Kreis Germersheim Kinder lernen, Männer blockieren

Für manche ein Ärgernis: Müll hinter der Sozialunterkunft.
Für manche ein Ärgernis: Müll hinter der Sozialunterkunft.

«Schaidt.» Da wäre vor allem der Müll, der vor allem auf dem Grundstück des früheren Landgasthofs „Zur Linde“ offen herumliegt. Und das seit Jahren. Dazu gesellen sich, von Woche zu Woche mehr, wie Christa Bouquet findet, sogenannte „gelbe Säcke“ mit allerhand Abfall. Und auch mit Speiseresten in den Behältern, die von „Bewohnern“ am „Bachrand“, gemeint sind die Ratten, nur allzu gerne gefuttert werden. Jüngst erst waren gleich vier fast nagelneue Kinderwagen, die über Winter im Garten herumstanden, Stein des Anstoßes bei Anliegern und Passanten. Und das bei jedem Wetter. Sie seien „kaputt“ gewesen, hieß es, was von Bouquet aber vehement bestritten wird. Man hätte einen Sportwagen leicht reparieren und weiter verwenden können. Solche Dinge aber verstärken negative Vorurteile bei den Menschen. „Linde“ dient als Sozialunterkunft Die „Linde“ gehört einem Privatmann, der an die Stadt Wörth vermietet hat. Für die Unterbringung von Asylbewerbern und von obdachlos gewordenen Menschen, bestätigt Ulrike Rüffel vom Sozialamt der Stadt Wörth. Ein Hausmeister kümmere sich um die handwerklichen Belange und um den Müll, so Rüffel. In der Linde wohnen zur Zeit 25 Personen, davon 10 Kinder, um die sich auch ehrenamtliche Helfer kümmern. Sie selbst kümmere sich mit einer Kollegin um amtliche und gesundheitliche Angelegenheiten. Insgesamt wohnen derzeit 41 Flüchtlinge in Schaidt. Sie haben Wohnungen in vier verschiedenen Häusern von Privatleuten. Diese Zahl ist einer Aufstellung entnommen, die bei der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates Schaidt vom stellvertretenden Ortsvorsteher Herbert Hauck (SPD) vorgelegt wurde. Laut Hauck gebe es mit den Flüchtlingen in Schaidt keine Probleme. Auch der Sprachkurs „Deutsch für Ausländer“ sei zwischenzeitlich eingestellt worden. Anscheinend können alle so gut die deutsche Sprache sprechen, dass eine Fortführung des Kurses nicht mehr erforderlich sei, so Beiratsmitglied Thomas Krämer-Schmaltz (Bündnis 90-Die Grünen), der hier ebenfalls engagiert war, in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates. Zuletzt habe Karlheinz Herndler den Deutschkurs geleitet. Momentan sei ein Kurs aber wohl nicht notwendig. Christa Bouquet hat in letzter Zeit zwar auch schlechte Erfahrungen gemacht, ist aber zugleich mit den Fortschritten mehrerer Flüchtlinge sehr zufrieden. Es gebe halt Unterschiede, sagt sie. Die einen seien bestrebt gewesen, die deutsche Sprache schnell zu lernen und angebotenen Arbeiten nachzugehen. Andere wiederum täten sich damit sehr schwer. Fachkräfte werden abgeschoben Wie ungerecht es zugehen könne, habe sie jetzt wieder erfahren. Drei Wochen zuvor sei eine Familie morgens um 7 Uhr und ohne Ankündigung nach Aserbaidschan abgeschoben worden. Die vier Menschen tun ihr besonders leid, weil deren Integration bestens geklappt habe. Die Frau ist ausgebildete Krankenschwester, ihr Mann habe eine Ausbildung bei einem Autohaus in der näheren Umgebung begonnen. Obwohl man hier sehr mit ihm zufrieden war und er auch große Fortschritte gemacht habe, musste die Ausbildung abgebrochen werden. Bouquet hält Verbindung mit dieser Familie und erfuhr, dass sich die Polizeibeamten, vor denen die Familie große Angst hatte, sehr „human“ verhalten hätten. Da sei man in Aserbaidschan ganz anderes gewohnt. Das war auch der Grund für ihre Flucht gewesen, nun mussten sie nach Aserbaidschan zurückkehren. Zukunft ungewiss! In Deutschland hätte man beide Fachkräfte ganz gut gebrauchen können, so Bouquet, die aber auch von anders gelagerten Fällen berichtet. Oft helfen die Kinder den Eltern Die Flüchtlingshelferin erzählt auch von Kindern, die sehr schnell lernen, sich rasch integrieren und die auch ihren Eltern helfen können. Dem stehe aber oft ein „patriarchalisches Weltbild“ entgegen. Oft blockierten die Männer, weil sie es gewohnt seien, alles zu bestimmen.

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