nachhaltigen Lebens sind den Schülern dennoch bewusst. „Privat achtet man nicht so bewusst darauf, aber hier in der Schule wird man schon öfters daran erinnert“, sagt Pascal (16). Er ist zur Zeit neben Anne Geschäftsführer des Cafés Delight. Auch Kimberly (16), die mit Justin (15) das Three G-Projekt führt, weiß, dass vieles noch besser geht: „Nein, ich habe noch nie auf etwas verzichtet, wenn es mir wirklich weh getan hätte. Meine Schwester ist auf dieses Thema noch viel mehr fixiert. Sie isst kein Fleisch, sondern viel Gemüse.“ Dass dann auch noch ihr Kollege Pascal an der leidigen Flugzeugfrage scheitert, ist fast schon erwartbar: „Ich achte so gut wie ich kann auf Nachhaltigkeit“, sagt er. Und hebt für den Urlaub dann trotzdem ab. Aber wer will sich und anderen Vorwürfe machen, wenn selbst der ansonsten sehr rührige Schulleiter Jörg Engel in Sachen Umwelt seinem Nachnamen nicht immer gerecht werden kann: „Ich fahre mit dem Auto in die Schule und sitze da dann alleine drin.“ Das Fahrrad wäre zwar eine Alternative, aber „da bräuchte ich mehr Mühe. Und ein Schulleiter, der in verschwitztem Sakko in die Schule kommt, macht sich auch nicht so gut.“ Info www.cafedelight.de